Diskussion zur Sterbehilfe: Plädoyer für die Hospizarbeit

6.7.2015, 18:30 Uhr
Die christliche Position zur Sterbehilfe ist von der Ehrfurcht vor dem Leben geprägt.

Die christliche Position zur Sterbehilfe ist von der Ehrfurcht vor dem Leben geprägt. © Foto: Blume/ epd

Dass ein katholischer Würdenträger in der von der evangelischen Diakonie Neuendettelsau getragenen Hochschule auftritt, ist dabei nichts Ungewöhnliches. Schließlich gehört mit Ethikprofessor Elmar Nass ein katholischer Priester auch zum Lehrkörper. Und Positionen in strittigen Grenzfragen zu beziehen, ist nach den Worten von Hochschul-Vizepräsident und Forschungsinstitutsleiter Jürgen Zerth ein Grundbedürfnis der Einrichtung.

Das geht nicht immer konfliktfrei über die Bühne, wie vergangenes Jahr die Aufregung um den Auftritt des Europaabgeordneten und Repräsentanten der umstrittenen „Alternative für Deutschland“,  Joachim Starbatty, gezeigt hat. Da schlägt der Erzbischof aus Bamberg schon versöhnlichere Töne an, wenn er dazu aufruft, das Leben zu lieben und zu behüten. Schick stellt sich der Tatsache, dass die Mehrheit der Deutschen den selbstgewählten und assistierten Tod befürwortet, hinterfragt jedoch die entsprechende Umfrage. Denn im Ernstfall – etwa von schwerverletzten Unfallopfern – werde der Wunsch nach Sterbehilfe kaum geäußert.

Dies bestätigt auch Roland Hanke, der Sprecher des Fürther Hospizvereins. Er weiß jedoch, dass viele Menschen am Lebensende nicht künstlich am Leben erhalten werden wollen. Es sei eine riesengroße Aufgabe, das Leben der Natur wieder zurückzugeben, wenn es so weit ist, statt es mit der von Schick geforderten Liebe festklammern zu wollen. Seelsorger könnten in den Hospizvereinen eine wertvolle Funktion ausüben. 

Das stellt Schick auch nicht in Abrede. Er verweist darauf, dass er gerade zwei Geistliche für die häusliche Hospizarbeit freigestellt hat. Viel zu wenig, findet Hanke, der zudem bemängelt, dass kirchliche Initiativen auf die geistlichen Zentren wie Bamberg und Nürnberg beschränkt sind. Fürth sei bei der Zuteilung seelsorgerischer Helfer bislang leer ausgegangen.

Auch wenn Schick aus theologischer Sicht das Leben für unantastbar erklärt und den Suizid als Flucht vor dem Tod ansieht, räumt er ein, dass die Medizin mitunter doch zu viel des Guten tut, um das Leben zu erhalten. Andererseits sieht der Erzbischof durch Sterbehilfe auch den Generationenvertrag in Frage gestellt. Statt ihn zu unterlaufen, müsse das Miteinander gestärkt werden. Ohnehin sei das zunehmend egozentrische Selbstverständnis mit einer Naturentfremdung verbunden, sagt Schick und beruft sich dabei auf die neue Enzyklika „Laudato Si“ von Papst Franziskus.

Es gelte, alten Menschen die Angst vor dem Sterben zu nehmen. Dazu dürfe man das Alter nicht isoliert betrachten. Sterben gehöre nun mal zum Leben. Das alte Verständnis, dass Tod schon in der Geburt angelegt sei, müsse wieder mehr gepflegt werden. Um der Vereinsamung und Verzweiflung im Alter entgegenzuwirken, müssten auch neue Wohnformen gefördert werden.

Konsens ist unter den Teilnehmern der Ringvorlesung, dass Pflegebedürftige nicht länger abgeschoben und ausgegrenzt werden dürfen, sondern in die Gesellschaft aufgenommen werden müssen, wie dies bei Menschen mit Behinderung schon der Fall ist. Eine Pflegekraft unter den Zuhörern schmerzt die Diskussion um die Sterbehilfe, weil sie darin den Vorwurf des Versagens ihres Berufsstandes sieht.

In der Debatte um die Sterbehilfe ist weitere Kirchenprominenz im Anmarsch: Am 29. Juli kommt der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm nach Oberasbach-Altenberg. Um 18 Uhr spricht er in der St.-Markus-Kirche ebenfalls zur Sterbehife. „Zeit zum Leben – Zeit zum Sterben“ ist der Vortrag mit anschließender Diskussionsmöglichkeit überschrieben.

Keine Kommentare