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Die Fürther Heilquellen sind jetzt wieder komplett saniert

König-Ludwig-Brunnen erhielt neues Bassin - Fadenbildung in der Gustav-Adolf-Quelle wird mit Wasserspiel verhindert - 31.08.2009

Im Brunnenpavillon der König-Ludwig-Quelle am Rundfunkmuseum ist das neue Auslaufbecken samt Erläuterungstafel letzte Woche montiert worden. Am Weikershofer Buckweg sorgen neue Wasserspiele für eine Qualitätsverbesserung. © Dittmar, Winckler


Als letzter Sanierungsfall ist die König-Ludwig-Quelle in der Uferstadt runderneuert worden. Beim Niedergang des Grundig-Konzerns verschwanden die Reste der Quellnutzung in Form des firmeneigenen Frei- und Hallenbades. Hier hatten Max Grundig und enge Mitarbeiter gekurt – ganz in der Tradition des zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts auf dem Gelände aufgebauten ersten Fürther Kurbades. Zum privaten Gebrauch hatte Grundig in seinen Labors sogar eine Heilsalbe mit Mineralien aus dem Quellwasser herstellen lassen.

Nachdem die Industriebrache als Standort innovativer Unternehmen zu neuem Leben erwacht ist, wurde zum Abschluss der Umwandlung auch die König-Ludwig-Quelle reaktiviert. Der Brunnen ist startklar, bleibt aber vorerst noch unter Verschluss. Erst im September, wenn der Erweb des ehemaligen Grundig-Direktionsgebäudes zur Standortsicherung des Rundfunkmuseums gefeiert wird, soll er wieder sprudeln.

Mit dem Uferstadt-Investor Doughty Hansson hat die Stadt vereinbart, dass dieser die Brunnentechnik überholt. Mit 5000 Euro beteiligte sich die Kommune an der Renovierung. Äußerlich zeichnet sich die Maßnahme durch eine neue Wasserschale mit neuen Wasserrohren im Brunnenpavillon aus. Das meiste Geld steckt jedoch in der bereits 2007 vorgenomenen Sanierung der 400 Meter tiefen Bohrung. Schließlich lag die letzte Sanierung bereits 70 Jahre zurück.

Durchschlagender Erfolg

Dass es sich bei dem 1901 erbohrten Nass um einen ganz besonderen Bodenschatz handelt, stand schon früh fest. Bereits 1912, kurz nach Eröffnung des Kurbades (an das heute nur noch der Name der nahen Kurgartenstraße erinnert), gab es die staatliche Anerkennung für die Heilquelle.

Mehr als 12 000 Kurgäste aus ganz Deutschland wurden schon im ersten Jahr angelockt. Hinzu kamen etwa 70 000 Trinkgäste. Später wurde das Mineralwasser auch als «Dosana»-Sprudel (vom Quellort Doos) in Flaschen abgefüllt und verkauft. Das Kurbad selbst wurde 1916 schon ein Opfer des Ersten Weltkriegs. Vielversprechende Versuche einer Wiederbelebung scheiterten am 2. Weltkrieg. Die Nationalsozialisten planten auf der gegenüberliegenden Seite der Pegnitz ein gigantisches Thermalbad, das jedoch nie realisiert wurde.

Eine Wasseranalyse der König-Ludwig-Quelle von 1979 hat ergeben, dass die Natrium-Calcium-Chlorid-Sulfat-Therme in der Uferstadt mit nahezu elf Gramm gelösten Mineralien pro Liter den Mindestwert für die Begriffsbestimmung für Kurorte und Heilbrunnen um mehr als das Zehnfache übertrifft.

Regelmäßige Untersuchungen zeigen zudem: Das 22,2 Grad warme Quellwasser ist bakteriologisch in einwandfreiem Zustand. Allerdings handelt es sich streng genommen um kein Trinkwasser und sollte nur nach ärztlicher Verordnung konsumiert werden. Auf die Geschichte und medizinische Bedeutung der König-Ludwig-Quelle macht eine Erläuterungstafel am Brunnenpavillon aufmerksam. Über den nahen Quellensteg gelangt man rasch zu einer weiteren Heilquelle: zur ebenfalls sanierten Espanquelle in der Kleinen Mainau.

In Eigenleistung

Kommerziell genutzt wird das Fürther Heilwasser heute durch das Fürthermare. Dazu wurde am Scherbsgraben ein neuer Brunnen gebohrt. In diesem Zusammenhang wurde auch die Gustav-Adolf-Thermalquelle bei Weikershof saniert. Eine Maßnahme, die für den Nachweis notwendig ist, dass Fürth dem Steiner Palm Beach nicht das Wasser abgräbt. Der Bürgerverein Gebersdorf hat in ehrenamtlicher Eigenleistung vor neun Jahren einen Brunnenpavillon nach dem Vorbild der Espanquelle errichtet und eine reizvolle Grünanlage mit Tisch und Ruhebänken drum herum angelegt.

Einziger Nachteil: nach der Erneuerung der Wasserleitung bildeten sich durch den hohen Schwefelwasserstoffgehalt im Wasserbecken Brunnenfäden, die regelmäßige Reinigungen notwendig machen. Stolz ist Pavillonarchitekt Ingo Dittrich vom Bürgerverein auf den selbst entwickelten Reinigungsmechanismus. Er sorgt nicht nur für einen höheren Sauerstoffgehalt im Wasser, sondern auch für einen Blickfang.

Lange hatte die für den Brunnen zuständige Infra mit unterschiedlichen Rohren experimentiert, bevor Dittrich ein PVC-Rohr für 12,50 Euro aus dem Baumarkt besorgte und eine Wasserdüse aus dem eigenen Garten aufpfropfte. Nun sprudelt als Blickfang ein Wasserpilz im Becken. Wie die anderen Brunnen am Fürther Heilquellenweg hat auch die so genannte Gaggalasquelle bei Weikershof viele regelmäßige Besucher, die auf die Heilwirkung ihres Wassers schwören. 

Volker Dittmar

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