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Die Frau, die alle Register zieht

Auferstehungs-Kantorin Sirka Schwartz-Uppendieck wird Kirchenmusikdirektorin - 12.05.2011 18:00 Uhr

Ab KMD: Sirka Schwartz-Uppendieck. © Draminski


Das nennt man wohl 100 Prozent Frauenquote: Beide hauptamtlichen Kantorinnen der Fürther Innenstadtkirchen dürfen nun das Kürzel KMD vor dem Namen tragen. Ingeborg Schilffarth (St. Michael) erhielt die Auszeichnung fast auf den Tag genau vor sieben Jahren. Nun beschloss der Landeskirchenrat der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern, auch Schwartz-Uppendieck mit einer Urkunde zu ehren.

Derzeit sind bayernweit 116 hauptberufliche Kantorinnen und Kantoren auf dem Gebiet der Kirchenmusik beschäftigt. Sie kam von der Waterkant: Sirka Schwartz-Uppendieck, 1965 in Hamburg geboren, nahm während ihrer Schulzeit als außerordentliche Studentin an der Musikhochschule ihrer Geburtsstadt Orgelunterricht bei Heinz Wunderlich; als Hommage an ihren Lehrer wird sie zum Abschluss des Konzerts morgen seine „Toccata fugata“ spielen. Nach dem Abitur studierte sie Evangelische Kirchenmusik an der Hochschule in Lübeck, ergänzend an der Universität Hamburg Mathematik, Physik und Musikwissenschaft.

In die Tasten griff sie erstmals professionell 1986 als Organistin an der Bugenhagenkirche in Hamburg-Harburg. 1991 übernahm sie das Kantorat an der Friedenskirche in Eilbek. 1997 wechselte sie nach Fürth. Dort ist sie hauptamtliche Kantorin an Auferstehung. Im Jahr ihres Fürther Amtsantritts wurde für die Innenstadtgemeinden der Kleeblattstadt ein innovatives und in Bayern einzigartiges Konzept für die Kirchenmusik entwickelt. Die einzelne Kantorin muss nicht mehr alle Bereiche der Kirchenmusik in ihrer Gemeinde vom Kinderchor bis zum Orgelkonzert selbst abdecken. Stattdessen spezialisiert sie sich auf einen Arbeitsschwerpunkt, den sie gemeindeübergreifend betreut. Während Schilffarths Schwerpunkt auf Chorleitung (Stadtkantorei und Fränkische Kantorei) liegt, ist Schwartz-Uppendieck im Dekanat für Künstlerisches Orgelspiel zuständig.

In diesem Rahmen entwickelte sie Konzertreihen zu den Kirchenjahreszeiten, darunter „Musik zur Passion“, „AbendKunstKlänge“ und den „Silvestertusch“ zum Jahreswechsel. „Wechselklänge“-Gottesdienste in St. Michael und St. Paul gehören ebenso zu ihren Aufgaben wie die künstlerische Leitung der Fürther Kirchenmusiktage an der Seite von Schilffarth. Schwerpunkt ihrer Programm-Politik ist die zeitgenössische Musik. Auf ihre Anregung hin entstehen jedes Jahr mehrere neue Werke, die sie in Konzerten und Gottesdiensten zur Uraufführung bringt.

2000 etablierte Sirka Schwartz-Uppendieck die Fürther Komponistinnenkonzerte. Seit sieben Jahren wiederum leitet sie in der Auferstehungsgemeinde den Arbeitskreis „Kunst und Kirche“. In diesem Rahmen entwickelt sie Musikkonzepte für Ausstellungen. So eröffnet zeitgleich mit dem Konzert morgen die Schau „dunk(h)ell — von der Dunkelheit ins Licht mit Glasmosaiken von Margaretha Maria Mayr. Ebenfalls zu „Kunst und Kirche“ gehören die Theatergottesdienste in Zusammenarbeit mit dem Stadttheater.

Auf dem Programm des Konzerts morgen stehen die „Nelson-Messe“ von Joseph Haydn und sein D-Dur-Klavierkonzert. Zur Uraufführung der kompletten Fassung mit Orchesterstimmen gelangt Eva-Maria Houbens Kantate „Maria Magdalena“; der Text stammt von Michael Herrschel, der auch den Abend moderieren wird. Solisten sind Irene Kurka (Sopran), Daniela Jungblut (Alt), Philip Farmant (Tenor) und Markus Simon (Bass), es singen der Konzertchor Nürnberg-Fürth und der Liturgische Chor der Auferstehungskirche, zu Werke geht außerdem das KlangKonzepteEnsemble der Neuen Pegnitzschäfer. Die Leitung haben Schwartz-Uppendieck und Christian Gabriel. Tickets (12/9 Euro) gibt es an der Abendkasse.

  

Matthias Boll

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