Distanzunterricht: So lief der erste Tag in Fürth

Alexandra Voigt
Alexandra Voigt

Redaktion Fürth

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Lernen am Wohnzimmertisch: In Zeiten von Pandemie und Distanzunterricht ist das inzwischen ein vertrautes Bild.

Lernen am Wohnzimmertisch: In Zeiten von Pandemie und Distanzunterricht ist das inzwischen ein vertrautes Bild. © Anke Bingel/epd

Die Notbetreuung an den Grundschulen sei ebenfalls erfolgreich losgegangen, sagt Markus Braun, Bürgermeister und Schulreferent in Fürth. Die Stadt hatte vor Ferienende den Bedarf für die kommenden Wochen abgefragt: Nur rund zehn Prozent der Schüler wurden angemeldet.


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Brauns Eindruck: "Die Eltern haben sich im Lockdown ganz genau überlegt, ob sie die Möglichkeit in Anspruch nehmen." Die Kinder werden von Kräften aus der Ganztagsbetreuung sowie von Fachlehrern betreut, die mit ihnen Grundwissen wiederholen und vertiefen, aber auch basteln.

Die Klassenlehrkräfte können sich so auf den Distanzunterricht konzentrieren. Sie halten über Lernplattformen, per Video, Telefon, WhatsApp, und E-Mail Kontakt zu ihren Schützlingen, erklären Aufgaben, korrigieren Einträge in Arbeitsblättern und -heften.

Schwieriger Spagat

"Vor allem die Grundschulen haben jetzt einen schwierigen Spagat zu bewältigen", sagt Braun. "Auf der einen Seite müssen sie die Notbetreuung für die Kinder sicherstellen, deren Eltern nicht von zuhause aus arbeiten können, wie etwa dringend benötigte Pflegekräfte. Auf der anderen Seite müssen sie dafür sorgen, dass die Schüler von daheim aus mit den Lehrern in Kontakt bleiben und möglichst unkompliziert auf alle Lernmaterialien zugreifen können."

Ob die Lernplattform Mebis jetzt besser arbeitet als vor den Ferien, werde sich in den nächsten Tagen zeigen. Aber sie sei nur eines von mehreren Werkzeugen. "Ich bin zuversichtlich, dass wir gut gerüstet sind", betont der Bürgermeister, der auch Schulreferent ist.

Endlich Planungssicherheit

Viele Fürther Schulen hätten schon vor den Ferien Konzepte entwickelt und Erfahrungen mit der Arbeitsweise gesammelt. Wo es nötig ist, müsse man noch nachjustieren. Aus einigen Schulen war gestern zu hören, dass Lernplattformen kurzzeitig ausfielen, dann aber funktionierten.

Als sehr hilfreich empfindet es Braun, dass man jetzt für drei Wochen Planungssicherheit hat. "Vor Weihnachten kamen ja ständig neue Regelungen, die immer wieder eine Umstellung des Unterrichtsbetriebs nötig gemacht haben."

Während die Schüler in den höheren Klassen an PC, Tablet und Smartphone gewöhnt sind, ist es für die Kleinen viel schwerer, sich auf das Lernen allein zuhause einzustellen. Die Erstklässler können ja noch gar nicht alles lesen. "Wir haben deshalb schon am letzten Donnerstag angefangen, fleißig Päckchen mit Lernmaterial zu packen", erzählt die Leiterin der Grundschule am Kirchenplatz Claudia Meier-Niklis.

Die Unterlagen holen sich die Kinder ab, bearbeiten sie und bringen sie zum Korrigieren wieder vorbei, wie schon beim ersten Lockdown. Gleichzeitig werden die Inhalte auf der Plattform Padlet hochgeladen, auf der sie den Wochenplan einsehen können.

Meier-Niklis, die selbst eine Klasse leitet, hat sich am Montag – zeitlich gestaffelt – immer gruppenweise mit ihren Schülern zur "Videokonferenz" getroffen. Dabei konnten die Knirpse erzählen, was sie in den Ferien erlebt und zu Weihnachten bekommen haben. Gleichzeitig wurden sie auf ihre Aufgaben vorbereitet. "Ich war richtig froh, meine Kinder wieder zu sehen" , sagt die Rektorin.

Die Unterstützung der Eltern ist wichtig

Sie hebt hervor, wie wichtig in diesem System die Unterstützung der Eltern ist, die die Videositzungen vorbereiten und die Erledigung der Aufgaben im Auge haben. "Lehrer, Kinder, Eltern: Wir arbeiten alle Hand in Hand. Jeder gibt sein Bestes."

Das bestätigt auch eine andere erfahrene Fürther Lehrerin. Sie unterrichtet in diesem Jahr eine erste Klasse mit 24 Kindern. Nach dem Montagvormittag hat sie von vielen Eltern ein positives Feedback bekommen. Deshalb ist sie optimistisch, dass es ihr auch im Distanzunterricht gelingt, ihren Erstklässlern neuen Stoff zu vermitteln, wie etwa "Minus-Aufgaben" in Mathe.

Nicht alle Schulen sind gleich gut ausgestattet

Damit die Jungen und Mädchen sehen können, wie das geht, lädt sie Schritt-für-Schritt-Anleitungen auf der Lernplattform hoch. Diese können die Schüler so oft anschauen, bis sie alles verstanden haben. Bei Schwierigkeiten ist sie jeden Vormittag per Mail oder Telefon erreichbar. Außerdem gibt es regelmäßige Telefonsprechstunden.

Schade findet sie, dass nicht alle Schulen technisch gleich gut ausgestattet sind. Einen Dienstcomputer hat sie bis heute nicht. Sie musste lange ihr privates Gerät verwenden, bis ihr eine Kollegin ein gebrauchtes Exemplar zu Verfügung stellte. Immerhin: Die Stadt Fürth hat zuletzt 1500 Leih-Tablets angeschafft für Schüler, die zuhause kein Gerät haben.

"Wir leben in einem Land des Jammerns"

Stefan Herbst, Lehrer an der Mittelschule Schwabacher Straße und Beratungsrektor für Medienbildung in Fürth, hat ebenfalls vor allem die Rückmeldung bekommen, dass der Auftakt zum Distanzunterricht erfolgreich verlaufen ist – auch wenn es immer einmal Probleme mit der Auslastung des Internets gab. "Aber nicht jeder hat ja ein kleines IT-Büro zuhause", so Herbst.

Fürth sieht er für den dezentralen Unterricht gut aufgestellt. "Wir leben in einem Land des Jammerns, dabei müssen wir endlich sehen, dass – auch wenn es an manche Stellen noch klemmt – vieles sehr, sehr gut geht."

Sie brauchen Geduld und Ruhe

Wichtiger als das Gejammer sei es, den Lehrern und Schülern Mut zu machen, ihnen Sicherheit zu geben. "Sie brauchen Geduld und Ruhe, um das Neue einzuüben!" Gleichzeitig fordert er, nicht allein auf digitalen Unterricht zu setzen, sondern unbedingt auch analoge Elemente beizubehalten.

Das Schreiben mit der Hand fördere das Erinnerungsvermögen. "Wer mit der Hand schreibt, lernt anders. Manches kann man mit iPad und Wischen längst nicht so gut verinnerlichen, wie wenn man es zu Papier gebracht hat."