Ein letzter Raum für Sterbende

17.1.2008, 00:00 Uhr
Palliativfachkraft Sabine Ulitschka, Pflegekraft Sigrid Mayer und Hospizmitarbeiterin Margitta Schmidt (v. li.) haben die nicht einfache Aufgabe, sich um Todkranke und ihre Angehörigen zu kümmern.

Palliativfachkraft Sabine Ulitschka, Pflegekraft Sigrid Mayer und Hospizmitarbeiterin Margitta Schmidt (v. li.) haben die nicht einfache Aufgabe, sich um Todkranke und ihre Angehörigen zu kümmern. © Bidner-Wunder

Die ersten beiden Appartements waren bereits im September 2006 in Betrieb genommen worden. Nun wurden zwei weitere Zimmer renoviert, komplett mit neuem Mobiliar und moderner Technik ausgestattet. Freundliche Orangetöne und Holzmöbel, ein Fensterblick Richtung Wald - den Menschen, die hier ihre letzten Lebenstage und -stunden verbringen, soll es so schön wie möglich gemacht werden.

An einer Wand steht ein modernes Pflegebett, auf der gegenüberliegenden Seite ein Schlafsofa. Die Angehörigen können Tag und Nacht bei ihren Lieben sein. Offizielle Besuchszeiten gibt es nicht. Um die sterbenskranken Patienten kümmern sich die eigens dafür ausgebildete Palliativfachkraft Sabine Ulitschka sowie zwei geringfügig Beschäftigte und ehrenamtliche Mitarbeiter des Hospizvereins.

Keine leichte Aufgabe, die Sabine Ulitschka dennoch mit viel Engagement und Hingabe übernimmt. «Man bekommt sehr viel von den Menschen zurück», sagt sie. Nahe gehe ihr der Tod schon, besonders wenn es sich um jüngere Patienten oder gar Kinder handle, gibt sie zu. «Aber ich habe auch mehr Zeit für den einzelnen Menschen und ich lebe sehr viel bewusster», sagt sie.

Positive Resonanz im Heim

Träger dieser vier Hospizplätze und somit auch Arbeitgeber von Ulitschka ist der Hospizverein Fürth. Er betreibt die Plätze in enger Kooperation mit dem Awo-Pflegeheim Helene Schultheiß. «Ich war sehr froh, als wir hier im Haus insbesondere auch bei den Mitarbeitern auf so positive Resonanz mit unserem Anliegen stießen», erklärte Dr. Roland Martin Hanke, Vorsitzender des Hospizvereins, bei der offiziellen Einweihung der Appartements.

«Für unser Personal bedeuten die Hospizplätze durchaus eine höhere Belastung, vor allem nachts», meinte daher auch Heimleiter Bernd Hennig. «Aber unsere Mitarbeiter profitieren über Fortbildungen des Hospizvereins auch sehr davon, der Lerneffekt ist groß», ergänzte er.

Möglich wurde die Erweiterung erst durch Spenden des Lions Club Fürth und Charlotte Lösels, einer rüstigen 80-jährigen Dame aus Fürth. Wie wichtig die Spenden für die Hospizarbeit sind, verdeutlichte Hanke mit Zahlen: «Ein Hospizplatz kostet 225 Euro pro Tag, zehn Prozent der Gesamtkosten muss der Träger immer selbst aufwenden, egal ob die Plätze belegt sind oder nicht.»

An Patienten mangelt es nicht. «Wir bekommen sie vom Klinikum oder den Hausärzten angeboten, wenn häusliche Pflege nicht möglich ist oder keine Angehörigen da sind», so Hanke, «wir entscheiden dann, wer den Platz am dringlichsten braucht.» Etwa 28 bis 30 Hospizplätze, die Zirndorfer nicht eingerechnet, gibt es im Großraum. Bei weitem nicht genug, wie Hanke weiß. «Leider sterben die Leute auf der Warteliste.»