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Der total entspannte Woodstock-Shakespeare

Love and Peace im Ardennenwald: Markus Nondorf inszeniert „Wie es euch gefällt“ im Hof des Fürther Rathauses - 24.07.2015 12:00 Uhr

Um diesen Brocken, Markus Nondorf bekennt es offen, habe er lange „einen großen Bogen gemacht“. „Wie es euch gefällt“ hat keine Handlung, die in wenigen Sätzen erzählt ist. Herzöge, Narren, Schäferinnen, Hirten, junge Männer und Frauen treiben im Ardennenwald allerlei wilde Dinge, die nicht nur einen Regie-Haudegen wie Nondorf ein ums andere Mal in den Stirnrunzel-Modus treibt, Motto: Was soll das denn jetzt schon wieder?

In die Hochblütezeit der Hippies verlegt TKKG-Chef und Regisseur Markus Nondorf seine aktuelle Shakespeare-Inszenierung. © Giulia Iannicelli


Doch keine Missverständnisse: Ein schwaches Stück sei diese anno 1600 zum Druck eingereichte Komödie des Glücks mitnichten; hier zeige sich halt, dass ihr Autor sich um Konventionen „einen Dreck geschert“ hat. Was hat dieser Shakespeare, der bis zum mehrfachen Happy End zahlreiche Dramaturgie-Salti schlägt, bloß geraucht? An 16 Abenden werden sich dies die Fürther Open-Air-Theatergänger fragen.

Vielleicht fragen sie sich aber auch, was eigentlich der Regisseur geraucht hat, denn Nondorf kündigt „ein szenisches Hippie-Revival“ an. Love, Peace, Freedom: Um nichts anderes gehe es auch im Stück des Engländers. Mit der wörtlich zu nehmenden Ankündigung „bunter Abend“ dürfte man daher nicht falsch liegen, zumal der TKKG-Chef hinzufügt: „Zeitlich begeben wir uns voll in die Woodstock-Zeit“ — und musikalisch schwingen ausnahmslos die Beatles das Zepter. Die waren beim legendären Festival 1969 zwar nicht dabei, doch ihr „All you need is Love“ steht noch immer klangbildlich für eine ganze Blumenkinder-Epoche.

Ja, auch sie habe kurz schlucken müssen, als Nondorf bei der ersten Probe mit der Hippie-Tür ins Haus fiel. „Doch es ist erstaunlich“, sagt Varvara Imas, „wie gut das aufgeht“. Imas, eine Schülerin Birigtte Dörings und Mitglied der Nürnberger Hans-Sachs-Spielgruppe, war die Ophelia im gefeierten „Hamlet“ vom Vorjahr, ebenfalls im Rathaus-Innenhof. Heuer ist die Schauspielerin — im wahren Leben Erzieherin in Nürnberg — wieder in einer Hauptrolle zu erleben; als Ausreißerin Rosalinde bringt sie Oliver, Sohn von Sir Rowland, schier um den Verstand. All you need is Love.

Um 90 Minuten gekürzt

16 Damen und Herren umfasst das Ensemble, darunter Hamlet-Darsteller Karsten Kunde als Narr Probstein. Um „100 Prozent Ensemblearbeit“ habe es sich bei einer der bittersten Trainingseinheiten vor der Premiere gehandelt, so Nondorf. Mit der Kürzung des Stoffes waren tatsächlich alle beschäftigt — so lange, bis der Vier-Stunden-Koloss auf schnittige zweieinhalb Stunden zurechtgeschnitzt war. Es gibt schönere Jobs.

Aber auch in zweieinhalb Stunden ist genug Zeit, dem Theateraffen Zucker zu geben. Nondorf: „Diesmal wird es richtig albern. In dieser Produktion bin ich mir für keinen blöden Gag zu schade. Shakespeare bietet das hier einfach an.“ Und wer weiß, wann man hier, im Rathaus-Geviert, jemals wieder so lustig zusammenkommt. Die nahenden Arbeiten am Erhard-Zentrum dürften das Umfeld des Spiel-Areals über sehr viele Monate lahmlegen. Für Sommer 2016 hat das TKKG denn auch bereits einen alternativen Ort auserkoren. Aber das ist eine andere Geschichte.

„Wie es euch gefällt“: Premiere am 30. Juli, 20 Uhr, Innenhof des Fürther Rathauses. 15 weitere Termine bis 16. August. Karten (16/9, mit ZAC-Karte 13 Euro) im FN-Ticket-Point (Rudolf-Breitscheid-Straße 19, Tel. 77 98 70). 

MATTHIAS BOLL

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