Die Stadt will's wissen: Wie stellen sich Schüler Fürth vor?

3.2.2018, 16:00 Uhr
Raum für Jugendliche gibt es schon in Fürth, wie hier den Skatepark am Schießanger. Wovon Fürths Nachwuchs sonst noch träumt, zeigt sich möglicherweise Anfang März.

Raum für Jugendliche gibt es schon in Fürth, wie hier den Skatepark am Schießanger. Wovon Fürths Nachwuchs sonst noch träumt, zeigt sich möglicherweise Anfang März. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Wie viele Jugendliche am 1. März, einem Donnerstag, tatsächlich in der Stadthalle aufeinander treffen werden, ist noch offen. Fest steht: Jede Schule darf pro Klasse zwei Interessenvertreter schicken, ein Mädchen und einen Jungen. Bisher haben 14 von 21 Schulen ihre Teilnahme angekündigt, die Anmeldefrist endet am 19. Februar.

Wie berichtet, dürfen sich 16 Städte und Regionen in Deutschland "jugendgerechte Kommunen" nennen. Gemeint ist damit aber lediglich, dass sich diese Städte vorgenommen haben, Wohlfühlorte für Kinder und Jugendliche zu werden. Es handelt sich um ein Programm des Bundesfamilienministeriums, und Fürth ist dabei — als einzige Stadt in Bayern.

Zum Zug kam die Kleeblattstadt dank "Echt Fürth", einem Projekt, bei dem kommunale Jugendarbeit und Stadtjugendring kooperieren. Es ermöglicht jungen Fürthern seit längerem, ihre Ideen einzubringen und umzusetzen, etwa über die Veranstaltungsreihe "Wortwechsel", bei der sie mit Lokalpolitikern ins Gespräch kommen, über den Jugendbeirat, über soziale Netzwerke oder über "Echt Geld", das Projekte mit je 500 Euro unbürokratisch finanziert.

Soweit zu den Möglichkeiten, die Jugendliche schon haben, um sich und ihre Interessen bei der Gestaltung der Stadt und des städtischen Lebens einzubringen. Im Oktober beschloss der Stadtrat ein Maßnahmenpaket, um dem Nachwuchs mehr Gewicht in der Kommunalpolitik zu geben. Mit dem Jugendforum geht es jetzt los. Die Veranstaltung ist aber nicht nur ein Startsignal, sie soll auch helfen, von Anfang an möglichst viele Teenager mit ins Boot zu holen. Bürgermeister Markus Braun spricht von einer Premiere: "Wir versuchen erstmals flächendeckend möglichst alle Jugendlichen zu erreichen."

Organisiert wird der große Gedankenaustausch Anfang März samt Vorbereitungsphase von der Sozialpädagogin Linda Nägele und dem Sozial- und Medienpädagogen Florian Seidel vom Kulturcafé Zett9. Beide können zwar noch keine Teilnehmerzahlen nennen, wissen inzwischen aber, dass sich Vertreter aller Schularten einbringen werden. Somit sind alle mit von der Partie: Förderschüler, Mittelschüler, Realschüler, Gymnasiasten, Berufsschüler. Im Jugendhilfeausschuss wurde das am Mittwoch fraktionsübergreifend begrüßt, Braun schwärmte von einem "wunderbaren Projekt fürs Jubiläumsjahr".

Was den Jugendlichen auf der Seele brennt? Bleibt abzuwarten. Klassen, die mitmachen, haben mindestens zwei Schulstunden Zeit, sich vorzubereiten. Attraktive Begleitumstände sollen helfen, die Lust an der gelebten Demokratie zu wecken. Die Organisatoren haben den Lehrern deshalb ein Sortiment nützlicher Werkzeuge an die Hand gegeben, mit dem laut Seidel "vieles erlebbarer wird", wenn es in den Klassen darum geht, Kernforderungen zu bestimmen.

Dazu gehören beispielsweise das "stumme Schreibgespräch" (Schüler kommentieren schriftlich Fragen oder Aussagen, die auf Poster oder Tapetenbahnen geschrieben wurden), der Bedürfnis-Basar (Kleingruppen versuchen die anderen von ihren Ideen mittels Marktschreier zu überzeugen) oder die Minecraft-Alternative Minetest, mit der sich eine Stadt virtuell (um)bauen lässt. Die Stadt oder der Stadtteil der Zukunft lässt sich dann als Videoclip präsentieren oder als virtueller Rundgang.

Beim Jugendforum stehen all die Ergebnisse zur Debatte. Auch der Oberbürgermeister — Thomas Jung ist Schirmherr der Veranstaltung — und andere Akteure aus Kommunalpolitik und Stadtverwaltung werden sich die Visionen dann erklären lassen. Möglicherweise stellt sich noch am selben Tag heraus, ob ein Gedanke Utopie bleiben muss oder ob er sich verwirklichen lässt.

Ungeachtet dessen steht für die Organisatoren und Verantwortlichen im Rathaus schon jetzt fest: Das Jugendforum darf "keine Eintagsfliege" (Seidel) und "kein Strohfeuer" (Braun) sein. Ihm sollen weitere Aktionen folgen. Klar ist: Spätestens im Juli steht eine ganze Woche unter dem Titel "Fürth im Übermorgen".

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