Eichenprozessionsspinner: Oberasbach mottet die Giftspritze ein

26.4.2021, 16:00 Uhr
Beutelweise hat Jürgen Gmehling die Raupen des Eichenprozessionsspinners im vergangenen Sommer in seinem Garten aufgesammelt. Der Oberasbacher und seine Nachbarn an der Zwickauer Straße litten besonders unter der Plage.

Beutelweise hat Jürgen Gmehling die Raupen des Eichenprozessionsspinners im vergangenen Sommer in seinem Garten aufgesammelt. Der Oberasbacher und seine Nachbarn an der Zwickauer Straße litten besonders unter der Plage. © Archivfoto: Thomas Scherer

Die Raupe macht Menschen mit ihren Brennhaaren zu schaffen. Von allergischen Hautreaktionen bis hin zu Atemnot kann dabei die Palette der gesundheitlichen Beeinträchtigungen reichen. Die Tendenz bei den Beschwerden der Bürger im Oberasbacher Rathaus in den vergangenen Jahren: steigend.


Das tut Oberasbach gegen den Eichenprozessionsspinner


Obwohl die Stadt ihre Anstrengungen bei der Bekämpfung kontinuierlich ausgeweitet und dafür allein 2020 rund 53 000 Euro ausgegeben hat, wurde sie der Lage nicht Herr: Eine Reduzierung sei erreicht worden, aber keine Beseitigung des Schädlings. Dies teilte das Bauamt Oberasbach heuer Anfang Januar den Stadträten mit.

Sobald die Raupen sich wie in einer Prozession am Stamm entlang bewegen, wird es gefährlich.

Sobald die Raupen sich wie in einer Prozession am Stamm entlang bewegen, wird es gefährlich. © Thomas Scherer

Bürgermeisterin Birgit Huber hatte daraufhin angekündigt, "eine Strategie" erarbeiten zu lassen. Der Maßnahmenkatalog liegt nun für die städtischen Flächen und Wälder vor.

Bäume zurückgeschnitten

Phase 1: Die Kommune hat Bäume zurückschneiden lassen, etwa in der Rudolfstraße. Auf diese Weise sollen "Überhänge" auf Straßen oder Privatgrund vermieden werden. Passiert ist das bis Ende Februar.

Was sich ändert: Bisher wurden Fachfirmen damit beauftragt, im April gegen die Larven mit biologischen Spritzmitteln in den definierten EPS-Problemzonen vorzugehen. Darauf will man aus ökologischen Gründen jetzt ganz verzichten. So handelt beispielsweise auch die Stadt Fürth.

Ausnahme beim Trimm-Dich-Pfad

Einzige Ausnahme: der Trimm-dich-Pfad und das gegenüberliegende Wäldchen am Oberen Locher Weg. Denn: "Hier werden die Beeinträchtigungen für Anwohner und Passanten zu groß, die Sperrungen zu umfangreich", heißt es in einer Pressemitteilung. Derzeit ist es aber noch nicht klar, wann es so weit sein wird. Die Verantwortlichen bei der Stadt beobachten die Lage.

Phase 2: Ab Mai werden die Nester in den Bäumen in den Problemzonen entweder abgesaugt oder mit einem Mittel auf Zuckerbasis verklebt. Dadurch können sich die Brennhaare nicht mit dem Wind verteilen. Die Entscheidung, welche Methode angewandt wird, ist von den Gegebenheiten vor Ort, aber auch vom Ausmaß des Befalls abhängig. Über die gesamte "EPS-Saison" hinweg wird die Entwicklung kontinuierlich überwacht und die Bekämpfung entsprechend wiederholt, versichern die Verantwortlichen der Stadt.

Puppenhüllen werden verklebt

Phase 3: Im Sommer – voraussichtlich im Juli und August – werden die Puppenhüllen der geschlüpften Falter verklebt. Auch das soll die Verbreitung der Brennhaare verhindern. Beobachtet wird außerdem, wie sich die zuletzt relativ spät eingesetzten Baumfallen über den gesamten Lebenszyklus des Spinners bewähren.

Am Fußweg zur Heubrücke im Bibertgrund liegt der Schwerpunkt auf diesen Fallen, sie ziehen die Raupen mit einem Lockstoff an. In den weiteren Problemzonen wird verstärkt abgesaugt und verklebt.

Privatflächen sind das Problem

Abschließend bewertet Hans-Jürgen Haumer vom Bauamt die Ergebnisse, für 2022 wird dann nachjustiert. Der frühere Bauhofleiter zeigt sich optimistisch, dem Spinner mit der nun geänderten Bekämpfungstaktik Paroli bieten zu können.

Allerdings, und das weiß man auch im Rathaus, liegt der Knackpunkt ganz woanders: Die Flächen im Besitz der Stadt machen nur einen Bruchteil der Problemzonen aus. An der Zwickauer Straße zum Beispiel – hier stehen mächtige Eichen direkt an den Grundstücken, die Äste ragen über die Zäune – ist der Wald Privateigentum.

Mit Hubsteiger ohne Chance

Auch im vergangenen Jahr setzten die Raupen den Menschen hier massiv zu.Die Kommune ließ zwar eine Firma anrücken, aber selbst mit dem Hubsteiger konnten nicht alle befallenen Bäume angegangen werden.

In der Pressemitteilung der Stadt steht denn auch zu lesen, dass hier private Eigentümer gefordert sind: Für seinen Baumbestand und damit auch für dadurch entstehende Belästigungen der Anrainer sei jeder selbst verantwortlich.

Half der Frost?

Kein Wunder, dass sogar die Witterung als Helfer bemüht wird. Man hoffe, heißt es, dass der Frost der letzten Wochen dem Eichenprozessionsspinner zugesetzt hat und die Situation etwas entspannter wird als in den vergangenen drei Jahren. Zeigen wird sich das, je nach Wetter, in den nächsten Wochen: Dann machen sich die Raupen über die Blätter der Eichenbäume her.

Der Maßnahmenplan ist im Internet unter www.oberasbach.de einzusehen.

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