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Das Spielmobil auf letzter Tour

In der Jugendarbeit der Stadt Fürth herrscht Betroffenheit wegen der Sparpläne im Rathaus - 04.11.2010 11:00 Uhr

Spielmobil in voller Aktion: Vor zwei Jahren führten diese Kinder im Rahmen der Theaterwerkstatt das Stück „Die Galoschen“ auf. Am 24. November wird der Stadtrat über das Schicksal des Spielmobils entscheiden. © Winckler


Brigitte Hoffmann kam frisch aus dem Urlaub, als sie die schlechte Nachricht von ihrer Kollegin erfuhr: „Setz’ dich erst mal, unsere Stellen werden gestrichen“, lautete die Begrüßung. „Ich dacht’, ich fall’ vom Stuhl“, sagt Hoffmann, die seit 1980 für das Spielmobil arbeitet. Der erste Schrecken ist gewichen, das Entsetzen bleibt. Ihr zufolge kam die Ankündigung, das Spielmobil auslaufen zu lassen, völlig überraschend.

Angeschossen ist die Einrichtung aber schon länger. Bereits 2005 wurde eine der drei 36-Stunden-Stellen gestrichen. Das Spielmobil änderte daraufhin sein Konzept. Wie zuvor mit dem Bus in die Stadtteile zu fahren und mit 150 bis 350 Kindern pro Tag Programm zu machen, das, so Hoffmann, sei zu zweit nicht mehr möglich gewesen.

Verträge nicht verlängert

Die verbliebenen Mitarbeiterinnen taten folglich andere Betätigungsfelder auf. Hoffmann stemmte Kinderprojekte zum Stadtjubiläum 2007, stellte mit Kindern eine Internetseite über Fürth (www.kleeblattforscher.de) auf die Beine, die einen Bundespreis erhielt, und organisierte die Kinderkulturwochen. Ihre Kollegin Bettina Härtel ist für theaterpädagogische Projekte verantwortlich, das mobile Kinderkino und den beliebten Zirkus Mumm während der Sommerferien. All das wird es, laut Hoffmann, ohne Spielmobil nicht mehr geben.

Bestürzt zeigt sich auch ihre Vorgesetzte Jutta Küppers, Leiterin der städtischen Jugendarbeit. Sie ist der festen Überzeugung, dass „Bildung nicht nur an Schulen stattfinden darf“. Schule, so Küppers, sei immer auch eine Zwangsveranstaltung. Beim Spielmobil könnten die Kinder und Jugendlichen sie selbst sein, müssten nicht funktionieren. „Sie kommen zu uns, um ihre Leidenschaften zu entdecken und ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten.“

Nach ihren Worten steht aktuell im Raum, die beiden Spielmobilstellen zum Jahresbeginn 2012 zu streichen. Um Entlassungen zu vermeiden, soll es wie folgt ablaufen: Wenn in der städtischen Jugendarbeit befristete Verträge enden, werden diese nicht verlängert. Die frei werdenden Aufgaben sollen die unbefristet angestellten Hoffmann und Härtel übernehmen. „Egal, ob sie das wollen oder nicht“, so Küppers. 

"Nicht prägend für Fürth"

108000 Euro will die Stadt Fürth dadurch an Personalkosten sparen. Im Gegensatz zu den „festen Jugendhäusern“ sei das Spielmobil für Fürth nicht „prägend“, also verzichtbar, heißt es. Zwar betont der OB, das Spielmobil könnte bestehen bleiben, sofern anderweitige Sparvorschläge kommen, doch dazu sieht sich Küppers nicht mehr in der Lage: „Die Jugendarbeit hat in diesem Jahr schon vier Sparrunden bedient.“ Der Jugendtreff Burgfarrnbach wird geschlossen, zusätzlich habe man intern die Sparsumme von 100000 Euro erbracht. Entsprechend schlecht und von Angst geprägt sei die Stimmung in der Abteilung.

Aktuell teilen sich dort 25 Mitarbeiter rund 20 Stellen, ein Witz im Vergleich zu Nürnberg, wie Küppers findet. Sie sei sich zwar bewusst, dass die Stadt sparen muss, sie wolle auch nicht in der Haut des Rathauschefs oder der Kämmerin stecken. Dennoch komme sie nicht umhin, gegen die erneuten Sparpläne anzugehen. „Ich will unseren Standard halten, das wahren, was wir erreicht haben“, sagt sie. Nur mit Fördermitteln – beispielsweise aus Bundesprogrammen – könne man dauerhaft keine gute Jugendarbeit machen.

Laut Küppers ist das Spielmobil leider kein Prestigeobjekt wie die Kunstgalerie, gegen deren Schließung sich aktuell heftiger Widerstand regt. Küppers hofft dennoch, dass sich einige Menschen ans Spielmobil erinnern und erkennen, dass es „einfach zu Fürth dazugehört“.

VON JOHANNES ALLES

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