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Das Genie der geraden Linien

"5x Treumann" im Jüdischen Museum: Ein Design-Star und seine Familie - 23.07.2019 06:00 Uhr

Clan mit Künstler-Genen: Otto Treumanns Nachfahren — Sohn René, dessen Schwester Babette (Mitte) sowie Enkelin Suzanna — sind mit Leidenschaft beim Thema Farben und Formen geblieben. In den neuen Ausstellungsräumen des Jüdischen Museums geben sie allesamt Visitenkarten ihres Könnens ab.


Eine Familie, fünf Künstler, fünf Wege: "5x Treumann" heißt die neue Wechselschau des Jüdischen Museums Franken, in deren Zentrum der aus Fürth stammende Grafiker Otto Treumann steht. 2019 wäre er 100 Jahre alt geworden. Um sein Werk gruppieren sich Arbeiten seiner Frau Jettie Olivier, der Kinder René und Babette sowie der Enkelin Suzanna Treumann.

"Es freut mich besonders, dass die Ausstellung die erste Eigenproduktion des Museums im Neubau ist", sagt Museumsleiterin Daniela Eisenstein beim Pressegespräch. "Auch am alten Standort haben wir im Jahr 2000 mit einer Treumann-Schau begonnen." Was wenig wundert, denn der 1919 in Fürth geborene und 2001 im niederländischen Weesp gestorbene Otto Heinrich Treumann gilt als wichtiger Protagonist der internationalen Designer-Szene des 20. Jahrhunderts; von sich reden machte er unter anderem mit seinen Entwürfen für die israelische Fluglinie El Al.

Fürth verließ er allerdings bereits mit 16 Jahren, da seine jüdische Familie die Repressalien der Nazis zu spüren bekam. Als die auch in seine neue Heimat Niederlande einmarschierten und gnadenlos wüteten, ging er in den Untergrund. "Meine besten Werke damals waren Fälschungen von Unterschriften und Wertpapieren", schrieb Treumann. Zu sehen sind sie in einem separaten Teil der Ausstellung, der sich der Biografie des Künstlers widmet.

"Mich hat die Lebensgeschichte Otto Treumanns sehr berührt, ebenso seine Kunstwerke", äußerte Maria Scherrers, Vorstandsmitglied des Trägervereins des Museums, bei der Eröffnung der Schau. "Seine flächigen und farbigen Entwürfe stehen in auffallendem Gegensatz zu denen seiner Frau und Nachfahren", so die Grünen-Bezirksrätin.

Das ist kein Zufall. "Wir haben uns bewusst in ganz andere Richtungen entwickelt", sagt Babette Treumann, die mit ihrem Bruder René – er betreibt eine kleine Druckerei in Amsterdam – und Tochter Suzanna nach Fürth gekommen ist. "Es hätte keinen Sinn gehabt, Grafiken zu machen, weil das ja Papa schon gemacht hat." So verlegte René sich auf Drucke, Babette auf die Gestaltung von Textilien und Suzanna auf die expressionistische Malerei: "Gerade Linien wie bei Großvater meide ich bewusst."

Mit der Fürther Ausstellung sind die Treumanns ("Wir versuchen zu leben, er versuchte zu überleben") sehr glücklich. "Es fühlt sich an, als würde man in eine Grafik von Großvater hineinlaufen", sagt Suzanna voll des Lobes. Kuratorin Verena Erbersdobler hat Wände und Treppenaufgang in Farben streichen lassen, die in Otto Treumanns Arbeiten dominieren. Das erzeugt einen stimmigen Gesamteindruck. Für Erbersdobler war und ist "5x Treumann" ein Herzensprojekt: "Ich bin dankbar, dass mir das Museum und die Familie alle Freiheiten bei der Gestaltung gelassen haben."

Begleitet wird die große, im Untergeschoss des Neubaus angesiedelte Schau von der Schülerausstellung "Ottos Farben". 33 Mädchen und Jungen der Grundschule am Kirchenplatz befassten sich im Vorfeld der Eröffnung der Wechselschau mit dem Leben der Familie Treumann. Entstanden sind in gemeinsamen Workshops in Schule und Museum Collagen, Pochoirs und Drucke, zu sehen in den neuen Schauräumen der Museumspädagogik.

Info"5x Treumann. Von Fürth bis Amsterdam" und "Ottos Farben": Jüdisches Museum Franken (Königstraße 89). Dienstags bis sonntags 10-17 Uhr, 6/3 Euro, Kombiticket 8 Euro. Bis 19. Januar.

Einen Workshop gibt es am kommenden Dienstag. Zwischen 10 und 13 Uhr sind Kinder von sechs bis zwölf Jahren im Museum unterwegs, entdecken Briefmarken aus verschiedenen Zeiten, erfahren viel über ihre Geschichte — und werden vielleicht sogar selbst zum "Marken-Designer" und schicken eine besondere Briefmarke in die weite Welt. Für die Veranstaltung im Rahmen des Ferienprogramms sind noch Plätze frei. Anmeldung: www.ferien.fuerth.de 

Peter Romir

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