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Der Zug der Zeit

„Eisenbahngeschichten – Railroad Stories“: Neue Ausstellung im Jüdischen Museum Franken - 19.10.2010 17:28 Uhr

Kuratorin Monika Berthold-Hilpert neben Claus Burys Modell eines Denkmals für die ermordeten Juden Europas. Aus der Grundform eines Davidsterns entwickelte er das Modell einer Arche, ein Stahlgerüst trägt den Schiffskörper aus Eisenbahnschienen. Burys Entwurf von 1994 sprengte den Kostenrahmen und schied bei der Vorprüfung aus.

© Hans-Joachim Winckler


Aus einer direkten Verbindung muss nicht zwangsläufig Liebe werden – auch diese Erkenntnis gehört zu den Geschichten, die im Jüdischen Museum in Fürth erzählt werden. Gut, die Ludwigsbahn fuhr von Nürnberg nach Fürth. Ob sich die Nachbarstädte dank dieser Tatsache näher kamen, sei dahin gestellt. Jedenfalls griff Fürths Bürgermeister Langhans umgehend zu, als sich ihm die Gelegenheit bot, den Centaurenbrunnen, der just in Nürnberg als Eisenbahndenkmal abgelehnt worden war, in Fürth vor dem Bahnhof aufbauen zu lassen. Ein leises „Ätsch“ scheint da noch heute mitzuklingen.

Ermöglicht wurde die Installation des Brunnens dank einer großzügigen Spende der beiden jüdischen Stifter Josef Pfeifer Morgenstern und Wilhelm Königswarter. Dass die Fürther wegen fehlender Wasserleitungen jahrelang auf das monumentale Stück warten mussten, steht auf einem anderen Blatt. . .
 

Es sind Geschichten wie diese, die Projektleiterin Monika Berthold-Hilpert für die Ausstellung in Fürth zusammengetragen hat. Die Besucher treffen auf vorausschauende Rabbiner wie Isaak Loewi, der zu den ersten Aktionären der Ludwigsbahn gehörte. Spielzeug-Eisenbahnen, die einst Kinderherzen höher schlagen ließen, erinnern an die Spielzeugstadt Nürnberg, in der Betriebe jüdischer Familien wie die Bing Werke Weltgeltung erlangten.
 

Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts wird ein dunkles Kapitel aufgeschlagen. Erschütternde Original-Fotos dokumentierten die Deportation der mainfränkischen Juden aus Würzburg und Kitzigen. Eine abgegriffene Kinder-Brosche und ein Kofferaufkleber berichten von den Transporten jüdischer Jungen und Mädchen, die per Bahn ins sichere England gebracht wurden.
 

Für die Bild- und Tondokumente der „Eisenbahngeschichten“ im Jüdischen Museum sollte man jetzt eines mitbringen: Zeit zum Zuhören.


„Eisenbahngeschichten – Railroad Stories“: Jüdisches Museum Franken (Königstraße 89). Dienstags 10-20 Uhr, mittwochs bis sonntags 10-17 Uhr. Bis 27. März.
 

Sabine Rempe

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