Deutlich weniger Gäste: Wird Fürth immer uninteressanter?

16.2.2018, 16:00 Uhr
Über ein Jahr lang konnten in der Fürther Hotel-Pyramide keine Gäste übernachten, Ende Januar hat sie nach umfangreicher Sanierung wiedereröffnet.

Über ein Jahr lang konnten in der Fürther Hotel-Pyramide keine Gäste übernachten, Ende Januar hat sie nach umfangreicher Sanierung wiedereröffnet. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Wird Fürth immer uninteressanter für Gäste? Im Rathaus antwortet man darauf mit einem klaren "Nein" – obwohl die Zahl der Übernachtungen 2017 um satte 7,5 Prozent gesunken ist.

Eike Söhnlein, Leiterin der Fürther Tourist-Info, begründet das Minus damit, dass zuletzt das eine oder andere Hotel leer gestanden hat. Allen voran die Hotel-Pyramide, die mit ihren 104 Zimmern sogar das komplette Jahr 2017 ausfiel. Erst vor kurzem hat sie mit neuem Pächter unter dem Namen Excelsior Hotel Nürnberg-Fürth wiedereröffnet. "So etwas spürt man sofort", sagt Söhnlein. Im September machte außerdem das Hotel Forum mit über 50 Zimmern zu. Söhnlein zufolge konnten die Fürther Hotels 2017 deshalb insgesamt nicht einmal 1500 Betten anbieten.

Die Folgen: Zählte Fürth im Jahr zuvor noch rund 258.000 Übernachtungen, waren es 2017 nur noch 239.459. Zum Vergleich: Erlangen kam mit über 3000 Betten auf 509.000 Übernachtungen, Nürnberg sogar auf 3,3 Millionen (18.650 Betten). Erfasst wurden Beherbergungsbetriebe mit zehn oder mehr Betten und Campingplätze mit mindestens zehn Stellplätzen.

Fürth: Steigende Besucherzahlen erwartet

Schon für das laufende Jahr geht Söhnlein wieder von steigenden Zahlen aus: Die Pyramide ist zurück, das Hotel Forum wird nach Umbau und Betreiberwechsel Ende Februar als "Max Aparthotel" eröffnen und Anfang April geht in der Gebhardtstraße neben dem Metroplex-Kino ein von P & P erbautes 103-Zimmer-Haus an den Start, das von der Novum-Gruppe betrieben wird.

Mittelfristig könnte es noch rosiger aussehen: Nachdem sich der Baustart immer wieder verzögert hat, soll im Frühjahr neben der Stadthalle der Bau eines großen Holiday Inn Express mit 145 Zimmern beginnen. Nach Angaben aus dem Rathaus könnte ein weiterer Hotel-Neubau im Osten der Stadt folgen. Details zum Standort oder zum Bauherrn sind noch nicht zu erfahren. Der Bedarf, heißt es, sei in Fürth aber zweifellos vorhanden.

Denn: Die Kommune ist gerade dabei, sich touristisch neu aufzustellen, um in Zukunft mehr Menschen nach Fürth zu locken – ausreichend Hotelbetten spielen im neuen Konzept eine wichtige Rolle. Außerdem zeigen Erhebungen des städtischen Wirtschaftsreferats, dass es einen Überlauf an Gästen aus Nürnberg gibt. Will heißen: Trotz des immensen Hotelzuwachses der vergangenen Jahre in der Nachbarstadt, insbesondere rund um den Hauptbahnhof, weichen Gäste gern auf Fürth aus. Schließlich ist man mit Zug und U-Bahn rasch in der Noris.

Landkreis Fürth legt zu

Während die Kleeblattstadt auf die Zukunft baut, kann sich der Landkreis schon seit Jahren über Zuwachsraten freuen: 2017 zählten die Beherbergungsbetriebe zwischen Bibert und Zenn 201.275 Übernachtungen – 8,2 Prozent mehr als 2016. Wie kommt’s? "Der Playmobil-FunPark hat noch mal mehr Besucher angezogen, viele bleiben über Nacht", sagt Walter Gieler, im Landratsamt für Wirtschaftsförderung zuständig. Ähnliches gelte für die 2016 eröffnete Carrera-World und bald auch für die Cadolzburg. Zudem profitiere auch der Landkreis stark von Nürnberg-Touristen sowie von Messegästen.

Laut Statistikamt wird der Freistaat insgesamt als Reiseziel immer beliebter: Der bayerische Tourismus erzielte demnach 2017 mit 94,4 Millionen Übernachtungen (plus 3,7 Prozent zum Vorjahr) und 37,3 Millionen Gästeankünften (plus 4,9 Prozent) das sechste Rekordjahr in Folge.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) nutzt diesen Aufschwung, um ein kräftiges Lohnplus von sechs Prozent für die anstehende Tarifrunde zu fordern. "Dass Besucher gern zu uns kommen, ist auch der Verdienst der Mitarbeiter in der Hotellerie und Gastronomie", sagt NGG-Geschäftsführerin Regina Schleser. Es sei daher höchste Zeit, ihnen einen fairen Anteil an den steigenden Umsätzen zu geben.

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