Dienstag, 20.04.2021

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«Die Stadt hat unsere Ideen verhackstückt»

Neuer Spielplatz an der Uferpromenade: Fürther Künstler ärgern sich über das Grünflächenamt - 05.09.2007

Beim Festival «Stadt am Fluss» hatten die Kinder Spaß am neuen Spielplatz. Dem Künstlerverein, der die Holzbaracke (hinten) nutzt, ist er ein Dorn im Auge.

14.02.2011


Die Sonne scheint, doch den beiden Frauen läuft beim Anblick des Spielplatzes ein kalter Schauer den Rücken hinab. «Da stehen einem die Haare zu Berge», sagt Elke Fenneteau. Die Vorsitzende des Künstlervereins «Badstraße acht» und Fürther Kulturpreisträgerin 2006 sitzt mit der Malerin Birgit Maria Götz vor den Holzbaracken an der Rednitz. Ihr Blick fällt dabei zwangsläufig auf die Spielgeräte. Für die Frauen sind sie wie Fremdkörper in einer ehemals vertrauten Umgebung.

In den vergangenen Jahren hatte der Verein für den Erhalt der Baracken gekämpft, die von den Künstlern als Atelier und Ausstellungsraum genutzt werden. Mit Erfolg. Die Stadt verzichtete auf den Abriss, beschloss jedoch, im Zuge des Promenadenbaus einen Spielplatz auf einem Teil des städtischen Geländes zu errichten.

Ideen ausgetüftelt

Laut Elke Fenneteau war für den Künstlerverein schnell klar, sich an den Planungen beteiligen zu wollen. «Uns ist an diesem Ort sehr viel gelegen», sagt sie, «und wir sind schließlich die, die es ständig vor Augen haben.» Eine Arbeitsgruppe wurde gebildet und Ideen ausgebrütet. Der Kontakt zum Grünflächenamt sei zunächst sehr positiv gewesen. «Klar, machen Sie mal», habe es geheißen. Der Verein reichte einen Gestaltungsvorschlag ein, zog dann aber noch eine Künstlerin aus Bamberg hinzu, die Spielplätze gestaltet. Doch deren Plan passte den Fürther Künstlern nicht ins Konzept.

Also baten sie die Stadt, zum ersten Entwurf zurückzukehren: ein Piratenschiff zum Klettern, Sitzbänke in Schiffsform sowie die Holzskulptur eines Jungen in Badehose, der mit einer Hand seine Augen beschirmt, als spähe er über den Fluss.

All diese Elemente enthält der Spielplatz nun. Dennoch findet Götz kein gutes Wort. «Man hat unsere Ideen verhackstückt», klagt sie. Bei der Umsetzung seien sie trotz einer Zusage des Grünflächenamtes nicht mehr gefragt worden. Offenbar sollte die Anlage möglichst günstig werden, kritisiert sie und zeigt auf die Holzskulptur. Götz: «Der billigste Zimmermann Bayerns stampft eine Plastik aus dem Boden und wir schauen die jetzt jeden Tag an.»

Fenneteau ist der gleichen Meinung. Man hätte den Platz «naturnah» gestalten können. Stattdessen sehe die Sitzgruppe aus wie auf einer Autobahnraststätte. Nur Plastik und Metall. Allenfalls die Form sei von der ursprünglichen Idee der Künstler noch übrig. Der Tisch sei für Kinder viel zu hoch, der Zaun aus Holz und Seilen nach nur einer Woche windschief. Das wuchtige Tor aus Metall passe in keiner Weise zum Zaun. «Ich frage mich, was ist da überhaupt noch durchdacht», klagt Fenneteau. Geradezu «unfair» sei es von der Stadt, nur die Ideen zu übernehmen, sich bei der Ausführung aber nicht zu melden.

Unter Zeitdruck

Gerhard Vogel, Leiter des Grünflächenamtes, räumt ein, dass der Spielplatz «mehrere Mängel aufweist». Diese habe man der zuständigen Baufirma bereits gemeldet. Der Tisch sei in der Tat zu hoch, der Zaun wackle, bestätigt Vogel.

Als der Entwurf der Bamberger Künstlerin zurückgezogen worden sei, habe die Zeit gedrängt. Vogel: «Der Künstlerverein war nicht in der Lage, eine Alternative im vereinbarten Finanz- und Zeitrahmen zu liefern.» Also habe man im Amt entschieden, die Angelegenheit in die Hand zu nehmen. Die Ausschreibung an eine «Fremdfirma» schien der sicherste Weg, um zu gewährleisten, dass der Spielplatz noch rechtzeitig fertig wird. Die Holzskulptur wäre in der «künstlerischen Form» zudem deutlich teurer gewesen. «Das wäre es nicht wert gewesen. Es ist ein Spielplatz», betont der Amtsleiter.

Dass der Termindruck wegen der Eröffnung der Uferpromenade eine Rolle bei der Angelegenheit spielte, hatten Birgit Maria Götz und Elke Fenneteau bereits vermutet. Die Enttäuschung sitze tief, schließlich hätten sie viel Zeit investiert. Jetzt bleibe ihnen nur noch, sich von dem Werk zu distanzieren: «Das ist nicht unsere Gestaltung, es wurden nur unsere Ideen übernommen», stellen die Künstlerinnen klar.

Johannes Alles (Text) und Hans-Joachim Winckler (Foto)

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