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Ein Versuch über die Einbildung

Die Studentengruppe „Die Alleee“ zeigt in Fürth ihr Molière-Projekt - 01.07.2015 12:00 Uhr

Larissa Crema (links) Lucas Jubl und Ludmilla Hansen knüpfen mit sparsamer Requisite an die Tradition des Straßentheaters der 1970 und 1980er Jahre an. © Foto: privat


Die vier Aufführungen sind das Finale eines zweisemestrigen Angebots an Mit-Studenten, die nach Theaterformen abseits des Üblichen suchen. Chudarski und Jebelean kommen vom Fach: Er studiert Kulturpädagogik an der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg und macht zudem eine praktische Ausbildung zum Theaterpädagogen. Sie ist ausgebildete Schauspielerin und studiert ebenfalls Theaterpädagogik an der FAU, beide stehen kurz vor ihrem Master-Abschluss.

„Wir haben das als freies Angebot für Studenten geplant und würden es auch gerne fortführen“, sagt Chudarski mit leiser Hoffnung, dass das Theaterseminar irgendwann auch ins offizielle Uni-Angebot eingebunden wird.

Zunächst will die Draußen-Theater-Truppe, die sich „Die Alleee“ (mit drei e) nennt, aber zeigen, was sie kann: „Wir haben Molières ,Eingebildeten Kranken‘ auseinandergenommen und uns gefragt, was eigentlich Realität ist und wie sie sich durch wechselnde Perspektiven verändert“, erklärt Chudarski. „Es geht darum, was man sich überhaupt alles einbilden kann – nicht nur die Krankheit. Dass unsere Wahrnehmung immer vom Standpunkt geprägt ist.“

„Irre(alität) ist immer eine Frage der Perspektive“ lautet nun der Titel des erarbeiteten Stücks, und dass auch Theater selbst eine erfundene Realität ist, wird im Aufführungskonzept deutlich: Eine minimalistische Bühne, die natürlich transportabel sein muss, ist der einzige Rahmen, dazu gibt’s ein paar Bodenscheinwerfer – fertig ist das fliegende Theater. Sieben Darstellerinnen und ein Darsteller werden auftreten und das Publikum (das vermutlich auch zufällig an den jeweiligen Spielstätten dazustößt) überraschen.

Ausdrücklich will „Die Alleee“ nämlich mit Verfremdungseffekten, wie man sie aus Bertolt Brechts Stücken und dem postdramatischen Theater kennt, arbeiten. „Reines Sprechtheater ist nicht mehr attraktiv, wo mehr geredet als gehandelt wird“, meint Jan-Felix Chudarski. Mit der Form des Freiluft- und Straßentheaters will er an die Tradition der 1970er und 1980er Jahre anknüpfen, in denen mehrere Schauspielgruppen in der Region solche Theater-Experimente wagten. Im nächsten Semester wollen die Leiter auf jeden Fall ein neues Projekt mit der „Alleee“ starten.

Aufführungen am 2. und 9. Juli auf der Freilichtbühne im Fürther Stadtpark, am 7. Juli auf der Wöhrder Wiese, am 13. Juli im „Parks“ Nürnberg, jeweils 20 Uhr. Eintritt frei, Spenden gern gesehen.

Katharina Erlenwein

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