Ein Romanheld kehrt zurück

24.2.2012, 19:00 Uhr
Bis vor vier Jahren kochte Jasmin Karaogullari im „Don Ramon“; nach einem Abstecher nach Nürnberg rührt sie jetzt wieder in Fürth im „Don Quijote“ in den Töpfen. Ihr Lebensgefährte Taner Habip führt die Bar.

© Edgar Pfrogner Bis vor vier Jahren kochte Jasmin Karaogullari im „Don Ramon“; nach einem Abstecher nach Nürnberg rührt sie jetzt wieder in Fürth im „Don Quijote“ in den Töpfen. Ihr Lebensgefährte Taner Habip führt die Bar.

Familienbande zu lockern kann manchmal eine durchaus befreiende Wirkung haben. Aber der Genuss dieses Gefühls hält oft nicht lange an. Dann beginnt man, den einen oder anderen zu vermissen und über kurz oder lang sucht man doch wieder Kontakt.

Jasmin Karaogullari ist all dies nicht fremd. Im Moment aber genießt sie es in allen Zügen, wieder bei „ihrer“ Familie zu sein. Das sind, in diesem Fall, etliche Stammgäste. Viele Abende hatten sie in der Pfisterstraße verbracht. Dort, bei „Don Ramon“, haben sie sich Tapas und spanischen Wein schmecken lassen, in fröhlicher oder diskutierfreudiger Laune zusammengesessen und sich irgendwann mit den beiden Wirtsleuten Jasmin Karaogullari und ihrem Mann Ramon angefreundet. Das Ende dieser Freundschaften kam 2007.

Damals wurde das Haus in der Pfisterstraße verkauft; der neue Besitzer wollte keine Kneipe mehr in dem Gebäude. Das Ehepaar, das sich mittlerweile getrennt hatte, versuchte sein Glück in Nürnberg mit jeweils einem eigenen Tapaslokal. „Es hat funktioniert“, sagt Jasmin Karaogullari, aber man sieht ihr förmlich an, dass „funktionieren“ allein wenig Freude bringt. Um sie zurückzubekommen, hat die quirlige Frau alles daran gesetzt, wieder eine geeignete Kneipe in Fürth zu finden. Ein Jahr lang widmet sie sich der Suche — in der Alexanderstraße in der Innenstadt wird sie schließlich fündig. „Zum Kavallerieheim“ steht in goldenen Lettern zwar noch an der Fassade, ein Schild am Gebäude weist aber darauf, dass der Romanheld „“ die berittenen Streitkräfte abgelöst hat.

Tapas in sämtlichen Variationen stehen nun auf der Karte des Lokals, das mit schlichten Tischen und Stühlen vor ockergelben Wänden eingerichtet ist. Jasmin Karaogullari steht wieder am Herd und hat die Gewalt über die Zubereitung der Speisen. Taner Habip, ihr Lebensgefährte, hält das Zepter an der beleuchteten Bar aus Naturstein in der Hand. Die kleinen spanischen Appetithäppchen, die Karaogullari nach der Bestellung stets frisch zubereitet, kommen allesamt in tönernen Schüsselchen auf den Tisch. Der „Klassiker“ aus dem Vorgängerlokal in der Pfisterstraße ist natürlich auch wieder dabei: Gambas in Knoblauch (5,20 Euro) dürfen auf der Karte nicht fehlen. Daneben gibt es gegrillte Garnelen (5,20 Euro), gebackene Sardellen (3,20 Euro), gegrilltes Kalbfleisch (7,50 Euro) oder kleine gebratene Paprikaschoten, von denen sich einige auch als sehr scharf erweisen können (3,80 Euro). Wer lieber einen großen Teller anstelle einiger kleiner Tapas vor sich hat, kann die Paella versuchen. Drei Varianten — mit Fleisch und Meeresfrüchten, mit Meeresfrüchten und vegetarisch — stehen zur Auswahl. Weil auch dieses Reisgericht frisch gekocht wird, sollte man es vorbestellen.

Die Rezepte für sämtliche Speisen hat Jasmin Karaogullari - gebürtige Türkin - übrigens quasi aus erster Hand. Als sie mit ihrem spanischen Gatten oft wochenlang bei dessen Verwandtschaft in Galizien war, hat sie dort Mutter und Oma über die Schulter und in die Pfannen geschaut. Nun kocht sie quasi auch für ihre „Familie“: Bei vielen ihrer Stammgäste hat sich inzwischen herumgesprochen, dass sie wieder in Fürth ist. „Als wir eröffnet haben, war ganz schnell jeder Platz besetzt“, erzählt Karaogullari. Die Familienbande sind nicht abgerissen.

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