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Der Umzug war heiß ersehnt

Vor hundert Jahren wurde die Fürther Feuerwache am Helmplatz eingeweiht - Raumnot ist ein Dauerbrenner - 20.09.2008

«Das Gebäude ist wunderschön, es hat Charakter und lebt regelrecht», sagt Feuerwehrchef Christian Gußner. Für sechs Pferde und Gerät wurde die Wache am Helmplatz vor ihrer Inbetriebnahme im Jahr 1908 konzipiert. Am Erscheinungsbild des für damalige Verhältnisse prächtigen Domizils hat sich bis heute kaum etwas geändert. Im Inneren löste hingegen ein Provisorium das nächste ab. Die Belegschaft hat notgedrungen gelernt, sich damit zu arrangieren.


Neun Jahre später freute man sich in Fürth bei einem würdigen Festakt im Geismannsaal über den Neubau der Feuerwache am Helmplatz, in unmittelbarer Nähe zur Königstraße. Brandmeister Heinrich Schrank lobte, die «Disposition der Innenräume ist durchwegs eine meisterhafte zu nennen». Im nächsten Atemzug plädierte er übrigens heftig gegen das «Gespenst einer Berufsfeuerwehr». Die gibt es nun erfreulicherweise seit mehr als 50 Jahren in Fürth - in derselben Wache, die 1908 unter anderem für sechs Pferde und «Gerät», das sich heute im Museum bestaunen lässt, erbaut wurde.

Die Gefühle der Männer, die 2008 hier arbeiten, sind zwiespältig: «Das Gebäude ist wunderschön, es hat Charakter und lebt regelrecht», sagt Christian Gußner, Leiter des Amts für Brand- und Katastrophenschutz. «Nüchtern und sachlich betrachtet, ist die geplante neue Feuerwache allerdings absolut notwendig.» In keiner Weise sei es möglich, die aktuellen Sicherheitsstandards einzuhalten, die Engpässe sind augenfällig: «Wir alle hoffen auf den Tag, an dem wir die neue Wache beziehen.»

Ein Dauerbrenner in der Geschichte des Hauses ist die Raumnot. Im Februar 1957 schon musste man sich zum Beispiel im Stadtbauamt Gedanken machen, wie der «Feuerwehr aus ihrer Zwangsjacke herausgeholfen werden kann». Brandamtmann Xaver Dimper forderte, dass «seine Männer endlich wenigstens so gut untergebracht werden wie die Obdachlosen im Asyl». Bislang müssten sie «zusammengepfercht wie die Ölsardinen» leben.

Pfiffige Notlösungen und arbeitsintensive Umbauten - meist von den Feuerwehrmännern selbst erledigt - waren seit jeher Programm. Den sich kontinuierlich wandelnden Aufgaben und Ausrüstungen der Feuerwehr konnte sich das Gebäude zwangsläufig jedoch immer weniger anpassen.

200 000 Mark hatte die Stadt 1907 für den Neubau zur Verfügung gestellt. Dafür gab es einen stattlichen Flügelbau, dessen Fassade mit einem Hauch von «barockisiertem Jugendstil» («Denkmäler in Bayern») geschmückt wurde. Nicht nur die Feuerwehr kam hier unter. Es gab auch hochherrschaftliche Dienstwohnungen für den Rektor der Helmschule, den Bürgermeister, für Brandmeister und Kommandant.

Garantiert nicht herrschaftlich waren die Unterkünfte für den Kutscher und die Mannschaftsräume. Die Pferde, die Spritzen und Leitern im Galopp zum Einsatz brachten, standen in einem 60-Quadratmeter-Stall, darüber war der Heuboden. 1939 wurde aus dem Stall eine kleine Garage, das Futterlager wurde damals zur Bekleidungskammer.

So reihte sich Umbau an Umbau, und nichts war dauerhafter als die unzähligen Provisorien. Seit Ende der 80er Jahre gibt es Neubaupläne - und Verschiebungen des Baustarts. Ein Gang durch die alte Wache offenbart heute Pittoreskes, wie das kleine Feuerwehrmuseum in einem fensterlosen Gewölbe, und schwierige Arbeitsbedingungen für die 79 Männer, die hier im Schichtdienst arbeiten. Noch immer im Betrieb ist zum Beispiel die 1939 als Luftschutzraum gebaute, mittlerweile völlig veraltete Schlauchwäsche. 19 moderne Einsatzfahrzeuge plus Anhänger sind in Fahrzeughalle und Eichamt untergebracht. Ein «vorübergehend» im schmalen Hof aufgestelltes Zelt für drei Fahrzeuge ist schon längst zur festen Einrichtung geworden. Auch die Lage der Wache, die 1908 perfekt war, ist problematisch. Vor allem während der Kirchweih, die vor der Tür verläuft. Christian Gußner: «Vor zwei Jahren sind wir von Festbesuchern sogar massiv beschimpft und behindert worden, als wir zu einem Einsatz mussten.»

Renate Trautwein hat die Vergangenheit der alten Feuerwache zum 100. Jubiläum in einem faktenreichen Buch («Heiße Fürther Gschichtn») beleuchtet. Tief und intensiv stiegen auch Oliver Wittmann und Michael Weilgony ins Archiv. Welche spannenden Funde sie dort machten, zeigt eine Ausstellung im Stadtmuseum Ludwig Erhard ab 28. September.

Feuerwehrchef Gußner denkt schon weiter. Die Fotos der Ausstellung, plant er, sollen anschließend die Wände einer neuen Feuerwache schmücken. Oberbürgermeister Thomas Jung versichert, dass dies «2012, spätestens 2013» möglich sein wird. Im Frühjahr 2009 soll in der Kapellenstraße mit dem Bau einer Turnhalle begonnen werden. Anschließend ist der Abriss der MTV-Halle geplant, an deren Stelle wird die Feuerwache kommen: «Das wird auf jeden Fall in dieser Stadtratsperiode passieren», erklärte Jung gestern auf FN-Anfrage. Die Tage der Helmplatz-Feuerwache scheinen nach 100 Jahren also wirklich gezählt. Schicke Wohnungen sollen dann hier Platz finden.

Die Ausstellung «100 Jahre Feuerwache Fürth» im Stadtmuseum Ludwig Erhard, Ottostraße 2, ist am 28. September und 2. November jeweils von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Zwischen diesen beiden Terminen zudem dienstags von 9 bis 12 und donnerstags von 14 bis 17 Uhr.

Das Buch «Heiße Fürther Gschichtn» von Renate Trautwein ist im emwe-Verlag Nürnberg erschienen und unter anderem in der Ausstellung erhältlich.

Weitere Infos: www.feuerwehr-fuerth.org 

Sabine Rempe (Text) und Ralf Rödel (Fotos)

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