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Ein Traum von einem Tanz-Körper

Die Grupo Corpo aus Belo Horizonte begeistert auch bei ihrem dritten Fürther Gastspiel - 31.03.2019 15:18 Uhr

Verblüffende Bilder: Dynamik und Kraft verbinden sich bei der brasilianischen Compagnie zu einem hochkarätigen Abend, dessen Energie sich problemlos auf die Zuschauer überträgt. © F.: Jose Luiz Pederneiras


Vielleicht ist das der richtige Moment, um über Spiegelneuronen zu reden. Neurowissenschaftler vermuten, dass diese sagenhaften Nervenzellen am Werk sind, wenn wir plötzlich ahnen, was in anderen Menschen vorgeht. Mehr noch, diese Wunderdinger sollen regelrecht ansteckend sein und uns dazu bringen, mitzufühlen.

Die 20 fantastischen Tänzerinnen und Tänzer der Grupo Corpo sorgen jedenfalls dafür, dass sich nach zwei Stunden Intensivtanzerlebnis auch auf den Sitzplätzen Euphorie breit macht. Als seien bei jedem Zuschauer sämtliche Muskeln im Einsatz gewesen.

Die Gruppe aus Belo Horizonte im Südosten Brasiliens gastiert nach 2020 und 2014 zum dritten Mal in Fürth. Mit "Dança Sinfõnica" haben die beiden Compagnie-Gründer Paulo Pederneiras (künstlerische Leitung) und Rodrigo Pederneiras (Choreografie) eine Arbeit mitgebracht, die Vergleich, Rückblick und Ausschau ermöglicht. Zur Musik von Marco Antõnio Guimarães feiert sich Crupo Corpo selbst. Vorhänge und Trikots in festlichem Rot signalisieren: Jetzt wird’s offiziell. Das 40. Jubiläum von 2015 steht im Fokus, lässt vergangene Choreografien aufleben und geht wunderbarerweise doch ein Stück weit darüber hinaus.

Immer noch – und das ist ein Glück – steht bei den Pederneiras-Brüdern die Fusion von klassischem Ballett mit ursprünglichen, alten brasilianischen Tänzen auf der To-do-Liste. Ein Konzept, mit dem die beiden an die Weltspitze vorgedrungen sind, das sie aber tatsächlich noch immer fortschreiben.

Faszinierende Übergänge

Unverwechselbar und absolut eigenständig ist das Vokabular der Tänzerinnen und Tänzer. Dynamik und Kraft werden zum Antrieb, faszinierend weiche Übergänge setzen sich wie Wellen fort und lassen den Traum vom großen Tanz-Körper wahr werden, der von vielen gebildet wird und doch eins ist.

Es hat etwas von der Suche nach einem Code, wenn in der Gruppe immer wieder nach neue Formen der Bewegung gesucht wird. Erstaunlich ist dabei die Selbstverständlichkeit, mit der diese Versuchsanordnungen beim Zuschauer ankommen. Das hat garantiert auch mit der Lust zu tun, mit der die Compagnie ihre hochkarätige Leistung abliefert. Tänzer, die spontan auf der Bühne lächeln, wenn eine Passage gelungen ist, haben ohnehin etwas Unwiderstehliches.

Die zweite Produktion des Abends, "Gira" zur Musik von Metá Metá, ist eine weitere Choreografie von Rodrigo Pederneiras. Die Riten des Umbanda, einer mystischen Religion aus Brasilien, seien ihm Inspiration gewesen, hat er bei der Präsentation seiner Arbeit klar gemacht. Es ist ein Einfluss, den Pederneiras so verinnerlicht hat, dass er zu einem universellen Ausdruck gelangt. Das macht diesen Beitrag herausragend, denn das Verständnis glückt hier längst nicht mehr über Wissen oder Information, sondern dank seinem Herantasten an ein tief verwurzeltes Menschheitserbe, das augenscheinlich weltumspannend von ähnlichen Empfindungen und Erinnerungen befeuert wird.

Falls hier schon wieder die Spiegelneuronen im Spiel sind, dann soll’s auch recht sein. Beim anhaltend begeisterten Applaus waren die Dinger garantiert im Einsatz.

Zum letzten Mal diesen Sonntag, 19.30 Uhr. Alle Vorstellungen sind ausverkauft.

Sabine Rempe

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