Diskussionen in Fürth: Markthalle kontra Schnabuliermarkt

15.5.2014, 06:00 Uhr

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Hornstein, der als ehemaliger Sprecher der Bürgerinitiative Bessere Mitte und engagierter Streiter für den Denkmalschutz bekannt geworden ist, möchte keinen falschen Eindruck entstehen lassen. Deshalb schickt er voraus: Der „sehr professionell ausgearbeitete Vorschlag“ Schreiers habe „grundsätzlich nur Anerkennung und Bewunderung verdient“, denn hier engagiere sich „ein Fürther Bürger mit hohem finanziellen und zeitlichen Aufwand für unsere Stadt“.

Zudem zeige Schreier mit der Situation des zwangsweise herumvagabundierenden Wochenmarkts einen seit langem bestehenden Missstand auf, der einer Stadt wie Fürth nicht würdig sei, findet Hornstein. Damit allerdings enden die Gemeinsamkeiten zwischen ihm und Schreier auch schon, denn der Architekt hält die Nutzung der Konrad-Adenauer-Anlage für tabu: Unbegreiflich ist ihm, dass der kleine Innenstadtpark, 1827 als „Englische Anlage“ entstanden, nicht längst unter Denkmalschutz steht.

Deshalb möchte er den Blick auf jenes Areal lenken, auf dem, nur einen Steinwurf entfernt, der Paradiesbrunnen steht – landläufig kleine Freiheit genannt, eigentlich aber Max-Grundig-Anlage getauft. Hier könnte sich Hornstein eine halboffene, ganzjährig betriebene Markthalle vorstellen, „filigran“ und nach französischem Vorbild gestaltet. Kein wertvolles innerstädtisches Grün, betont er, müsste darunter leiden.

„Dieser Platz ist geradezu prädestiniert für einen Wochenmarkt“, glaubt Hornstein, eine Halle könnte den in seinen Augen „eigentlich viel zu langen Gesamtplatz besser ,fassen‘ und die Proportionen wohltuend verbessern“. Zudem läge der Standort in Bahnhofsnähe mit relativ viel Laufkundschaft und könnte die beiden künftigen Verkaufspole Neue Mitte und Hornschuch-Center verbinden. „Die halboffene Halle ließe sich auch hervorragend in das Konzept der Fürther Kärwa integrieren“, wirbt Hornstein für seinen Vorschlag. Und der Paradiesbrunnen? Den, glaubt der Architekt, könnte man doch rund 100 Meter nach Osten, vor das AOK-Gebäude, versetzen.

Genau daran aber, so Oberbürgermeister Thomas Jung auf Anfrage der FN, scheitert Hornsteins Plan nach seiner Einschätzung. Man dürfe den einst von Unternehmer Max Grundig gespendeten Brunnen nicht einfach so verschieben, „das wäre ein schlechtes Signal an potenzielle andere Spender“. Hinzu kommt für Jung: Der Platz sei „integraler Bestandteil der Fürther Kirchweih“ und könne deshalb nicht preisgegeben werden.

Vorstellen könnte sich Jung eine Markthalle indes an anderer Stelle: im Fontänenhof der Adenaueranlage. Dort sei Platz für eine 40 mal 20 Meter große Variante, der aber das Brunnenbecken mit seinen Fontänen weichen müsste. Dies sei eine von zwei Alternativen, auf die sich laut Jung die Debatte über den künftigen Wochenmarktstandort derzeit verengt.

Die zweite bleibt der Schreier-Vorschlag, der allerdings inzwischen leicht modifiziert wurde: Demnach würde die Überdachung mit Segeln wegfallen, die Jung, wie er sagt, am meisten Bauchgrimmen bereitet hat. Denn zu sehr wären nach seinem Geschmack die Bäume verdeckt worden, zudem sei fraglich, wie die Bewässerung gewährleistet werden kann.

Durch die Änderung „gewinnt die Variante an Akzeptanz“ – auch bei ihm, wie der Rathauschef einräumt. Welche Idee sich durchsetzt, darüber muss letztendlich der Stadtrat entscheiden, vor der Sommerpause sei damit jedoch nicht zu rechnen.

Dass der Schreier-Vorschlag der beste ist, steht unterdessen für den Wirtschafts- und für den Arbeitnehmerbeirat, die der Kommune beratend zur Seite stehen, schon jetzt fest. Mit Hinweis auf die einhellig positiven Voten von Industrie- und Handelskammer sowie Einzelhandelsverband empfehlen die Beiräte der Stadt die zügige Realisierung des Schnabuliermarkts nach Schreiers Konzept – und nicht etwa im Fontänenhof.

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