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Ein Coach fürs Leben

Ehrenamtliche kümmern sich um Fürther Hauptschüler - 17.04.2010

Sie waren zwei Jahre lang ein Team: Die Cadolzburgerin Bruni Holst und die Schülerin Ina. Inzwischen hat Ina den Qualifizierenden Hauptschulabschluss in der Tasche und eine Lehre begonnen. © Markus Kohler


Das Bundesverdienstkreuz hat man Peter Held schon umgehängt, aber der Name der jüngsten Auszeichnung trifft den Nagel auf den Kopf. Von der Fürther Freimaurerloge erhielt Held, Strippenzieher des Projekts Schülercoach, vor einigen Monaten den »Preis für vorbildliche Menschlichkeit«.

Es ist tatsächlich der Mensch, der im Mittelpunkt von Helds Bemühungen steht. Seit er »Schülercoach« 2005 in Cadolzburg aus der Taufe gehoben hat, setzen sich die ehrenamtlichen Coaches dafür ein, Jugendlichen eine Perspektive zu geben. Inzwischen engagieren sich 350 Frauen und Männer an 25 Standorten.

Das Konzept ist überall gleich: Ein Coach betreut je einen Schüler; der gemeinsame Weg beginnt in der 7. Klasse und endet im Idealfall, wenn der Jugendliche nach dem Schulabschluss seine Lehre antritt. In dieser Zeit geht es laut Held nicht um Nachhilfe. Vielmehr soll der Coach jede Woche ein bis zwei Stunden seiner Freizeit für gemeinsame Unternehmungen und viele, viele Gespräche opfern. Dabei soll er die Persönlichkeit seines Schützlings festigen und ihn motivieren. Natürlich gehe das nicht von heute auf morgen, meint Held, aber es könne klappen, wenn der Jugendliche das Gefühl entwickelt, »es gibt jemanden in meinem Leben, der mich so mag, wie ich bin«.

Zwar habe die Verbindung nicht immer ein Happy End, bisweilen finden Coach und Schüler keinen Draht zueinander; »aber in über 90 Prozent der Fälle«, so Held, »können wir die Jugendlichen in ein chancenreiches Leben entlassen«. Ihm zufolge können sich Erwachsene jedes Alters und Berufs als Coach engagieren. Da das Projekt nun auch in Fürth aufblühen soll, lädt Held zu drei Infoabenden ein. Zudem arbeitet er mit dem Fürther Freiwilligenzentrum zusammen, um Coaches zu werben.

Sensible Nahtstelle

Bürgermeister und Schulreferent Markus Braun ist von »Schülercoach« mehr als angetan. »Diese Nahtstelle zwischen Schule und Beruf ist eine sehr wichtige und sensible«, betont Braun. Hier entscheide sich, ob ein Jugendlicher das Gefühl erhält, dass ihn die Gesellschaft braucht. »Es ist in dieser Phase ungeheuer wichtig, Perspektiven aufzuzeigen.«

Braun betrachtet die Coaches mitnichten als Konkurrenz zu den bereits in Fürth tätigen Bildungspaten, einer Kooperation der Stadt und des Freiwilligenzentrums. Da die Bildungspaten überwiegend Nachhilfe geben, komme man sich nicht ins Gehege. »Das ergänzt sich gut«, meint Braun, »außerdem kann man in diesem Bereich gar nicht genug tun.«

Dankbar für die Unterstützung ist Hans-Peter Haas, Rektor der Pestalozzi-Schule. Die »Pesta« ist eine der ganz wenigen Fürther Schulen, an der bereits Coaches aktiv sind. Aber es müssten mehr sein. »Bei uns haben sich zwanzig Schüler gemeldet, betreuen konnten wir aber nur zehn«, sagt Haas. Das Staatliche Schulsystem lasse die Lehrer leider im Stich, was Förderangebote betrifft. »Unterstützung im Erziehungsbereich« gebe es nicht. Haas: »Da bin ich froh, dass Menschen ihre Hilfe anbieten, weil sie eine Gesellschaft so nicht hinnehmen wollen.«

Wer herausfinden will, ob er als Coach geeignet ist, sollte einen der unverbindlichen Info-Abende in Fürth besuchen (jeweils 19.30 Uhr): Dienstag, 20. April, Seeackerschule, Mittwoch, 21. April, Stadelner Hauptschule, Montag, 26. April, Pestalozzi-Schule. Infos bei Uwe Thaler, Telefon (09 11) 3 00 93 26.

Johannes Alles

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