Freitag, 16.04.2021

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Die lukrative Königin

Das Stadtmuseum widmet sich der Fürther Kirchweih - 15.09.2012 10:00 Uhr

Karussell-Vergnügen anno dazumal: Auch ein Storch und zwei flotte Motorräder, auf denen Kinder ihre Runden drehen durften, sind im Stadtmuseum zu sehen.

13.09.2012 © Mark Johnston


Ihr wird gerne als der „Königin aller Kirchweihen“ gehuldigt. Anders als bei Englands Queen bedarf es in Fürth aber keines Jubiläums, um angemessen gefeiert zu werden. Einfach, weil es immer eine gute Idee ist, diese Kärwa zu würdigen, ist ihre Geschichte jetzt museumsreif, sagt Martin Schramm, Chef von Stadtarchiv und Stadtmuseum.

Wann alles begann, liegt im Nebel der Geschichte. Sicher ist, dass 1536 die Michaeliskirchweih erstmals gesichert in einem Dokument auftaucht. Angelegentlich erkundigte sich damals ein Mann namens Jörg Mugenhofer beim Rat der Stadt Nürnberg, ob denn in Sachen Kirchweihschutz alles so bleibt wie gehabt? Ob ihn die Antwort zufriedengestellt hat?

Die Nürnberger ließen jedenfalls verlauten, dass sich nichts ändert. Soll heißen: Der Kirchweihschutz lag nach wie vor bei der Domprobstei in Bamberg. Was dort garantiert für Wohlwollen sorgte. Schließlich hing daran unter anderem das Gerichtsrecht während der Kärwa. Martin Schramm: „Und das brachte Gebühren ein.“

Dazu kam das Eichen der Maße und Gewichte. „Mit Gebühren belegt“, wie Schramm berichtet. Außerdem wurden die begehrten Plätze für Buden und Weiteres vergeben und auch dafür, man ahnt es schon, wurden Gebühren eingetrieben. Insgesamt also ein überaus lukratives Geschäft. Und zwar in jeder Beziehung. 1797 erhielten die Fürther ein Schreiben aus der Kriegs- und Domänenkammer in Ansbach. Deren oberster Chef war der preußische König Friedrich Wilhelm III., der plötzlich eine Verlegung der Kirchweih vom Grünen Markt auf die Königstraße forderte. Zudem sollte nun jeder Fürther Handwerker ein Muster seines Könnens präsentieren.

In der Kleeblattstadt war man nicht begeistert: „Eine ganze Reihe von Waren, die hier hergestellt wurden, bot man zum Beispiel als ,französische oder englische Produkte‘ an“, erklärt Schramm. Die Fürther erwiesen sich als perfekte Diplomaten: Sie schrieben der preußischen Majestät untertänigst, dass sie die Vorschläge allesamt im Prinzip großartig finden – abgesehen von dem minimalen Makel, dass des Königs Ideen in ihren Augen nichts taugen. 50 Fürther setzten ihre Unterschrift unter diesen Brief.

Durchschlagender Erfolg

Der kühne Vorstoß hatte zunächst Erfolg. Doch ab 1800 wurde die Kirchweih trotzdem auf die Königstraße verlegt. Was sich als durchschlagender Erfolg erwies: Bauten 1799 noch insgesamt 125 Schausteller ihre Buden auf, so kamen im Jahr darauf bereits 328. Der Aufwärtstrend sollte über die Jahrhunderte andauern: Heute vermerkt der städtische Wirtschaftsreferent Horst Müller, der kraft Amtes auch für die Fürther Kärwa zuständig ist, stolz: „Laut einer Kirchweihtabelle der Wirtschaftswoche aus dem Jahr 2012 sind wir auf Platz zehn der 15 größten Volksfeste Deutschlands. Und nicht nur das: Wir sind auch die einzige Stadt, die für ihre Kirchweih eine Hauptverkehrsstraße in der Innenstadt sperrt.“

Dokumente, Fotografien, Plakate und besondere Schaustücke wie ein handgemalter Original-Plan für die Aufstellung der Stände und Karussells im Jahr 1928 gehören zur Schau. Sehr einfühlsam zeigt die Reproduktion einer alten Postkarte, dass es für die Kärwa handfeste Argumente gab: Eine zünftige Schlägerei ziert zart getuscht den Gruß aus Fürth.

Damit hätten wohl auch anno 1709 die Bamberger Amtsschreiber etwas anfangen können. Die beklagten sich nämlich bitter, dass Ansbacher Kollegen sie auf der Kirchweih „wie Furien angriffen, als hätten sie Maleficianten vor sich“. Im Übrigen seien Bamberger Soldaten mit „starken Knüppeln“ verhauen worden.

Feinfühliger, sagt Martin Schramm, gingen da die Nürnberger vor. Die vergaßen schon mal just am Michaelistag, die Stadttore Richtung Fürth zu öffnen. Oder warnten vor einer angeblichen Cholera-Epidemie in der Nachbarstadt... Die Ludwigs-Eisenbahn allerdings hängte einst zu Fürther Kirchweihzeiten elf Wagen an — damit die Nürnberger bequem anreisen konnten.

Zu den besonders anschaulichen Exponaten der Ausstellung gehören Schießbudenfiguren, eine gewaltige Eismaschine von 1945 oder ein unermüdlicher Storch, der schon so manche Runde auf einem Karussell gedreht hat. Kinder dürfen im Museum in einem eigenen Spielbereich zum Beispiel das Dosenwerfen üben. Schließlich beginnt am 29. September die Fürther Kirchweih.

Das Stadtmuseum, Ottostraße 2, zeigt die Ausstellung von 15. September bis 25. November.

Sabine Rempe

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