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Das Jahr der Brückenbaustellen

Maroder Beton und eingeschränkte Tragfähigkeit — Fürth kämpft mit Problemen - 07.01.2012 22:00 Uhr

Im desolaten Zustand ist besonders die Graf-Stauffenberg-Brücke. Ein marodes Randstück am Geländer wurde bereits aus Sicherheitsgründen herausgebrochen und mit einer Metallplatte notdürftig abgedeckt.

04.01.2012 © Anestis Aslanidis


In der kommenden Woche schon wird sich der städtische Bauausschuss mit der längst fälligen Sanierung der Graf-Stauffenberg-Bücke in Oberfürberg befassen. Es geht dabei um die Frage, wie der Verkehr während der nötigen Totalsperre fließen soll. Das Bauamt hat einen Vorschlag ausgearbeitet, wonach das wegen seiner Straßennamen so genannte „Komponistenviertel“ in der Dambacher Villenkolonie entlastet werden kann.

Möglich ist das bei einer stärkeren Nutzung der Südwesttangente als Umleitungsstrecke. Einziger Nachteil: Die Wege werden etwas länger. Durchgangsverkehr ist in der Villenkolonie seit dem Bau der Breslauer Straße ohnehin ein rotes Tuch. Deshalb will die Stadt mit einer Umleitungsstrecke nicht unnötig Öl ins Feuer gießen. 4,3 Millionen Euro kostet die Betonsanierung der 1971 fertiggestellten Stauffenbergbrücke. Um an Staatszuschüsse zu gelangen, ist die Reparatur aufgeschoben, der Verkehr zur Entlastung des maroden Bauwerks eingeschränkt worden.

Die einsturzgefährdete Vacher Regnitzbrücke kann nur noch einspurig von Pkw befahren werden. Eine Ampel regelt den Verkehr.

04.01.2012 © Aslanidis


Noch schlimmer ist es um die 55 Jahre alte Vacher Regnitzbrücke bestellt. Hier hat der Zahn der Zeit die Tragarme angenagt. Der Einsturzgefahr begegnet die Stadt mit elektronischen Sensoren, wie sie jetzt auch am Dach des Zirndorfer Bibertbades zur Warnung vor Überlastung durch Schnee installiert worden sind. Noch im Februar sollen die Überwachungsgeräte nach Angaben von Baureferent Joachim Krauße an der Brücke montiert werden. Schlagen diese bei einer Veränderung der Brückengeometrie Alarm, kann die Polizei den Verkehr sofort unterbrechen.

Busse auf Umwegen

Weil die Brücke zur Entlastung auf eine zwei Meter breite Fahrspur verengt worden ist, müssen Busse und Lkw über den Stadelner Talübergang ausweichen, auf dem sich im November ein schwerer Busunfall ereignet hat. Landwirte haben bereits erfolglos gegen die Einschränkung protestiert. Den nach einer Brückeninspektion überraschend verordneten Ausnahmezustand will die Stadt aber nicht zur Dauereinrichtung werden lassen. Laut Krauße soll noch heuer gebaut werden.

Vorgesehen ist die Errichtung einer Autobrücke und eines Fußgängersteges nördlich des alten Bauwerks. Dieses soll nach Abschluss der Arbeiten saniert werden. Der rund 2,7 Millionen Euro teure, mit öffentlichen Mitteln bezuschusste zweigeteilte Brückenschlag hat den Vorteil, dass der Verkehr bei künftigen Reparaturen über das unversehrte Brückenteil geführt werden kann. Bevor der Bau in Angriff genommen wird, muss die Stadt allerdings noch einige Quadratmeter Privatgrund erwerben. Krauße sieht darin jedoch kein größeres Problem. Auch zum geplanten Neubau der Zennbrücke im Zuge der Vacher Straße ist geringer Grunderwerb erforderlich. Mit Rücksicht auf die dringlicheren Reparaturen der Regnitz- und Stauffenberg-Brücke wurde diese Baumaßnahme zurückgestellt. Bedenken hinsichtlich der Sicherheit begegnet der Baureferent mit dem Hinweis auf regelmäßige Brückenkontrollen.

Der mit einer Stahlmanschette versehene Pfeiler der Bahnbrücke der Stadelner Theodor-Heuss-Straße muss noch durch ein Stützkorsett verstärkt werden.

04.01.2012 © Aslanidis


Nur notdürftig ist die ebenfalls bröckelnde Brücke der Stadelner Theodor-Heuss-Straße über die Bahnlinie nach Erlangen repariert worden. Eine Stahlmanschette hält den in Auflösung begriffenen Stützkopf des Mittelpfeilers zusammen. Nur noch Pkw dürfen die Brücke passieren. Damit sie wieder von Fahrzeugen bis 7,5 Tonnen Gesamtgewicht befahren werden kann, soll der marode Pfeiler noch heuer mit zusätzlichen Stützen verstärkt werden. Und dies, obwohl noch unklar ist, ob die Brücke ihre überörtliche Verkehrsbedeutung behält.

Platz für S-Bahn-Gleis

Geht es nach der Bahn, die hartnäckig einen Schwenk der S-Bahn durch das Knoblauchsland zur Schmalau plant, wird der Verkehrsweg nämlich gekappt. Die Stadt setzt jedoch, wie mehrfach berichtet, auf den S-Bahn-Ausbau entlang der Bestandsstrecke. Genügend Platz für ein zusätzliches Gleis bietet die Brücke in Stadeln jedenfalls.

Im Frühjahr sollen nach den Vorstellungen des Baureferenten die Zusatzstützen eingebaut werden. Dazu muss der Zugverkehr kurzzeitig unterbrochen werden. Die Verhandlungen mit der Bahn laufen noch. Die Reparaturkosten halten sich mit 100000 Euro im Vergleich zu den anderen Brücken im überschaubaren Rahmen.

VON VOLKER DITTMAR

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