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Donnerstag, 14.11.2019

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Die Bürgerinitiative hat das Kriegsbeil begraben

Kritiker des Saturn-Projekts am Kulturforum sehen von Antrag auf Baustopp ab — Schulterschluss mit Kommune - 26.10.2006

OB Thomas Jung (3. v. re.) dankt vor dem Evenord-Gebäude den BI-Vertretern (v. re.) Thomas Foerster, Dagmar Orwen, Angelika Emmerich-Fritsche, Klaus Schicker, und Kamran Salimi für ihr Einlenken im Streitfall Saturn. Foto: Günter B. Kögler


Der Kompromiss sieht vor, dass dem Kulturforum ein rund 1000 Quadratmeter großer Innenhof zugeschlagen wird, der im Zuge der Saturn-Planung durch das Aussparen privater Parkplätze entstanden ist. Nach den ursprünglichen Neubauplänen wäre die Freifläche vor der ehemaligen Schweineschlachthalle nur etwa halb so groß gewesen.

Die Parkplätze hatte der Rechtsvertreter der BI, Thomas Foerster, langfristig von der Stadt gepachtet. Um Saturn zu Zugeständnissen zu bewegen, hatte er sich geweigert, diese für den Neubau abzutreten. Vor Gericht bekam er Recht, aber Saturn plante einfach um die Parkplätze herum.

Als Erfolg ihres Ringens verbucht es die BI allerdings, dass die Saturn-Fassade an der Würzburger Straße ansprechender gestaltet und die Zufahrt zum Parkhaus nicht mehr über den Eingang des Kulturforums führt, sondern über die Kapellenstraße. Auch der Erhalt des ehemaligen Evenord-Gebäudes wird als Gewinn für das historische Ensemble gewertet.

«Sprachlos vor Freude“

Dass der große Saturn-Baukörper das Kulturforum weitgehend verdeckt, die Fassade an der Kapellenstraße nicht ihren Vorstellungen entspricht und die erwartete Verkehrszunahme Sorgen bereitet, nimmt die BI zähneknirschend in Kauf. Sprachlos vor Freude reagierte Oberbürgermeister Thomas Jung nach eigenen Angaben auf das Einlenken der Kritiker. In einer gemeinsamen Pressekonferenz bemühte er sich gestern deshalb auch, die Wogen zu glätten.

«Ohne die langen Diskussionen wären die Verbesserungen nicht erreicht worden“, hielt der OB der BI zugute. Zudem sei die Auseinandersetzung nie persönlich verletzend gewesen. Auch hätten alle Beteiligten keine persönlichen Vorteile für sich herausholen wollen. Ausdrücklich dankte Jung für die Kompromissbereitschaft und erklärte: «Die Stadt hätte es nicht erzwingen können und wäre das Risiko eingegangen, dass Saturn irgendwann abspringt.“ Mit dem Hinweis, dass die Verhandlungsspielräume mit Investoren in Zeiten knapper Arbeitsplätze denkbar eng seien, warb Jung um Verständnis für die Haltung der Stadt, die Saturn keine Steine in den Weg legen wollte. Schließlich würden am Kulturforum rund zehn Millionen Euro investiert, und es entstünden 80 Arbeitsplätze.

Die Kommune erhofft sich laut Jung «erhebliche“ Steuereinnahmen von Saturn und zudem Impulse für den innerstädtischen Handel. Aber auch das Kulturforum kann nach Ansicht des OB von der Nachbarschaft des Elektromarktes profitieren. Jung denkt dabei an den im Zuge vermehrter Publikumsfrequenz zunehmenden Bekanntheitsgrad der Spielstätte, an die Förderung von Veranstaltungen durch Saturn und einen Kulturtarif im Parkhaus mit 170 Stellplätzen.

Bis zur geplanten Fertigstellung zum Weihnachtsgeschäft nächsten Jahres können Kulturforumsbesucher ihre Fahrzeuge täglich bis 21 Uhr in der nahen Stadthallen-Tiefgarage parken. Hier wurde versuchsweise bereits ein günstiger Mittagstarif (50 Cent pro Stunde) eingeführt, der bei entsprechender Nachfrage zeitlich noch erweitert werden könnte. Abends kann man den Wagen auch in der Ufer-/Weiherstraße abstellen.

«Einen konstruktiven Dialog auch bei künftigen Planungen“ wünschte sich BI-Sprecher Kamran Salimi. Er hofft, dass Investoren künftig weniger selbstherrlich mit der Kommune umspringen und dass sich die Stadt nicht mehr kommentarlos deren Vorstellungen beugt. Die Frage, wo man Grenzen für Zugeständnisse zieht, wird nach Ansicht des OB jedoch auch künftig zu den schwierigsten Problemen der Kommunalpolitik zählen.

VOLKER DITTMAR

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