Die Furcht vor dem langen Sterben

31.3.2007, 00:00 Uhr
Viele Menschen haben Angst, sie könnten die letzten Stunden ihres Lebens auf einer Intensivstation an zahllose Schläuche angeschlossen sein. Eine Patientenverfügung kann für Ärzte und Angehörige hilfreich sein.

Viele Menschen haben Angst, sie könnten die letzten Stunden ihres Lebens auf einer Intensivstation an zahllose Schläuche angeschlossen sein. Eine Patientenverfügung kann für Ärzte und Angehörige hilfreich sein. © AOK Mediendienst

«Wir finden es gut, wenn Menschen eine Patientenverfügung verfassen», sagt Dr. Klemens Mehl, leitender Oberarzt der operativen Intensivstation am Fürther Klinikum. So werde der Wille des Patienten dokumentiert. Das helfe den Ärzten und Angehörigen bei der Entscheidung, ob lebensverlängernde Maßnahmen eingeleitet werden sollen, wenn Organe unwiderruflich geschädigt sind.

Rund 850 Menschen liegen pro Jahr auf der Intensivstation. Noch, bestätigt Mehl, sei es die Ausnahme, dass Angehörige eine Patientenverfügung vorlegen. «Unser Interesse ist es nicht, jemanden, der ohne Intensivmedizin nicht leben kann, zwanghaft am Leben zu erhalten», betont Mehl. In der Regel soll nach Operationen, Unfällen und Erkrankungen lediglich die Zeit überbrückt werden, bis die eigenen Organe wieder funktionieren.

Seit kurzem gibt es am Klinikum ein Ethik-Komitee, dem Ärzte, Seelsorger und der Ärztliche Direktor angehören. Sie beraten darüber, welchen Sinn eine Therapie haben kann, wenn absehbar ist, dass ein Patient bald sterben wird. «Die Menschen müssten vor dem Ausfüllen einer Verfügung viel mehr medizinische Informationen haben», findet Oberarzt Mehl. Seiner Ansicht nach, müsste es eine Möglichkeit geben, sich von einem Experten der Intensivmedizin beraten zu lassen. Nur wer aufgeklärt sei, könne schließlich über Therapien entscheiden. Mehl befürchtet, dass Gesetze geschaffen werden könnten, die Ärzte in ein Handlungskorsett zwängen. Stattdessen, findet er, sollte ein Gremium aus Fachleuten und Angehörigen jederzeit im Sinne des Patienten entscheiden können.

Das sieht auch Dr. Roland Hanke, Vorsitzender des Hospizvereins Fürth so. Jeder Fall müsse individuell diskutiert werden. «Je mehr Vorschriften, desto mehr kann man einfordern», warnt er und befürchtet, dass der Gesetzgeber dem Ruf nach aktiver Sterbehilfe bei einigen Erkrankungen irgendwann nachgeben könnte. «Die Gesetze reichen aus», findet Hanke.

Der Hospizverein bietet ein Patientenverfügungsformular im Internet unter www. hospizverein-fuerth.de