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Der Wackeldackel weckt Erinnerungen

Kultur und Musik der 70er Jahre leben bei einem Stammtisch in der Fürther Kofferfabrik auf - 06.06.2012 16:00 Uhr

Rafaela Rzonsa und Ulrich Peters — hier mit Wackeldackel — haben den Stammtisch „Alde Daggel“ in der Kofferfabrik ins Leben gerufen. © Seilkopf


Worauf Rafaela Rzonsa und Ulrich Peters als „gut erhaltene 50er“ stolz sind, das ist ihr brauner Dackel. Der bellt nicht, frisst nichts, wackelt aber nach einem kleinen Stups mit seinem Kopf. Erst heftig und dann immer bedächtiger, bis ihn der Reibungswiderstand endgültig zum Stillstand zwingt.

Als Namensgeber dient dieser Wackeldackel dem Stammtisch „Alde Daggel“ zum Leittier und Erinnerungsstück an die 70er Jahre. An jedem zweiten und vierten Freitag im Monat sitzen sie auf bequemen Ledersofas entspannt beim Bier in der Kofferfabrik, erzählen einander von den Schwierigkeiten, ohne Brille zu lesen, mit über 50 nach einem neuen Job zu suchen. Und sie schwärmen von einer Zeit, als sie so unbeschwert, in allen Bereichen top in Form und voller Hoffnung waren. Davon ein bisschen was ab und an zu schnuppern, um dann wieder mit voller Kraft den Alltag zu stemmen: „Ja, das wär’s“.

Ein Lebensgefühl

Die Idee von Rafaela Rzonsa und Ulrich Peters: Die 70er Jahre in der Kofferfabrik aufleben zu lassen, Menschen zum Tanzen und Erinnerungsaustausch anregen. „Es soll nicht um die Show gehen, sondern wir wollen dem einstigen Lebensgefühl nachspüren“, erläutert Rzonsa das Anliegen der „Daggel“. „Wenn ihr die Stones nicht im Baumarkt vermutet, Queen nicht nur für eine englische Königin haltet oder auf Seniorengymnastik mit Jimi Hendrix steht, seid ihr bei uns richtig“, haben sie auf ihrem Flyer formuliert. Anfangsidee war eine Disco im Stil der 70er Jahre. „Musik ist mein halbes Leben, so eine Disco wäre mein Traum“, schwärmt Peters mit großen Augen und kommt ohne Umwege auf Janis Joplin, Beatles, Deep Purple und Frank Zappa zu sprechen. Doch so eine Goldie-Oldie-Disco rechne sich auch woanders kaum, habe ihnen der Kofferfabrik-Chef erklärt. Die Generation über 40 und 50 vom Sofa in einen Club und auf die Tanzfläche zu bekommen, daran seien schon andere Veranstalter gescheitert, habe es geheißen.

Mit einem kämpferischen „Wir sind beide Nordstadtpflanzen aus Thon, die geben nicht auf“, erklärt der SAP-Berater aus Schnaittach, dass er nun einfach auf Leute mit Elan hoffe, „die sich mit ihren Ideen einbringen“. Es soll bewiesen werden, dass auch ihre Generation von Computer und Internet wegzubekommen ist. Jüngste Idee ist eine Nostalgie-Ausstellung mit Verkaufs- und Tauschbörse. Schätze wie eine LP mit deutschen Aufnahmen der Beatles zum Beispiel würde Peters gerne aus dem Keller holen und zeigen. „Verkaufen würde ich die aber niemals.“ Wenn sich der 58-Jährige erinnert, dann fällt ihm zum Beispiel die deutsche Originalfassung von Hair ein, die er in einem Zirkuszelt sehen konnte. „Das war an der Pegnitz ungefähr dort aufgebaut, wo heute die Löhe-Schule.“ Wenn auch andere ihre Erinnerungen auskramen, könnte das eine Ausstellung werden mit tollen Gesprächen, alten Tickets, Fotos, T-Shirts, Instrumenten und natürlich Tonträgern, deren Anwendung jüngeren Gästen wahrscheinlich erst einmal erklärt werden müsste.

Es sitzt sich gemütlich auf den Sofas der Fabrik und neben dem Wackeldackel findet sich für Besucher immer ein Platz. Rzonsa und Peters laden alle Gleichgesinnte gern ein. Der nächste „Alde-Daggel“-Stammtisch findet am kommenden Freitag, 8. Juni, ab 19 Uhr in der Kofferfabrik statt. 

Von Antje Seilkopf

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