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Samstag, 15.08.2020

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Die Ambivalenz von Sinn und Unsinn

Hypnotische Spiegel: Roger Libeschs Ausstellung «Die Methoden des Zwangsablebens» - 28.01.2008

Mal schrill, mal sanft: Roger Libesch und seine Werke in «Die Methoden des Zwangsablebens».

© Scherer


Der Mann muss der Traum jeder Werbeagentur sein. Seine Entwürfe spiegeln andere Welten so hypnotisch, dass man sich ihnen nicht entziehen kann. Die Farben setzen sich trickreich fort, dargestellte Wesen und Produkte beginnen zu leben, übernehmen das Regiment. Doch Libesch hat mit Werbeplakaten nichts am Hut, auch wenn er sie genüsslich zitiert. Er will nichts verkaufen - außer Kunst.

Der Maler entfacht aus den vertrauten Bildern, die tagein, tagaus auf uns einprasseln, einen Strudel neuer Eindrücke, Bezüge und Themen. Da wird Barbie bitterböse wie ein Kind, das in seiner Wut alles zerstört, was es zu greifen kriegt. Direkt daneben eine ältere Frau, die den Betrachter sehr verstört: Lacht sie? Röchelt sie, weil man sie würgt? Eine Schatten-Gestalt will ihr offenbar Übles. Durch die Nachbarschaft entstehen automatisch Assoziationen.

Ein paar Bilder weiter liegt ein Mann tot - oder verletzt? - vor einem Plakat, auf dem «Trost-Brot» zu lesen steht. Auf anderen tropft Blut. Schließlich lautet der Titel der Schau «Die Methoden des Zwangsablebens». Und trotzdem ist hier nichts schrecklich oder grausam. Im Gegenteil: Manches kommt auf den ersten Blick heiter daher. Es sind die eher harmlosen Bilder, die verstören.Wie der nette Hund, der auf den zweiten Blick eine Blutspur hinter sich herzieht - mitten durch ein Kinderzimmer voller Legosteine.

Libesch will scheinbar nicht schocken, sondern austesten, was er selbst verträgt. Vieles erinnert an Edgar Wallace, und tatsächlich bestätigt der Künstler: «Ich habe einige Szenen als Vorlagen verwendet.» Herausgekommen sind eine Art Standbilder, als ob man an der spannendsten Stelle eines Films auf «Stop» drückt. Nur, dass Libesch eindeutig auch Postmodernes wie Quentin Tarantino oder Splatter-Movies verarbeitet hat. Gekonnt ordnet er chaotische Sequenzen und verleiht Details ein Riesengewicht. Die Methode lässt an die vielen Comics von Superman bis Batman denken, die erfolgreich verfilmt wurden. Wie Libeschs Arbeiten könnten die Storyboards ausgesehen haben.

Der Blick des Malers scannt stark fokussiert, was die Medien so bieten, und sampelt es in neue Tracks ein. Die Perspektiven sind stark überzeichnet, die pastos aufgetragenen Ölfarben changieren zwischen schrill und sanft. Das wird umso deutlicher bei den kleinen Formaten, die er hier gewählt hat, ist Libesch doch sonst für große Werke bekannt. Wunderbar stimmig dazu die dadaistische Sprachperformance von Florian Kaplick auf der Vernissage. Schließlich spielt auch Libesch gerne mit der Ambivalenz von Sinn und Unsinn, lässt in manchen Bildern bewusste Lücken. CLAUDIA SCHULLER

«Methoden des Zwangsablebens» von Roger Libesch, Galerie in der Promenade, Königswarterstr. 62 bis 25. April. Am 24. Februar, 11 Uhr, findet eine Führung mit dem Künstler statt.

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