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Die Vielfalt darf nicht bedroht sein

Historikerin Barbara Ohm über den aktuellen Sparzwang im Fürther Stadtmuseum - 03.09.2010 10:45 Uhr

Seit Ende März hat die Stadt wieder ein Gedächtnis namens Stadtmuseum, jetzt wird es löchrig und in Teilen außer Kraft gesetzt. Wie finden Sie das?

Ohm: Natürlich ist es am besten, wenn ein Museum so lang wie möglich geöffnet hat. Die Frage ist aber, ob das realisierbar ist, denn Personal ist kostenintensiv. Wenn es unbedingt sein muss, dass man Öffnungszeiten verknappt, dann sollte man zumindest dafür sorgen, dass das Museum auf ist, wenn die meisten Leute Zeit haben, nämlich am Wochenende.

Haben Sie Verständnis für das Spardiktat des Oberbürgermeisters?

Ohm: Dafür habe ich Verständnis, denn der Kulturbetrieb ist sehr vielfältig. Die Stadt muss alle Sparten gleichwertig behandeln, sonst gibt es eine ungünstige Situation. Die Vielfalt der Fürther Kultur darf aber nicht bedroht sein. Wäre dies der Fall, fände ich das außerordentlich schade, da es diese Vielfalt in Fürth noch nicht allzu lange gibt. Anderseits: Die finanzielle Not Fürths muss man ernst nehmen. Aber das bedeutet eben auch die gleichwertige Behandlung aller Einrichtungen. Ich wundere mich zum Beispiel, dass es keine Abstriche beim Jüdischen Museum Franken gibt.

Würden Sie das begrüßen?

Ohm: Es würde zumindest zeigen, dass die Stadt alle Museen gerecht behandelt.

Angenommen, Sie wären eine Mäzenin, die dem Stadtmuseum im Frühjahr mit einer ansehnlichen Summe auf die Beine geholfen hätte. Wie würden Sie nun auf die Neuigkeit reagieren, dass die Öffnungszeiten Ihres Museums drastisch verknappt werden?

Ohm: Wenn ich tatsächlich so reich wäre, würde ich nochmals etwas stiften, damit die Stelle, die nun im Museum gestrichen wurde, gerettet werden kann.

Und welches Zeichen können Sie als Historikerin und ehemalige Stadtheimatpflegerin setzen?

Ohm: Als ehemalige Stadtheimatpflegerin gar keins, das ist aus und vorbei. Als Historikerin kann ich mit Führungen durch das Museum für Aufmerksamkeit sorgen und dazu beitragen, dass immer mehr Besucher in der Ottostraße vorbeischauen. Irgendwelche Öffnungszeiten nützen ja wenig, solange man nicht die Menschen für das Museum interessiert und sich immer wieder etwas Neues einfallen lässt, um das Haus im Gespräch zu halten. Daher ist es wichtig, dass man sich um zusätzliches Geld bemüht, um Sonderausstellungen organisieren zu können.

Welches Ihrer zehn Lieblingsobjekte ist eigentlich das allerliebste?

Ohm: Das gibt es nicht. Sehr schön finde ich aber das erste Siegel der Gemeinde Fürth, ein Zeichen der Emanzipation von den drei Herren. Auch beeindrucken mich der Eisenbahn-Guckkasten und der Zettel, auf dem 1945 die Kapitulation der Stadt unterzeichnet wurde. 

Matthias Boll

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