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Eine Aufstiegsfeier für die Geschichtsbücher

25000 Menschen in der Fürther Innenstadt bereiten ihren Helden einen unvergleichlichen Empfang - 29.04.2012 21:28 Uhr

Mannschaft und Fans vereint im Glück: Die einen feierten auf dem Rathaus-Balkon, die anderen zu ihren Füßen. © Hans-Joachim Winckler


Ganz Fürth singt Humba, Humba, Tätärä. Schon um 17 Uhr sind Tausende auf den Beinen. Volker Heißmann unterhält die Fans vom Balkon des Rathauses mit flapsigen Sprüchen und Musik. Und von überall strömen Menschen herbei. Als die Spieler endlich gegen 18.30 Uhr in einem Korso aus offenen Autos die Henri-Dunant-Straße hochkommen, gibt es fast kein Durchkommen mehr. „Mein Gott, ich hab’ eine Stunde bis aufs Klo gebraucht“, ächzt ein junger Fan.


Auch der Autokorso kommt kaum voran. Menschen, wohin das Auge blickt. Auf den Straßen, den Balkonen, an den Fenstern, auf Ampeln und Straßenschildern und die Kleinen auf den Schultern ihrer Väter. Und überall Weißgrün. Auf den Fahnen und den Schals, in den Haaren, auf Gesichtern und den Fingernägeln. 

Ganz Fürth scheint auf den Beinen. Jung und Alt, neu dabei oder Alteingesessen. Agostino Campana, ihm gehört der Pizzastand gegenüber dem Stadion, hat eine Pizza in Kleeblattform gebacken und auf einen Karton befestigt. Jetzt reckt er sie seinen Helden in den Cabrios entgegen. „Mangiare“, schreit Co-Trainer Mirko Reichel entzückt und streckt einen Daumen in die Höhe.

Auch die Spieler wirken überwältigt von der Sympathie, die ihnen entgegenschlägt. Sie schreiben Autogramme, klatschen unzählige Hände ab. Einige fotografieren selbst, um diesen schönen Irrsinn festzuhalten. Derbyheld Edgar Prib nimmt die Sonnenbrille ab: „Ey, wenn wir gleich oben auf dem Balkon stehen, wein’ ich, glaub’ ich.“ 

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Nie mehr 2. Liga: Fürther Fans im Aufstiegsglück

Was für ein wunderbarer Tag für alle Anhänger der SpVgg Greuther Fürth: Erst das letzte Heimspiel der Zweitliga-Saison, dann die große Aufstiegs-Sause in der Fürther Innenstadt. Das Leben kann so schön sein.


Eine junge Mutter hat einen Bub auf dem Arm, kaum ein Jahr alt, aber mit Schal und Mütze ausgestattet. Gerald Asamoah lehnt sich aus dem Wagen, kneift ihm in die Wange. Das muss die Mama später mal erzählen. Auch Emily wird einmal ihrer Mutter lauschen. Die heißt Dani Fornlachner, und der Tag der Aufstiegsfeier fällt auf den errechneten Geburtstermin. Trotzdem steht sie mit ihrem Bauch inmitten dieser Menge. „Wenn die Kleine jetzt noch kommt“, sagt ihr Mann Markus, „dann meld’ ich sie noch heut’ als SpVgg-Mitglied an.“

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Dann, endlich, tritt die Mannschaft auf den Balkon. Schampus spritzt. Fürth jubelt. Grüner Rauch zieht durch die Luft. Aus den riesigen Lautsprechern schallt „Oh, wie ist das schön“ und auch das „Kleeblatt“ wird als schön besungen. Tausende Schals in der Luft. Gänsehautstimmung. Die Spieler tanzen und singen, wie junge Hunde. Unten tobt die Menge. „Ihr habt es einfach verdient, seid stolz“, ruft Mike Büskens den Fans zu. Gerald Asamoah nimmt das Mikro und stellt die Frage, auf deren Antwort so viele warten. „Trainer, bleibst du in Fürth?“ Doch darauf will sich der Coach – trotz aller Emotionen – noch nicht festlegen.

Jetzt ist Helmut Hack an der Reihe, was muss in diesem Mann erst vorgehen, als er auf das weißgrüne Meer aus Menschen blickt? In all der Zeit, ruft er, habe er immer gewusst: „Irgendwann werden wir belohnt.“ Fürth jubelt wieder. „We’re the Champions“ schallt aus den Lautsprechern. Noch mehr Gänsehaut. Der Rest ist Feiern. „Und wehe“, ruft der Trainer noch vom Balkon, „wenn es heute Nacht eine Sperrstunde gibt.“  

JOHANNES ALLES

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