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Ein malerischer Ort

Birgit Maria Götz über ihr Park-Hotel-Gemälde - 02.09.2013 13:30 Uhr

„Ich bin Romantikerin“: Birgit-Maria Götz hat das Park-Hotel kurz vor dem Abriss mit Temperafarben in Szene gesetzt. Das Werk ist aktuell in Nadja Tiekings Weinhandlung in der Gustavstraße ausgestellt. © Thomas Scherer


Das Park-Hotel, gemalt von einem Standpunkt in der Adenaueranlage: Die Fassade leuchtend wie ein VanilleZitrone-Eis, der Brunnen lieblich sprudelnd, die Bäume kräftig grünend, insgesamt eine beinah italienische Impression. Frau Götz, so schön war’s doch nie. Oder?

Götz: Das ist bei meinen Bildern oft so. Ich bin Romantikerin. Und es gab Momente beim Malen, im frühmorgendlichen Sonnenlicht, da war das Gebäude wirklich so schön. Natürlich erhebe ich es auch ein bisschen. Das ist meine künstlerische Freiheit. Wichtig war mir die Perspektive, denn ich habe das Bild genau von dem Platz aus gemalt, an dem meine Oma immer gesessen hat. Die Oma hat mir Fürth erschlossen, und als ich mit der Arbeit zu dem Gemälde begann, da dachte ich sofort, Mensch, das ist hier ja wirklich wunderbar.

In der Adenaueranlage müsste aber mindestens ein Grattler sitzen. Warum fehlt denn der?

Götz: Einer ist mir tatsächlich jeden Morgen begegnet, der sagte irgendwann „Sie schon wieder!“ Ich male bewusst keine Menschen, weil ich will, dass sich der Betrachter mit dem Ort beschäftigt. Und an diesem Ort sind morgens zwischen sechs und sieben Uhr keine Menschen. Oder sagen wir: kaum Menschen. Die soll sich jeder Betrachter selber vorstellen.

Es fehlt aber noch was. Und zwar am Hotelbau. Ein paar, nun ja, markante gelbe „M“-Zeichen. Sie romantisieren zu sehr. Warum?

Götz: Ich darf alles weglassen, was mir nicht behagt, das ist mein Vorzug als Malerin. Ich kann einen Ort hässlicher, aber auch schöner machen. McDonald’s ist für mich einfach keine bleibende Erinnerung. Ich lasse aber auch manchmal Straßenlaternen weg, wenn sie mir nicht gefallen. Wie gesagt, das ist meine Freiheit.

Sie haben in Fürth Ihre ersten drei Lebensjahre verbracht und zogen dann wieder vor zehn Jahren hierher. Was bedeutet Ihnen ganz persönlich das Park-Hotel?

Götz: Zunächst einmal bedeutet mir die Fürther Freiheit etwas. Das Park-Hotel war das letzte markante Gebäude, das diese ganz spezielle, elementare Fürther-Freiheit-Stimmung rüberbrachte. Zugleich steht der Bau für die Fürther Wirtschaftswunderzeit, für Aufbruch und Dynamik. Das Flachdach und der Gelbton hatten für mich einen weltmännisch-offenen, mondän-südländischen Touch. Und wissen Sie was? Vor ein paar Jahren habe ich mir zum Geburtstag extra eine Übernachtung im Park-Hotel gewünscht, und zwar ganz oben. Es war fantastisch, ich fühlte mich fast wie in New York.

Weshalb wir nicht lang rätseln müssen, welche Gefühle sich in Ihnen regen, wenn Sie sich dieser Tage anschauen, was vom Hotel übrig blieb.

Götz: Na ja, einerseits spüre ich Trauer und Melancholie. Ich bin aber auch offen für Neues. Paris ist ein wunderbares Beispiel, dass man sehr wohl alte mit neuer Architektur kombinieren kann. Wenn eine solche Kombination auch hier in Fürth möglich gewesen wäre, hätte ich mich total gefreut. In Frankreich gibt es auch 100 Jahre alte Verpackungen, weil die immer noch taugen und toll aussehen. Vielleicht ist es typisch deutsch, dass alles Alte irgendwie nicht sein kann. Wenn das Alte aber einem besseren Neuen weicht, ist das aus meiner Sicht in Ordnung. Ob das in Fürth der Fall sein wird, wissen wir alle noch nicht. Das Park-Hotel war jedenfalls architektonisch untypisch für Fürth, und genau das hat ja seine spezielle Atmosphäre ausgemacht. Beim Malen merken Sie so etwas sofort. Die Proportionen stimmten, der Bau war gelungen.

Malen Sie auch die Schuttberge?

Götz: Dazu bin ich mehrfach vehement aufgefordert worden. Ich habe lange nachgedacht, ob ich das machen soll. Aber ich denke, es gibt andere Malerinnen, die so etwas besser könnten, Julia Frischmann (Kulturförderpreisträgerin der Stadt Fürth 2012, FN) zum Beispiel.

Und warum nicht Sie?

Götz: Es ist einfach nicht mein Sujet. Mir fehlt die Poesie. Außerdem ist der Abriss ja nun eh schon fast vorbei.

Und das Ganze noch einmal aus derselben Perspektive, wenn die Neue Mitte steht?

Götz: Kommt drauf an, was die Neue Mitte ausstrahlen wird. Ich habe auch schon neue Architektur gemalt, da verweigere ich mich nicht. Ich bin aber in Sachen Neue Mitte vorerst skeptisch. Es ist ein Abenteuer. Es geht um das Herzstück Fürths. Deshalb erregt das auch so viele Gemüter.

Interessanterweise stellen Sie das Politikum namens Park-Hotel in der Gustavstraße aus. Die ist nun wahrlich seit Monaten ebenfalls ein Politikum der Extraklasse. Zufall?

Götz: Eher kein Zufall. Arbeiten von mir sind derzeit auch in der Töpferei am Waagplatz und im Herbst im Bistro Galerie zu sehen. Zunächst einmal mag ich es, wenn Kunst auch außerhalb von Galerien zu sehen ist an Orten, die die Leute ohne Schwellenangst betreten können. Der andere Beweggrund ist: Die Gustavstraße hat ja ebenfalls ein gewisses südländisches Flair. Deshalb passt die Streitsituation eigentlich auch so gar nicht zu diesem Ort. Vielleicht ist es eine intuitive Handlung, dass ich meine harmonisierende Kunst genau dorthin bringe. 

Interview: MATTHIAS BOLL

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