Freitag, 26.02.2021

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Die Mairenke schwimmt ins Rampenlicht

Bayern kürte seinen eigenen Fisch des Jahres, weil es den Hering im Freistaat nicht gibt - 19.01.2021 11:00 Uhr

Die Mairenke fristet an sich ein Schattendasein, doch in diesem Jahr ist alles anders.

17.01.2021 © Andreas Hartl/Landesfischereiverband Bayern/dpa


Deutschlands Fisch des Jahres 2021 ist ein Klassiker: der Hering. Weil der aber nicht im Freistaat lebt, hat sich der Landesfischereiverband entschieden, ausnahmsweise und erstmals auch einen Bayerischen Fisch des Jahres zu küren. Es wurde: die Mairenke.

Mairenke? In einer Pressemitteilung erklärt der Verband, was sich der Laie darunter vorstellen muss, nämlich "das bayerische Pendant zum Hering". Die Mairenke also wird, wie es heißt, "von der Europäischen Union im Anhang II der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geführt" und gilt damit als bedroht und schutzbedürftig. Für ihre Erhaltung müssen besondere Schutzräume ausgewiesen werden.

"Perfekte Repräsentantin"

"Mit unserer Wahl wollen wir das Augenmerk auf einen einzigartigen Fisch lenken", sagt Prof. Albert Göttle, der Präsident des Landesfischereiverbands Bayern. Die Mairenke – im Gegensatz zur Renke, die zur Gruppe der Lachsartigen zählt, ist sie übrigens eine Vertreterin der Karpfenartigen – komme deutschlandweit nur in Bayern vor, betont Göttle. Sie sei damit "die perfekte Repräsentantin für die vielfältige Unterwasserwelt unserer Heimat".

Zumindest gilt das für den südlichen Teil des Freistaats. Denn der Fisch, der etwa 20 Zentimeter groß wird, zwischen Mai und Juni laicht und in den Seen im Voralpenland gern im Schwarm tief unter Wasser schwimmt, fühlt sich in der hiesigen Region offenbar nicht recht wohl.

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Stefan Mielchen ist Vorsitzender des Fischereivereins Fürth und passionierter Angler seit seinem zehnten Lebensjahr. Der 54-Jährige versichert: "Noch nie" hatte er in den vergangenen Jahrzehnten eine Mairenke an der Angel. "Ich kenn’ die nur aus dem Aquarium." Dass Mittelfranken für die Mairenke nicht beziehungsweise nicht mehr der ideale Lebensraum ist, erklärt der Fachmann so: Zum einen sei die Region wasserarmes Land, zum anderen gebe es hier "zu viele Querverbauten von Flüssen wie Wehr- und Biberbauten". Das mache der Mairenke zu schaffen, denn auf dem Weg zu Laichplätzen durchwandere sie Flussläufe.


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Fest steht: Mielchens Anglerherz schlägt bei der Erwähnung der Mairenke keineswegs höher, sie ist nun mal "kein populärer Fisch". Das dürfte auch daran liegen, dass es sich bei der Mairenke um einen Weißfisch handelt. So einer gilt bei den Experten eher als Beifang – wegen der vielen Gräten.

Gemeinsamkeit mit dem Hering

Trotzdem freut sich Mielchen schon im Interesse der Artenvielfalt über ihre Ernennung zum Fisch des Jahres. Denn der Fischereivereinsvorsitzende vertritt die Ansicht: "Sie gehört vom Grundsatz her einfach in unser Ökosystem."

Schmecken lassen kann man sich die Mairenke übrigens auch trotz ihrer zahlreichen Gräten. Sie wird schon mal als Matjes zubereitet oder sauer eingelegt. Da hat sie also wieder eine Gemeinsamkeit mit dem deutschen Fisch des Jahres, dem Hering.

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