"Ein Gnackschuss": Wirte zur Sperrstunde in der Gustavstraße

12.7.2013, 16:00 Uhr
„Oh weh, oh weh“: Die Gerichtsverhandlung ins Ansbach war für die Wirte kein Vergnügen. Sie sorgen sich um die Zukunft der Gustavstraße und haben über Einschnitte bei den Festen – hier das Fürth Festival – nachgedacht.

© Hans Winckler „Oh weh, oh weh“: Die Gerichtsverhandlung ins Ansbach war für die Wirte kein Vergnügen. Sie sorgen sich um die Zukunft der Gustavstraße und haben über Einschnitte bei den Festen – hier das Fürth Festival – nachgedacht.

Noch ist es nur ein Szenario. Doch was ein auf 22 Uhr vorgezogenes Ausschankende auf den Freiflächen bedeuten würde, können sich die Wirte der Gustavstraße lebhaft vorstellen. „Wie ein Gnackschuss“ wäre das, meint etwa Rainer Feichtenbeiner vom Alten Rentamt. Und Susanne Dresel vom Gelben Löwen sagt: „Wenn das so kommen würde, wäre das eine Katastrophe.“

Die Gustavstraße würde an Anziehungskraft verlieren, prophezeien beide: „Die Leute werden uns abwandern. Jeder, der bis 20 Uhr an der Supermarktkasse sitzt, wird dann nicht mehr kommen“, befürchtet Dresel. Schließlich locken in den Nachbarstädten Kneipen, in denen man an einem schönen Sommerabend bis 23 Uhr draußen sitzen kann. Dresel und Feichtenbeiner denken nicht nur an die Einbußen, die die Wirte hinnehmen müssten. Sie denken auch an „viele Anwohner“, die extra wegen der Lebendigkeit in die Gustavstraße gezogen sind, die nach einem langen Arbeitstag „in Ruhe draußen noch ein Glas Wein trinken wollen“ (Dresel). Und an Theatergäste, die nach der Vorstellung „noch nicht gleich nach Hause wollen“ (Feichtenbeiner).

Wenn im Freien um 22 Uhr Ruhe einkehren müsste, wäre das „ein schwerer Schlag für die ganze Stadt“, glaubt Susanne Dresel. Und warnt: Die Situation „sollte man nicht einfach mit einem Paragraphen der TA Lärm beurteilen“.

Rainer Feichtenbeiner hat das Urteil aus Ansbach an das Schicksal denken lassen, das die Weißgerbergasse in Nürnberg, einst eine beliebte Kneipenstraße, nach massiven Anwohnerbeschwerden genommen hat: „Die haben sie genau so kaputtgemacht.“ Er hofft, dass „die Stadt Fürth sich dagegen wehrt“.

Je wärmer es draußen ist, desto später kommen die Gäste – das ist die Erfahrung, die Harald Walter als Wirt des Pfeifndurla gemacht hat. Und da er einen erheblichen Anteil von „Essensgästen“ hat, könnte die 22-Uhr-Regelung bei ihm so aussehen: „Die eine Hälfte der Bratwurst isst man dann draußen – die andere drinnen.“ Walter sagt das mit einem Augenzwinkern – doch es schwingt Sorge mit.

Wie einige andere Wirte war er am Mittwoch bei der Gerichtsverhandlung in Ansbach dabei. Recht schnell habe er sich gedacht: „Oh weh, oh weh.“ Unweigerlich erinnerte er sich an jenen Richter, der sich im Juni mit der Zahl der Festivitäten in der Gustavstraße befasst und deutlich gemacht hatte, dass die Straße ihren Charakter behalten solle: „Für mich war es unglaublich, wie unterschiedlich die Rechtsauslegung sein kann.“

Rasch begriff Walter auch, dass das Urteil richtungsweisend für andere Städte sein könnte. Doch genau in dieser Relevanz könnte eine Chance liegen: „Es wäre untragbar, dass in Bayern um 22 Uhr alles dicht gemacht wird“, meint er. Das Urteil aus Ansbach habe daher vielleicht etwas Positives: Es gebe jetzt die Chance, dass die höhere Instanz „wasserfest macht, dass die Städte nicht veröden“.

Erst neulich habe ein Gast zu ihm gesagt, wie toll sich Fürth entwickelt habe. Dass die Reduzierung von Freischankflächen den Lärm ausreichend senken könnte, glaubt Walter nicht. Die Messungen hätten schließlich gezeigt, dass schon der normale Großstadtlärm nachts mitunter die Grenzwerte überschreitet: „Da wäre schon ein Vogelschwarm zuviel.“

Solange das Urteil noch nicht schriftlich vorliegt und man die ausführliche Begründung noch nicht kennt, sei es zu früh, über die Folgen zu spekulieren, findet derweil Jens Graeser, der Wirt der Kaffeebohne.

Er hat sich gestern vielmehr mit dem Thema Feste beschäftigt und gemeinsam mit Kollegen aus der Gustavstraße und Vertretern der Stadt überlegt, welche Zugeständnisse man in diesem Bereich machen kann. Wie berichtet, soll die Verwaltung dem Stadtrat in der Juli-Sitzung ein Konzept präsentieren. Erst dort sollen die Maßnahmen vorgestellt werden – doch dem Bayerischen Rundfunk verriet Graeser bereits, dass sich die Wirte vorstellen können, beim Grafflmarkt im September den Ausschank eine Stunde früher als sonst zu beenden, am Weinfest nur noch an dreieinhalb statt an sechs Tagen Musik zuzulassen und beim Fürther Stadtfest im nächsten Jahr die Bühne in der Gustavstraße zu streichen.

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