Eine Landwirtin als Naturschutz-Lobbyistin

21.9.2017, 13:00 Uhr
Blühende Landschaften und keine Monokulturen wünscht sich Dagmar Nitsche — hier im Garten der Cadolzburg.

Blühende Landschaften und keine Monokulturen wünscht sich Dagmar Nitsche — hier im Garten der Cadolzburg. © Foto: Hans Esterl

Bauern spritzen massenweise Gülle auf die Felder, verschandeln die Landschaft mit Monokulturen und spritzen gnadenlos jedes Unkraut weg. Was sagen Sie als gelernte Landwirtin und Agraringenieurin dazu, Frau Nitsche?

Dagmar Nitsche: Vieles stimmt. Ich habe einerseits gelernt, zu denken wie ein Landwirt, und weiß: Man findet ein Reinkulturfeld sehr schön, schätzt eine enorme Milchleistung und einen guten Fruchtertrag. Andererseits weiß ich natürlich, wie wichtig Blüten besonders für Insekten sind und freue mich deshalb über jede Blühfläche.

 

Wie schafft man es, dass die Umwelt weniger leidet?

Nitsche: Zunächst einmal: Die Landwirtschaft ist ein komplexes Gebiet. Ich habe Hochachtung vor den Menschen, die dort tätig sind und sehr viel arbeiten. Wir haben hier in Mittelfranken ein Nitratproblem, einfach auch, weil es wenig regnet und sich die Gülle entsprechend wenig verdünnt. Umso wichtiger ist es, das Gespräch mit den Landwirten zu suchen, sie zeigen uns, was sie haben, wir ihnen, was wir uns wünschen. Die Frage ist: Was hilft der Natur und tut den Bauern nicht so weh? Mich würde es reizen, gemeinsam mit den Landwirten etwas auf die Beine zu stellen. Unbedingt notwendig wäre dabei politische Unterstützung, die Landwirte zu belohnen, die sich für Natur engagieren.

 

Wie kommt eine Landwirtin zum BN?

Nitsche: Mir wurde der Naturschutz sozusagen in die Wiege gelegt. Mein Vater, ich komme aus Nordhessen, war auf diesem Gebiet hauptberuflich tätig, meine Mutter ehrenamtlich engagiert. Ich wollte aber auch wissen, wie denkt die andere Seite, wie sehen das die Landwirte. Der Job hier – ich leite seit zehn Jahren die BN-Geschäftsstelle im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim mit zehn Stunden pro Woche, für die Kreisgruppe hier arbeite ich 16 Stunden – ist mir quasi vor die Füße gefallen.

 

Gibt es Unterschiede zwischen den beiden Kreisgruppen?

Nitsche: Sehr große sogar. Hier wird sehr viel Arbeit von Ehrenamtlichen erledigt. Die Ausstattung, zwei Garagen mit Geräten wie Balkenmäher und Motorsensen, fehlt in Neustadt. Dort laufen viele Maßnahmen über die Untere Naturschutzbehörde und den Landschaftspflegeverband. Die Leute hier sind sehr gut vernetzt, und natürlich ist es ein ungleich kleinerer Landkreis, man ist gleich überall vor Ort – das hat Vorteile.

 

Gibt es etwas in der Kreisgruppe Neustadt, was Sie sich auch hier gut vorstellen könnten?

Nitsche: Vor über einem halben Jahr hat sich ein Bündnis gegründet: Landwirte, Milchviehhalter, Imker, BN und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Der dortige BBV-Obmann und ich haben einen guten Draht zueinander, da ist gegenseitiges Vertrauen gewachsen. Das macht manches leichter.

 

Welche Rolle spielt dabei, dass Sie vom Fach sind?

Nitsche: Ich komme zwar nicht aus einem Hof, weiß aber, wie Landwirte denken, deren Probleme sind mir vertraut. Ich kann Dinge wie Melken, bin auch schon mehrere Wochen auf einem Hof eingesprungen, als da wegen eines Krankheitsfalls kein Betriebshelfer zu bekommen war.

 

Im vergangenen Jahr feierte der BN 40-jähriges Jubiläum. Täuscht der Eindruck oder musste sich die Kreisgruppe auch heuer noch ein wenig davon erholen?

Nitsche: Bedingt durch den Tod meiner Vorgängerin Gudrun Zwanziger-Bleifuß, die hier sehr viel gemacht hat, mussten sich die Kräfte auf die Funktionsfähigkeit der Geschäftsstelle konzentrieren. Das hat viel Anstrengung gekostet. Aber wir sind beim landkreisweiten Stieglitzprojekt mit dabei. Es gab unsere Radtour und unser Sommerfest. Die Biotoppflege läuft.

 

Wo würden Sie persönlich gerne Schwerpunkte setzen?

Nitsche: Mir sind Wildinsekten ein großes Anliegen. Sie haben das Problem, dass sie oft sehr spezialisiert sind, beispielsweise die Mohnbiene: Sie kleidet ihr Nest mit Mohnblütenblättern aus, dort legt sie ein Ei. Die Larve ernährt sich ausschließlich von Kornblütenpollen. Fehlen also Mohn- oder Kornblumen, hat sie ein Problem.

 

Naturschutz kostet auch Geld. Wie ist denn der BN im Fürther Land diesbezüglich aufgestellt?

Nitsche: Wir sind nicht einer der reichsten Kreisgruppenverbände. Zwar sind uns Spenden willkommen, Sponsoring lehnen wir aber ab, weil wir unsere Unabhängigkeit wahren wollen. Umso mehr hat mich der Erfolg unserer jüngsten Werbekampagne gefreut, die in zwei Wochen rund 300 neue Mitglieder, also einen Zuwachs um rund zehn Prozent gebracht hat. Der BN ist positiv besetzt. Unsere Leute haben offene Türen eingerannt.

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