Die Wirtschaftskrise holt auch Delphi ein

27.11.2009, 00:00 Uhr
Ein Bild aus besseren Zeiten: Ein Delphi-Mitarbeiter erläuterte Audi-Manager Andreas Schleef (rechts) im Februar 2008 die Funktionsweise des pyrotechnischen Sicherheitssystems (PSS), in der Mitte Delphi-Vorstand Diedrich von Behr.

© Hans-Joachim Winckler Ein Bild aus besseren Zeiten: Ein Delphi-Mitarbeiter erläuterte Audi-Manager Andreas Schleef (rechts) im Februar 2008 die Funktionsweise des pyrotechnischen Sicherheitssystems (PSS), in der Mitte Delphi-Vorstand Diedrich von Behr.

Schon seit Monaten ist am hiesigen Standort des Delphi-Konzerns mit weltweit 170 000 Mitarbeitern Kurzarbeit an der Tagesordnung. Das Unternehmen mit Sitz im US-Bundesstaat Michigan produziert seit knapp sechs Jahren auf dem Gelände von Dynamit Nobel hauptsächlich Zünder für Airbags.

Noch im Februar 2008 führte man die Presse durch das Werk. Es gab Grund zu feiern. Kurz zuvor war die zweimillionste Pyrotechnische Sicherung (PSS) hergestellt worden. Das Kästchen, groß wie eine Streichholzschachtel, verhindert, dass es beim Unfall zu einem elektrischen Kurzschluss kommt, der das Fahrzeug in Brand setzen könnte. Sehr innovativ sei das, hieß es damals. Und jetzt?

«Das sind tatsächlich Spitzenprodukte«, stellt Betriebsrat Manfred Reges auf FN-Anfrage klar. Der Airbag-Zünder zum Beispiel sei so etwas wie der Mercedes in der Sparte. Gut, aber teuer, und in der Krise scheinen die Autobauer günstigere Varianten zu bevorzugen. «Wir haben keine Aufträge mehr«, sagt Reges, «da gibt es nichts zu beschönigen.«

Transfergesellschaft fängt auf

Im Jahr 2009 seien bereits 4,8 Millionen Euro Miese aufgelaufen – das habe die Geschäftsleitung unlängst verkündet und das könne auf Dauer keine Firma durchhalten. Bis zum Jahresende müssten daher rund 80 Mitarbeiter gehen. Die Angestellten seien über diesen Schritt informiert worden, wer letztlich entlassen wird, sei indes noch nicht entschieden.

Laut Reges hat der Betriebsrat die Rahmenbedingungen für die Kündigungen ausgehandelt. Ein Sozialplan steht bereits und es wird eine Transfergesellschaft geben, in der sich die Gekündigten weiterqualifizieren, in der sie aber auch «an die Hand genommen« werden sollen, wie Reges sagt. «Wir haben viele langjährige Mitarbeiter, die schon für Dynamit Nobel gearbeitet haben«, so der Betriebsrat. Die bräuchten beispielsweise Hilfestellung dabei, wie man eine moderne Bewerbung schreibt.


Betroffen von der Entwicklung bei Delphi zeigt sich Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung. Die Krise der Automobilindustrie gehe auch an Fürth nicht spurlos vorüber. Glück im Unglück ist es Jung zufolge, dass Fürths Gewerbe im Vergleich zu anderen Städten nicht sehr "autolastig" sei.