Die Suche nach dem gewissen Etwas

23.3.2011, 00:00 Uhr
Im Wertstoffzentrum Veitsbronn finden die Kunden mehr als nur Kleidung, Haushaltswaren und Möbel: Diese Familie hat in dem Gebrauchtwarenmarkt einen Kicker für sich entdeckt.

Im Wertstoffzentrum Veitsbronn finden die Kunden mehr als nur Kleidung, Haushaltswaren und Möbel: Diese Familie hat in dem Gebrauchtwarenmarkt einen Kicker für sich entdeckt. © Horst Linke

„Ich bin ein Spaßkäufer“, sagt Anton Schröter mit einem Lachen. Fast jede Woche geht der Langenzenner mit seiner Frau ins Wertstoffzentrum Veitsbronn. „Wir mögen alte Sachen, allerdings nicht die ganz teuren Antiquitäten“, erklärt Schröter. Eine alte Nähmaschine, die sie hier erstanden haben, steht zum Beispiel daheim im Wohnzimmer. Heute sucht Anton Schröter ausnahmsweise etwas Bestimmtes: einen Hochsitz für seinen kleinen Enkel. Rund 900 Kunden finden täglich auf die Gebrauchtwarenhöfe des Wertstoffzentrums Veitsbronn, die es mittlerweile an sechs Standorten im Raum Nürnberg-Fürth gibt. „Früher sind viele Leute nicht zu uns gekommen, weil sie Angst hatten, gesehen zu werden und als bedürftig zu gelten“, sagt Geschäftsführer Walter Bartl. „Inzwischen ist das nicht mehr so. Die Hemmschwelle ist gesunken.“

Mittlerweile sind auf den Gebrauchtwarenmärkten auch Studenten unterwegs, die sich günstig eine Wohnung einrichten wollen – oder das gewisse Etwas suchen, zum Beispiel farbenfrohe Möbel aus der Flower-Power-Zeit. Großfamilien decken sich mit Haushaltswaren oder Kinderspielzeug ein und Schnäppchenjäger nehmen fast alles, wenn es nur günstig genug ist. Wieder andere sind auf der Suche nach seltenen Antiquitäten. Bei vielen spielt auch der Umweltschutzgedanke eine Rolle – warum etwas wegwerfen, was eigentlich noch fast wie neu ist?

Eine Couchgarnitur gibt es in Veitsbronn bereits ab 30 Euro. Eine massive Schrankwand kostet zwischen 50 und 200 Euro. Die Preise für Kleidung und Haushaltswaren beginnen schon im Centbereich. „Das meiste ist nur ein, zwei Tage hier, bis es verkauft wird – es ist ein Kommen und Gehen“, sagt Geschäftsführer Bartl. „Das Schöne ist, dass was dem einen gar nicht gefällt, oft genau das ist, was ein anderer schon lange sucht.“

Der Gebrauchtwarenmarkt in Veitsbronn erinnert mehr an ein helles Kaufhaus als an einen dunklen Krämerladen. Kleidung, Haushaltswaren, Möbel und Bücher sind in eigenen Abteilungen untergebracht. „Wir achten darauf, dass die Ware sauber und ordentlich ist, damit nicht das Gefühl entsteht, in einem Schmuddelladen gelandet zu sein.“

Trotz der neuen Kundschaft steht für Walter Bartl der soziale Gedanke im Vordergrund. Das Wertstoffzentrum arbeitet eng mit den Tafeln und den Wärmestuben zusammen. „Wenn irgendwo Not besteht, helfen wir schnell und unbürokratisch.“ Träger des Zentrums ist die Gemeinnützige Evangelische Gesellschaft zur Förderung der Arbeit und des Umweltschutzes. Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt sonst keine Chance haben, finden auf den Höfen Anstellung. „Wir wollen sie wieder fit für den ersten Arbeitsmarkt machen“, sagt Bartl. 80 Menschen arbeiten beim Wertstoffzentrum derzeit unbefristet.

Möbel aus den 60ern im Trend

Die Erfahrung, dass nicht mehr nur Bedürftige den Weg auf die Gebrauchtwarenhöfe finden, hat auch Gerhard Pfister gemacht. Der Geschäftsführer des Forchheimer Gebrauchtwarenhofs „Pack mer’s“ beobachtet immer wieder, dass junge Leute aus Erlangen den Weg in die

Kreisstadt finden. „Die meisten interessieren sich für Möbel aus den 60ern und 70er Jahren.“ Die ganz alten Weichholz-Möbel aus dem 19. Jahrhundert gehen dagegen nicht mehr so gut, ebenso wenig wie große Schrankwände. „Eine Wohnung, die dafür groß genug ist, hat ja kaum einer.“

Wie das Veitsbronner Wertstoffzentrum erhält auch „Pack mer’s“ die Waren von Bürgern. „Wenn jemand zum Beispiel einen Wohnzimmerschrank nicht mehr braucht, machen wir einen Termin aus und entscheiden vor Ort, ob wir ihn nehmen oder nicht. Das hängt davon ab, wie voll unser Hof ist und was von unseren Kunden nachgefragt wird“, sagt Pfister.

In Veitsbronn hat Walter Bartl derweil einen glücklichen Kunden mehr. Anton Schröter ist fündig geworden und trägt einen Hochstuhl aus Holz an die Kasse. „2 Euro“ steht auf dem Preisschild.

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