Donnerstag, 14.11.2019

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Die Spur des heiligen Jakobus führt durch Roßtal

Auf dem fränkischen Camino sind regelmäßig Pilger unterwegs - 12.09.2019 21:00 Uhr

Friedrich Wagner, Mesner im Jakobus-Kirchlein in Buttendorf, in Wandermontur vor der Informationstafel des heuer erst aufgewerteten Teilstücks von Nürnberg nach Rothenburg ob der Tauber. © Foto: Florian Burghardt


"Erst heute früh war wieder eine Pilgerin da, die sich in Buttendorf einen Stempel für ihren Pilgerpass holen wollte", berichtet Friedrich Wagner. Der Roßtaler Kirchenpfleger sperrt jeden Morgen auch die St.-Jakobus-Kirche im Ortsteil Buttendorf auf. Beinahe täglich, sagt er, würden dort Gruppen, Paare und Einzelpersonen vorbeikommen, die den Jakobsweg bewandern.

Dass dieser nicht nur in Spanien verläuft, sondern europaweit verzweigt ist, wird immer bekannter. Der ursprüngliche Jakobsweg, der 800 Kilometer lange sogenannte Camino Francés, führt zwar nur durch den Norden Spaniens. Doch auch im gut 2000 Wegkilometer entfernten Mittelfranken kann man auf einem Teilstück des weltbekannten Pilgerwegs wandeln.

Dieses erstreckt sich auf etwa 88 Kilometern von Nürnberg nach Rothenburg ob der Tauber und ist, laut Wagner, ideal für Pilger-Anfänger geeignet. Der Kirchenpfleger hat den gesamten Jakobsweg selbst schon in vielen Etappen von Roßtal bis ans Ziel, die Stadt Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens, zurückgelegt. Für Einsteiger empfiehlt er, den sogenannten fränkischen Camino in fünf Etappen zu nehmen.

"Wer in Nürnberg startet, sollte am besten in Roßtal, Heilsbronn, Weihenzell und Colmberg übernachten", so sein Rat. Das wären pro Tag etwa 15 bis 20 Kilometer.

"Ein relativ normales Tagespensum auf dem Jakobsweg", weiß auch Gudrun Brand vom Pfarramt Roßtal. Über mehrere Jahre ist sie zusammen mit ihrem Mann von hier bis ans Ende des Camino Francés gelaufen. An Wochenenden und im Urlaub haben sie immer dort weitergemacht, wo sie das letzte Mal aufgehört hatten.

Nur einmal mit dem Bus

Immer zu Fuß, beziehungsweise fast immer. "Nur ein Mal, in der Schweiz, habe ich den Bus genommen. Ansonsten hätte ich 14 Kilometer auf asphaltiertem Weg zurücklegen müssen. Das geht unheimlich auf den Rücken und die Kniegelenke", so Brand. Damit man sein gestecktes Tagesziel erreicht, spielt auch das Gepäck eine wichtige Rolle. Das wissen die beiden erfahrenen Roßtaler Pilger. Mehr als zehn Kilogramm sollte man, ihrer Ansicht nach, lieber nicht im Rucksack tragen. "Und nicht an Wasser und Brotzeit sparen", mahnt Brand. Das hat einen besonderen Grund: Zwar hat der Jakobsweg in den vergangenen 20 Jahren europaweit einen großen Zulauf erfahren. Die Infrastruktur sei aber nur bedingt mitgewachsen, meinen Wagner und Brand.

Der Aufkleber mit stilisierter Muschel markiert den Jakobsweg. © Foto: Wolfgang Lammel


Das habe auch kulturelle Gründe. Denn auf der Pilgerreise wollen sich viele Menschen mit sich selbst und ihrem Glauben beschäftigen. "Ein Wirtshaus nach dem anderen direkt am Wegesrand würde dabei eher stören", sagt der Kirchenpfleger.

Deshalb müsse man zum Einkehren häufig ein bis zwei Kilometer vom Jakobsweg abweichen und im Anschluss natürlich wieder zurück. Zusätzliche Schritte, auf die viele Pilger gerne verzichten.

Vor allem in Frankreich und Spanien sei es aber auch üblich, dass die Anwohner des Jakobswegs Pilger ansprechen und ihnen Kost und Logis anbieten. Häufig gegen einen geringen Obolus von weniger als fünf Euro. Wagner hat das schon mehrfach selbst erlebt: "Die Menschen dort sind einfach historisch mit dem Jakobsweg verwachsen und sehen täglich viele Pilger vorbeikommen."

Diese besondere Form der Gastfreundschaft sollte man auf dem fränkischen Jakobsweg lieber nicht erwarten. Zwar wurde das Teilstück erst in diesem Jahr im Rahmen des europäischen Leader-Projekts mit Informationstafeln und Wegpunkten aufgewertet. Der "fränkische Camino" ist aber einfach noch nicht so bekannt wie der Hauptweg in Spanien und die Übernachtungsmöglichkeiten entlang des Weges sind, laut Wagner, noch etwas rar gesät.

Jedoch können Pilger in Roßtal gratis übernachten. Das Gemeindehaus bietet etwa 20 Personen einen Schlafplatz und ist sogar mit einem Bad mit Dusche ausgestattet. "Man sollte nur rechtzeitig im Voraus Bescheid sagen und seinen eigenen Schlafsack und Isomatte mitbringen", erklärt Brand.

Ansprechpartner ist das Pfarramt Roßtal, Schulstraße 17, Telefon: (0 91 27) 5 74 16.

Florian Burghardt

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