Das „Milchhäusle“ auf dem Prüfstand

18.9.2014, 11:00 Uhr

© Foto: Hans-Joachim Winckler

„Gründlichkeit vor Eile“ lautet in diesem Fall die Maxime für Wirtschaftsreferent Horst Müller. Im problematischen Bemühen um eine Aufwertung der Adenaueranlage will er nichts übers Knie brechen. Zwar bietet er Rosemarie Lottes an, sich im Falle einer Ausschreibung wieder zu bewerben, doch leicht wird sie es nicht haben. Müller: „Schon jetzt gibt es etliche andere Interessenten.“

Für die 59-jährige Kioskbetreiberin bricht eine Welt zusammen. 1983 hatte die Fürtherin ihren Einstand in dem kleinen Sandsteinhäuschen zwischen Spielplatz und Toiletten gefeiert. Nachdem sie zehn Jahre lang als Angestellte bedient hat, übernahm sie den Betrieb schließlich selbst und hat in all den Jahren zahlreiche Stammgäste gewonnen.

Zu ihnen gehört Rose Schirl, die offen einräumt: „Wenn die Rosi nicht mehr da ist, hab ich keinen Grund mehr, in die Stadt zu fahren.“ Viele Nachbarn auf der Hardhöhe sähen das ähnlich. Schirl schätzt die Rast in der Grünanlage. Früher hätten ihre Kinder nebenan spielen können, das habe auch denen gefallen. Wer auf den Plastikstühlen am Kiosk Platz nimmt, stellt in der Regel keine großen Ansprüche. Das selbstgemachte Speisenangebot beschränkt sich im Wesentlichen auf Hausmannskost: Fleichküchle, Tellersülze und Currywurst. Den meisten Gästen genügt ohnehin das Bier.

„Reich werde ich davon nicht, aber es reicht mir“, räumt die Kioskbetreiberin ein. Sie selbst sei eben auch nicht besonders anspruchsvoll. Der Kiosk ist ein Saisonbetrieb von Mitte März bis Mitte Oktober. Allerdings öffnet Rosemarie Lottes nur bei schönem Wetter, da es keine ausreichend überdachten Sitzplätze gibt. Die Kündigung im März würde bei ihr voll ins Kontor schlagen, weil sie noch die Pacht für den Winter zahlen müsste, aber keine mehr Einnahmen hätte.

Eine Renovierung könnte der Kiosk gut vertragen. Die letzte liegt bereits ein Jahrzehnt zurück, als die 8000 Quadratmeter große Adenaueranlage mit 860 000 Euro Zuschuss aus dem Förderprogramm „Soziale Stadt“ saniert wurden. Für den Gebäudeunterhalt ist die Stadt zuständig. Glücklich ist sie mit der Kiosknutzung jedoch schon lange nicht. Bereits vor zehn Jahren wurde im Zusammenhang mit der Generalsanierung der Grünanlage aus dem 19. Jahrhundert Kritik laut. OB Thomas Jung sprach sich damals für ein Verbot des Verkaufs und Stehausschanks von alkoholischen Getränken aus. Gleichwohl wurde der Pachtvertrag mit halbjährlicher Laufzeit bislang immer stillschweigend verlängert.

Die schöne Vorstellung von Rosemarie Lottes, noch sechs Jahre bis zur Rente den Kiosk bewirtschaften zu können, ist mit den neuen Bestrebungen zwar fragwürdig geworden. Doch die 59-Jährige gibt die Hoffnung nicht auf. Schließlich hätten sich schon viele Pläne zur gastronomischen Aufwertung der Anlage wieder zerschlagen. Als „faires Vorgehen“ bezeichnet Wirtschaftsreferent Horst Müller die frühzeitige Ankündigung einer möglichen Veränderung. Die gegenwärtige Diskussion werde „ergebnisoffen“ geführt. Grundlage bildet die noch nicht abgeschlossene Untersuchung eines externen Sachverständigen zur Umfeldverbesserung. Und hierbei könne das Michhäusle nicht ausgeklammert werden.

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