Einsatz beendet: Fürther Feuerwehr auf dem Heimweg aus Südbayern

16.1.2019, 17:00 Uhr
Die Arbeit in luftiger Höhe, auf den von Schneemassen bedeckten Dächern, ist nicht ungefährlich. Jeder Helfer muss gut gesichert sein.

Die Arbeit in luftiger Höhe, auf den von Schneemassen bedeckten Dächern, ist nicht ungefährlich. Jeder Helfer muss gut gesichert sein. © Foto: Marcus Weier

Eines darf man schon prophezeien: An diese Tage werden sich die Beteiligten lange erinnern. Es sei "eine sehr besondere Lage", sagt Andreas Engelhardt von der Fürther Berufsfeuerwehr. Der Auftrag des bayerischen Innenministeriums, im bedrohlich verschneiten Süden des Freistaats zu helfen, hat 162 Männer und Frauen der Feuerwehren aus der Stadt und dem Landkreis zusammengebracht – vorwiegend Ehrenamtliche aus den Freiwilligen Feuerwehren. Einsatzkräfte, die sich bisher kaum kannten, schufteten jetzt gemeinsam auf den Dächern und schliefen abends erschöpft nebeneinander auf Feldbetten in einer Turnhalle ein – 320 Kilometer von zuhause entfernt. Engelhardt zeigt sich beeindruckt: Die Zusammenarbeit sei toll, alles klappe reibungslos. Und er beobachtet: "Da entsteht Kameradschaft."

Engelhardt führt das sogenannte "Hilfeleistungskontingent", das sich in der Nacht zum Montag auf den Weg nach Marktschellenberg, einem Ort mit 1800 Einwohnern bei Berchtesgaden, gemacht hat. Wie zahlreiche weitere Helfer in der Region hatte es die Aufgabe, zu verhindern, dass Dächer unter der gewaltigen Schneelast zusammenbrechen. Auch speziell ausgebildete Höhenretter waren mitgereist. Sie sorgten dafür, dass auf den rutschigen Dächern alle gut gesichert sind.

Gruppe trat am Mittwoch die Heimreise an

Jeden Morgen fuhren die 28 Feuerwehrfahrzeuge in einer Kolonne zu ihrem Einsatzort. Am Dienstag waren sie im höher gelegenen Ortsteil Ettenberg eingeteilt, wo teils über 2,50 Meter Schnee auf den Häusern lagen. Auf bis zu zehn Dächern wurde gleichzeitig gearbeitet, erzählt Engelhardt. Die Helfer schippen maximal vier Stunden am Stück, bevor sie von Kollegen abgelöst werden und sich ausruhen. Bei Bedarf müssen sie danach noch mal anpacken. "Sehr, sehr, sehr willkommen" seien sie bei den Menschen vor Ort, sagt Engelhardt.

Gegen 16.30 Uhr ging es zurück zum Quartier. Das warme Abendessen wurde in einem Gasthaus serviert, das die Feuerwehr in zwei Schichten in Beschlag nahm; die erste aß um 18, die zweite um 20 Uhr. Das Nachtlager in der Turnhalle hat man sich bisher mit rund 100 weiteren Helfern aus den Reihen von Polizei und Bergwacht geteilt. Abends unterhalten sich alle, aber ab 23 Uhr wird es richtig ruhig, erzählt Engelhardt.

Bis zum Dienstag hieß es noch, dass der Einsatz für einen Teil der Kräfte noch bis Samstag dauern werde. Am Mittwoch meldeten die Verantwortlichen im Berchtesgadener Land dann allerdings, dass keine Hilfe mehr benötigt werde – das Innenministerium sagte dann gegen Mittag den Einsatz ab. Deswegen geht es nun doch für das gesamte Kontingent von 156 Feuerwehrleuten samt ihren 27 Fahrzeugen Richtung Heimat. Sie werden voraussichtlich gegen Mitternacht in Fürth ankommen.

Vertrauen und gute Zusammenarbeit 

Damit die Ehrenamtlichen anpacken konnten, mussten ihre Arbeitgeber mitspielen – und das ganz kurzfristig. Ihnen sei man sehr dankbar, betont nicht nur die Feuerwehr, sondern auch das Fürther THW. Zusammen mit neun weiteren Freiwilligen des THW, alle um die 30 Jahre alt, war Annelie Schiller von Freitag bis Sonntagabend in Traunstein. Auch sie räumten Dächer. Auf den Dachschrägen sei das sehr anstrengend, der Schnee sei sehr fest, erzählt Schiller. Neuschnee in der Nacht sorgte dafür, dass man morgens fast wieder von vorne anfangen konnte.

Vertrauen und gute Zusammenarbeit sei sehr wichtig bei dieser Aufgabe, sagt Schiller. Auch sie erlebte einen großen Zusammenhalt und eine tolle Versorgung. "Die Leute waren so nett zu uns, in der Bäckerei zum Beispiel haben wir Brezeln und Semmeln kostenlos bekommen." Immer wieder fiel ihr auf, wie paradox die Situation ist. In manchen Momenten wirkte die Landschaft wie ein "Winter Wonderland". In anderen spürte man die Kraft der Natur. Als etwa der Strom ausfiel, das Handynetz weg und die Zufahrtsstraße gesperrt war, weil Experten mit einer kontrollierten Sprengung die Lawinengefahr beseitigen wollten.

Am Mittwoch schickte das THW noch einmal einige Helfer nach Traunstein.

Der Artikel wurde um 17 Uhr aktualisiert.

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