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Die letzte Chance für die Bibertbahn?

Landkreis würde einen Investor für die Trasse unterstützen - 30.05.2011 13:00 Uhr

Die Rhein-Sieg-Eisenbahn, die sich für die Instandsetzung der Bibertbahn-Trasse interessiert, reaktiviert und unterhält di-verse frühere Bahnstrecken des Bundes, im Bild Gleisbauarbeiten der RSE an einer Strecke in einem Bonner Stadtteil. © pr.


Wie berichtet, hat mit der Rhein-Sieg-Eisenbahn GmbH (RSE) ein Eisenbahnunternehmen Interesse angemeldet, die Infrastruktur für die „Bibert-Bärbel“ auf eigene Kosten instand zu setzen — vorausgesetzt, der Freistaat bestellt und finanziert die Züge. Damit zu rechnen wäre dann, wenn der von der IG Bibertbahn scharf kritisierte Parallelverkehr der Buslinie 113 zum Bahnhof Zirndorf umgelenkt würde. Bis zu 1600 Fahrgäste, die jeden Tag von Leichendorf nach Gebersdorf im Bus auf der Rothenburger Straße neben der „Bärbel“ herfahren, würden sich dann in den Zug verlagern.

Im Verkehrs-Ausschuss verständigte sich das Gremium auf die Empfehlung an den Kreistag (6. Juni), die Bibertbahn-Reaktivierung nicht weiter zu verfolgen. Vor dem Hintergrund der RSE-Offerte und dem „mit etwas gutem Willen umlenkbaren 113er Bus“ forderten Marianne Schwämmlein (Grüne, Langenzenn) und Franz X. Forman (Freie Wähler, Oberasbach) die Entscheidung auszusetzen, was auch der Langenzenner Johann Tiefel (FDP/FB) unterstützte.

Allerdings warb Landrat Matthias Dießl eindringlich dafür, sich soweit festzulegen, dass „wir als Landkreis und die Städte Oberasbach und Zirndorf als Kostenträger die Hände von der Bibertbahn lassen“. Was sinngemäß so in den Beschluss aufgenommen wurde und auch die Unterstützung der Kritiker fand. Zuvor hatte Dießl die Ergebnisse des Gutachtens referiert: Bei Investitionen in die Infrastruktur in Höhe von mindestens 21 Millionen Euro für eine Entlastung des Verkehrs auf der Rothenburger Straße um gerade ein Prozent, sei das Projekt weder vermittelbar noch vertretbar und letztlich auch von keiner der beteiligten Kommunen zu schultern. Eine Beteiligung Nürnbergs sei sehr fraglich, die Noris sehe die Bibertbahn als Konkurrenz zur U3, deren Weiterbau nicht in Frage stehe.

„Wenn sich jedoch ein Dritter für die Trasse interessiert, werden wir ihn begleiten und unterstützen“, sicherte Dießl zu. Nur, ob die RSE dazu überhaupt in der Lage sei, habe man in der Kürze der Zeit nicht prüfen können. Die Anfrage lag dem Landrat zwei Tage vor dem Sitzungstermin vor.

„Unkreative Gutachter“

Dass sich die Bibertbahn aus Nürnberger Sicht nicht rechnet, bezeichnete Forman als nachvollziehbar. „Doch wir müssen die Interessen des Landkreises wahren und mit der U3 bis Gebersdorf haben wir den Autoverkehr trotzdem in Oberasbach.“ Er habe den Eindruck, die Bibertbahn sei lediglich ins ÖPNV-Netz hineingesetzt worden, ohne die Fahrgäste sinnvoll auf die Schiene umzulenken, kritisierte er. In die gleiche Kerbe schlug Tiefel, der im Vergleich zu den U-Bahn-Analysen, in die nicht existente Wohngebiete einflossen, „solche Kreativität“ bei der Bibertbahn-Studie vermisste. Entscheidend, so Forman, seien die eklatant anziehenden Energiepreise. „Da dürfen wir uns die letzte Chance zur Entlastung der Rothenburger Straße nicht verbauen, noch dazu, wenn sich ein Investor für sie interessiert.“

Das sah auch Schwämmlein so, da „die Situation im Landkreis wichtiger ist als negative Auswirkungen der Bi-bertbahn auf die U3“. „1600 Fahrgäste im 113er Bus und im Stau auf der Rothenburger Straße sind in der Bibertbahn besser aufgehoben“, sagte sie. Ohne parallelen Busverkehr seien diese Fahrgäste zwingend der Bibertbahn zuzurechnen, befand Tiefel.

Das stritt Willi Weißkopf, Ge-schäftsführer des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg (VGN), nicht ab. Sein Vergleich der Konzepte von VGN und IG Bibertbahn zu den verschiedenen Routen des 113er Busses für 6000 Fahrtvarianten hatte ergeben, dass sich Reisezeiten und Umstiegshäufigkeiten nur geringfügig unterschieden. Da man die 1600 Fahrgäste des 113ers natürlich der Bibertbahn zurechnen müsse, neige er „grob eher dazu“, dass die Fahrgastzahlen reichen könnten, damit der Freistaat die Bahnlinien bestellt. Nur die angeforderte Stellungnahme aus dem Ministerium liege noch nicht vor.

Konsens war im Gremium, die Trasse nicht zu entwidmen. Wobei von verschiedener Seite die Hoffnung anklang, eine U-Bahn könnte eines Tages doch noch realisierbar sein. Für Franz Schmuck (SPD, Ammerndorf) ist „eine Verlängerung der U-Bahn um ein, zwei Stationen in den Landkreis die bessere Lösung als die Bibertbahn“. Doch wie sich die Rahmenbedingungen ab 2018 entwickeln, wenn die derzeitigen Förderrichtlinien auslaufen, denen die Verlängerung der U3 nach Oberasbach nicht genügt, ist Weißkopf zufolge völlig offen.

Weshalb Lothar Schmitt (CSU, Oberasbach) die aktuelle Situation als Übergangsphase einstuft. Für ihn krankt die „Bärbel“ an ihrer Lage an der Peripherie Oberasbachs und Zirndorfs. Mit Stein bildeten diese Städte ein nahezu zusammengewachsenes Gebiet mit Nürnberg und müssten sich an dessen Präferenz für die U-Bahn orientieren.

Die Befürchtung, Nürnberg könne die Trasse entwidmen, die Roland Schwarzott (SPD, Langenzenn) ansprach, hat die RSE übrigens nicht, wie deren Geschäftsführer Daniel Preis erläutert: Das Eisenbahngesetz regle klar, dass eine Zugstrecke nur dann entwidmet werden darf, wenn langfristig kein Bedarf mehr für sie zu erkennen sei. Welcher Zeitraum mit „langfristig“ gemeint ist, haben Gerichte mit 20 bis 30 Jahren definiert. Diese Rechtslage dürfte auch Nürnberg kennen. „Eisenbahninfrastruktur zu erhalten, ist unser Geschäftszweck,“ stellte Preis zudem klar. „Wir interessieren uns nicht aus Lust und Laune für die Bibertbahn.“ 

SABINE DIETZ

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