Donnerstag, 25.02.2021

|

Diätkur für Oberasbachs Hotel

Im Stadtrat werden Stimmen laut, die sich gegen die Veranstaltungshalle aussprechen - 30.07.2019 18:00 Uhr

Diese Kreuzung schafft es nicht: Wer, aus der Jahnstraße kommend, nach rechts in die Bahnhofstraße oder nach links in die Hainbergstraße abbiegen will, muss schon heute manchmal viel Geduld mitbringen. Mehr Verkehr kann der „Knoten“ nicht verkraften.

29.07.2019 © Thomas Scherer


Das 30 Millionen Euro teure Vorhaben des örtlichen Unternehmers Murat Baydemir treibt die Bevölkerung um. So hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die sich klar gegen das Projekt ausspricht.

Entsprechend groß war das Interesse: Rund 40 Zuhörer besetzten die Besucherplätze im Sitzungssaal des Rathauses bis auf den letzten Stuhl. Stadtbaumeister Peter Kleinlein präsentierte den Kommunalpolitikern und Bürgern die Zahlen.

Es handle sich nicht um das komplette Gutachten, sondern um Eckpunkte. Das schickte Bürgermeisterin Birgit Huber voraus. Außerdem erwähnte sie gleich den Knackpunkt, die Kreuzung von Jahn-, Bahnhof- und Hainbergstraße in Unterasbach.

Sie kann den in Zukunft zunehmenden Verkehr in ihrem derzeitigen Zustand nicht bewältigen. "Die Situation ist heute schon manchmal kritisch", sagte Huber. Die Verwaltung hatte dem Stadtrat zwei Beschlussvorschläge vorgelegt. So sollte der Auftrag für gevas humberg partner, jenes Büro, das bereits das Gutachten verfasst hatte, erweitert werden. Detailliert sollten die Situation an der besagten Kreuzung betrachtet und Lösungsvorschläge erarbeitet werden. Gleiches galt für die Engstellen in der Jahnstraße, speziell den Abschnitt zwischen Bahnhof- und Frühlingstraße. Verbesserungsvorschläge sollen die Experten außerdem für den weiteren Verlauf der Jahnstraße Richtung Sportzentrum und in Alt-Oberasbach machen.

SPD und CSU an einem Strang

Für CSU und SPD war klar: Sie wollten den Vorschlägen der Verwaltung zustimmen. Allerdings, das sagte der christsoziale Fraktionssprechen Jürgen Schwarz-Boeck, verabschiede man sich aufgrund von Verkehr und Lärm mit einem weinenden Auge von der Veranstaltungshalle. Jetzt gehe es "um ein reduziertes Projekt", etwa in der Dimension des Schindlerhofs in Nürnberg-Boxdorf. Dennoch müsse man für den Verkehr Lösungen finden – "und die werden nicht jedem gefallen".

Peter Heinl machte klar, dass das Projekt "gegen den Willen der Bürgermehrheit" nicht verfolgt werde. Dafür "stehen wir von der SPD und im Übrigen auch der Investor".

Wesentlich schwerer taten sich die anderen politischen Kräfte im Stadtrat. Für Norbert Schikora (Grüne) stand nach dem Verkehrsgutachten ebenfalls fest: "Das Hotel-Projekt mit der Halle ist in dieser Form nicht umsetzbar." Weil die Grünen aber forderten, die Themen Hotel und Verkehrsgutachten zu trennen, schlugen sie sich bei der Abstimmung ebenso wenig auf die Seite von CSU und SPD wie die Freien Wähler (FW) und die FDP/FOB. So plädierte Felix Kisslinger (FW) dafür, "heute nichts zu beschließen". Vielmehr sollte der Stadtrat erst einmal abwarten, was sich da in zwei bis drei Jahren entwickelt.

An Konzept erinnert

Thomas Peter (FDP/FOB) selbst Bewohner im Alt-Ort, wunderte sich, wie die Gutachter zu der Einschätzung kämen, dass Bach- und Albrecht-Dürer-Straße auch den durch das Hotel anschwellenden Verkehr problemlos verkraften können: "Ich glaube, die waren nicht in Oberasbach." Er erinnerte seine Kollegen daran, dass vor einigen Jahren im Zuge des Wettbewerbs "Unser Dorf soll schöner werden" ein Konzept für die Bachstraße entwickelt wurde. Dessen Stoßrichtung: "Wir wollten den Verkehr verhindern", rief Peter. "Und dafür müssen ganz andere Lösungen her."

Beifall brandete für diese markigen Worte von den Zuschauerplätzen auf. Gegen sechs Stimmen wurde der erweiterte Untersuchungsauftrag danach vergeben.

15

15 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Oberasbach