Die Welt hinter den Szenen

14.5.2007, 00:00 Uhr
Wie gemalt wirkt die Szene aus «Verbrennungen», die Christian Oberlander zudem multipliziert hat.

Wie gemalt wirkt die Szene aus «Verbrennungen», die Christian Oberlander zudem multipliziert hat. © André De Geare

Die Fotografien von Christian Oberlander im Fürther Stadttheater sind eine verwirrende Kombination aus Realem und Surrealem. «Theaterbild und Bildtheater» hat er seine 40 Exponate umfassende Schau genannt, die flankierend zu den 25. Bayerischen Theatertagen (Start: 9. Juni) gezeigt wird. Wie real kann aber Theater überhaupt sein - eine Frage, um die sich der 1956 in Fürth geborene Oberlander kaum kümmert. Was ihn interessiert, ist das dahinter, das, was das Stück ausdrücken will.

Zwischen den Stühlen

Wenn man sich Theaterfotografien anschaut, dann sehe er darin vor allem statische Abbildungen von Spielszenen - das ist ihm vor etlichen Jahren einmal aufgefallen. Spannend fand er das nicht. Und darum beschritt Oberlander den anderen Weg. Einen Weg, der damals und heute noch von einigen immer wieder mal misstrauisch, mal despektierlich beäugt wird. «Ich sitze eben zwischen den Stühlen», bekennt der Mediendesigner. Die Fotografen tun sich schwer mit ihm, weil er die Fotografie, die er nicht selten aus Videomitschnitten herausschält, verfremdet, hinter die Theater-Fassaden blickt.

Und die bildenden Künstler können sich nicht recht anfreunden mit Oberlander, weil sie sagen: «Dann hättest du auch gleich malen können.» Oberlander, der bereits zahlreiche Kunstprojekte organisierte und Musikwerke visualisierte, ficht so etwas längst nicht mehr an, denn die positive Resonanz auf sein Werk ist beachtlich.

Schön lässt sich in der Fürther Ausstellung erkennen, auf welch unterschiedliche Weise er die Fotos bearbeitet. Beispiel «Verbrennungen», ein Schauspiel, das derzeit in Nürnberg gespielt wird und im Rahmen der Bayerischen Theatertage auf der Fürther Bühne kommt: Drei Fotografien hat Oberlander aus dem Stück ausgewählt. Keines erinnert auf den ersten Blick an die eindringliche Aufführung. Und doch drücken die via Computer erstellten Vermalungen, Vervielfältigungen und Verfremdungen einzelner Figuren deutlich die Stimmung dieser beklemmenden Aufführung aus.

Auf einem anderen Foto ist eine Szene aus Johannes Volkmanns Papiertheater zu sehen. In seiner Bearbeitung ähnelt das Foto plötzlich dem letzten Abendmahl; daneben eine Tanzszene, sie wirkt verschleiert und verwoben im Dunklen, gerade so, als bewege sich ein unbekanntes, ungeborenes Lebewesen in einer Fruchtblase. Doch Oberlander, der einst seine Lust an der Veränderung des Fotografierten im Kabarett-Theater entdeckte, zeigt nun, dass er durchaus auch Sinn für das Absurde hat.

So nimmt er die eher platte Aufführung eines fränkischen Theaters zum Anlass, den Kitsch, der sich auf der Bühne versammelt hat, ebenso drastisch widerzuspiegeln.

Video im Theater

Seit Februar ist er «im Schweinsgalopp durch Bayern gereist, 4500 Kilometer», erzählt er, und habe sich Dutzende Aufführungen in vielen Theatern mit Videokamera und Fotoapparat im Gepäck angesehen.

Es sind Stücke, die nun im kommenden Monat auch in Fürth auf der Bühne zu sehen sind. «Eine prima Ergänzung zu den Theatertagen», findet Oberlander nicht ganz uneigennützig. Denn die Gäste aus den zahlreichen bayerischen Theatern werden sich auch für seine Fotos interessieren. Und - sie werden sich auf seinen Bildern nicht sofort wiedererkennen. Denn er dokumentiert nicht, sondern sucht den tieferen Sinn, die zweite Ebene. Gefunden hat er beides. MARTINA HILDEBRAND

«Theaterbild und Bildtheater» ist bis zum 8. Juli im Stadttheater zu sehen. Die Ausstellung erfolgt in Zusammenarbeit mit Art-Agency Hammond. Eine Besichtigung ist während der Theatervorstellungen und auch nach Vereinbarung möglich. Infos unter Tel. (09 11) 77 07 27.