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Eine Familie in Stein auf Spurensuche

Rührschneck-Treffen in der Faberstadt: US-Amerikaner in der Heimat ihrer Vorfahren - 16.11.2012 13:00 Uhr

Aus Rührschneck wurde in den USA Riehrschneckh, Ruehrschneck, Rushneck, Rasnake, Rasnick oder Rasnic: Einige Mitglieder der verschiedenen Familienclans trafen sich jetzt in Stein. © Seilkopf


Knapp 15 Teilnehmer einer sogenannten „Routes-to-the-Roots”-Tour waren den Spuren ihrer Familien aus Deutschland gefolgt und in Stein gelandet. Ein Jahrzehnt hatten Marie Rasnick-Fetzer und Frieda Patrick-Davison in den USA recherchiert, Briefe geschrieben, Auszüge aus Kirchenbüchern und Standesämtern gesammelt und Archive durchforstet. Bei den familienhistorischen Recherchen in Deutschland wurden sie von Genealogin Sabine Schleichert aus München unterstützt.

Das Resultat der Bemühungen: Heute leben in den Staaten rund 3000 Nachfahren des Auswanderers Jacob Rührschneck. 1752 in Irsingen (heute ein Ortsteil von Gerolfingen im Landkreis Ansbach) geboren, wurde Jacob Rührschneck 1777 mit Truppen des Markgrafen von Ansbach nach Amerika verschifft.

Der Markgraf, erläuterte Wolfgang Grams, der gemeinsam mit Sabine Schleichert die Gruppe während ihrer Exkursion begleitete, hatte seine Landeskinder gegen harte Taler als Soldaten an den König von England verkauft. Der ließ die Söldner nach Amerika verschiffen, um seine noch englischen Kolonien gegen die für ihre Unabhängigkeit kämpfenden Amerikaner zu verteidigen.

Die als „Hessian Soldiers“ bekannt geworden Söldner wurden schließlich besiegt, sonst gäbe die Vereinigten Staaten in der heutigen Form vielleicht nicht. Wie viele andere landete auch Jacob Rührschneck in einem Kriegsgefangenenlager. Es gelang ihm, die amerikanische Staatsbürgerschaft zu erhalten und die Geschichte der Rührschnecks auf dem amerikanischen Kontinent begann. Da Rührschneck nicht gerade amerikanisch klingt, änderte sich der Namen mehrfach: die Nachfahren nannten sich Riehrschneckh, Ruehrschneck, Rushneck, Rasnake, Rasnick bis zu Rasnic. Urahne Jacob hatte selbst ein Gutteil dazu beigetragen, dass sich seine Sippe in den USA ausbreitete: Neun Kinder zeugte er, 63 Enkel folgten. Etliche von ihnen verschlug es in die westliche Ecke des Bundesstaates Virginia. Von dort waren nun Rasnicks zu Besuch im fränkischen Stein und berichteten über die vielen Rasnicks und Rasnics aus ihrem 200-Kilometer-Umkreis. Grams, der sich 1996 nach einem Forschungsprojekt zur Amerikaauswanderung an der Universität Oldenburg als Spezial-Reiseveranstalter im sogenannten Roots & Heritage-Tourismus selbständig machte, ist die Exkursion der Rührschnecks eine ganz besondere. „So intensiv und detailliert ist es bislang noch nicht gelungen, die Spuren eines Hessian Soldiers zu verfolgen“, erklärte er.

Mit den Teilnehmern suchte er in Tauf- und Hochzeitsdokumenten, aber auch auf Grabsteinen, nach Lebensspuren der Familie. So wurde unter anderem Irsingen besucht. Der Ort, in den es Jacobs Eltern, Andreas und Magdalena Rührschneck, um 1650 als protestantische Glaubensflüchtlinge aus Österreich verschlagen hatte. Der Markgraf von Ansbach siedelte damals viele neue Familien in dem durch Seuchen, Kriege und Missernten ausgedünnten Landstrich an. Solche geschichtlichen Details verknüpfte die Gruppe mit dem Besuch von Schauplätzen in Ansbach, Selbitz und Hof.

Für die Gäste aus Amerika gehörte der Besuch in Stein bei einem fernen Verwandten allerdings zu den Höhepunkten ihrer Reise. So wurden für die Daheimgebliebenen Rasnicks reichlich Fotos „geschossen“. Insbesondere das Anwesen der hiesigen Rührschnecks stieß bei den Gästen auf Begeisterung.

Was an diesem Nachmittag leider nicht geklärt werden konnte, das war die Bedeutung des Namens Rührschneck. Die neu geknüpften Kontakte wollen alle Seiten nicht wieder abreißen lassen. Vielleicht klären sie auch gemeinsam die noch offene Frage.

Antje Seilkopf

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