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Ein hartes Pflaster für Kreativität

Kunst im öffentlichen Raum führt in Fürth weitgehend ein Schattendasein - 03.07.2013 22:00 Uhr

Mit großen 3-D-Pflasterbildern setzte die Malerin Ella Mundt erst kürzlich in der Fußgängerzone neue Akzente.

© Stefan Hippel


Mit Kunst im öffentlichen Raum hat die Stadt Fürth bislang wenig Fortune gehabt. Gemeint sind hier unentgeltlich zu betrachtende Objekte, die den Passanten erfreuen oder irritieren können oder sollen, die geeignet sind, vom Alltagsgrau in Straßen und auf Plätzen etwas abzulenken, bestenfalls zu inspirieren, vielleicht anregen, neue Blickwinkel in Altbekanntes zu wagen.

Lassen wir einmal die so genannten Kunstbrunnen beiseite und richten vielmehr unser Augenmerk auf die freilich nur spärlich übers Stadtgebiet verteilten Kunstwerke, deren Sinnfälligkeit sich allein im Auge und Hirn des Betrachters erschließen soll und kann. Ein Bildhauer-Symposium, wie es einmal in Nürnberg für Aufsehen und Aufregung gesorgt hat, weil moderne Kunst schrill ins lauschige Fachwerkambiente einbrach, gab es allerdings in Fürth nie.

Dabei gab es schon einmal interessante Vorstöße: Die Freifläche zwischen Hornschuchpromenade und Königswarterstraße, die alte Eisenbahntrasse also, bestückten vor vielen Jahren Künstler mit verschiedenen, mitunter gar einen Bezug zur Umgebung aufnehmenden Arbeiten. Die stehen aber nur noch so vor sich hin, erinnern mehr an eine kühne Idee, als dass sie etwas über eine konsequente Kunstbeflissenheit Fürths erzählen könnten.

Kunst ist schön, kostet aber auch Geld. Also freut man sich in einer notorisch klammen Kommune, wenn so ein Künstler (oder Mäzen) etwas herschenkt, inspiriertes Können zur Verfügung stellt. Das birgt aber natürlich auch ein Problem: Man kann die gut gemeinte Gabe für die Öffentlichkeit nicht ablehnen. Bestes Beispiel: die Spiegel-Stele an der Fürther Freiheit. Ähnlich der schiefe Turm vor dem Rathaus, mittlerweile gülden angemalt, deswegen aber auch keinen Deut attraktiver.

Bleiben wir beim Rathaus: Fußballselig hatte man sich hier eine Kunstaktion aufschwatzen lassen, die der ruhmreichen Spielvereinigung in Grün zur Ehre gereichen sollte, zum Glück jedoch nicht über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt wurde, obwohl sie weithin sichtbar war. Ein schwindelfreier Maler versprach nach Christo-Art die Verhüllung des Turms; auf die Planen, die dahinter eher Bauarbeiten an einer maroden Fassade vermuten ließen, malte der von der Muse gestreifte Klettermaxe lauter grüne, sehr viele Striche. Das war eine Fleißarbeit – hatte aber leider gar keinen Effekt, zumindest nicht den erwünschten imposanten. Ratlos stand der Fürther in der Tiefe, blickte nach oben und sehnte seine Glühbirnchen am Turm zurück.

Überhaupt diese Bestrebungen, mittels irgendeiner Kunstaktion die marode Innenstadt-Wirklichkeit etwas aufzupeppen. Gerade ist wieder eine Künstlerin aus Bad Ems damit fertig geworden, das Pflaster zu bemalen. Ein Kleeblatt hat sie schon hinterlassen, riesengroß in der Breitscheidstraße und dergestalt, dass es dem Betrachter die gewohnte Perspektive zerwirbeln soll. Die Dame malt nämlich drei-dimensional, was sich aber nur richtig erschließt, wenn man ein entsprechendes Objektiv vor das Auge hält. Das gab es nur ein paar Tage lang, seitdem ist die Fläche nur noch platt und grau. Selbst der Dauerregen floss in der optischen Täuschung nicht ins Nichts und konnte dem Motiv trotzdem kaum etwas anhaben. Dem Stadtmarketingverein Vision Fürth gefiel das Werk, die Künstlerin bekam einen Folgeauftrag. Geschützt hinter Barrieren pinselte sie tagelang ein neues Bild auf die Steine – und auf einmal war Elsbeth wieder da, jenes Flusspferd, das 1990 einem Zirkus entlaufen war und ein wenig in der Pegnitz badete und dessen Schicksal zu den erregendsten Ereignissen der jüngeren Fürther Geschichte zählt.

Apropos: Jener Elsbeth kann man in Fürth ja gleich noch mal begegnen. Die verdienstvolle und zeitlebens mit zahlreichen öffentlichen Aufträgen versorgte Bildhauerin Gudrun Kunstmann schuf besagten Dickhäuter aus Bronze und so nett nach der Natur, dass man dazu einfach nicht „Nein!“ sagen konnte. Nur: wohin damit? Ihren sinnfälligen Platz erhielt die Skulptur endlich im Untergeschoss des ohnehin leidgeprüften City-Centers, wo es neben heiter plätscherndem Wasser sich geduldig die dicken Stampfer in den Bauch steht.

Soll man noch weitersuchen nach Beispielen? Soll man auf den stählernen gewundenen Gartenschlauch hinweisen, der einen der hässlichsten Neubauten der Innenstadt, das mit Sandsteinplatten gepflasterte Rückgebäude der Post an der Schwabacher Straße, einzuwickeln und irgendwie abzuwürgen scheint?

Oder sollte man lieber noch einige ansehnlichere Kunstwerke erwähnen? Die heiter-bunte dicke Figurengruppe auf der Billinganlage, die so unbeschwert auf die Straßenbahn zu warten scheint, die nie mehr dort halten wird? Und natürlich gehören die Kato’schen steingewordenen Natur-Metamorphosen, die sich mahnend und versöhnend zeigen, längst zum Stadtbild. Seit 2009 macht sich zu-dem ein „Arbeitskreis Kunst im öffentlichen Raum“ dafür stark, dass nahezu vergessene Kunst, die in den fünfziger und sechziger Jahren an Gebäuden und auf Plätzen der Stadt entstand, wieder ins Bewusstsein rückt und erhalten bleibt.

 

Bernd Noack

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