Eisenbahngeschichte im Miniaturformat im Stadtmuseum

7.7.2016, 16:00 Uhr
Das Modell des Fürther Ludwigsbahnhofs anno 1920.

Das Modell des Fürther Ludwigsbahnhofs anno 1920. © Volker Dittmar

Wasserdampf, der das Karussell in Bewegung setzt, hat auch den Adler beflügelt, die erste deutsche Eisenbahn. Der 1938 für eine Aufmarschfläche der Nationalsozialisten abgerissene Ludwigsbahnhof war das Ziel der Jungfernfahrt am 7. Dezember 1835.

Zum 1000-jährigen Stadtjubiläum hat der 2013 verstorbene kommunale Modellbauer Reinhard Thielsch den Kopfbahnhof im Maßstab 1:160 nachgebaut. Präsentiert werden konnte das Prachtstück mangels Vitrine bisher nur sporadisch. Diesem Missstand hat der Förderverein des Stadtmuseums mit einer Spende von 4000 Euro nun abgeholfen.

Für die Dauerausstellung möbelte der Fürther Bastler Bruno Brütting Thielschs Werk in rund 1000 Arbeitsstunden kräftig auf. Er entfernte zahlreiche Kraftfahrzeuge und ersetzte sie durch Pferdefuhrwerke, die um 1920 noch das Straßenbild geprägt haben. Wo heute die Spiegelsäule steht, ragte damals ein Standbild als überdimensionale Sammelbüchse für das Winterhilfswerk in die Höhe. Vom Pavillon war noch keine Spur, dafür hatte der heute streng rechtwinklige Springbrunnen barocke Form.

Viele der rund 100 Figuren und Fuhrwerke hat Restaurator Brütting in mühsamer Handarbeit gefertigt. Dabei behalf er sich gelegentlich auch kleiner Kunstgriffe. So funktionierte er beispielsweise eine Figur des Märchenkönigs Ludwig II. mit etwas Farbe zu einem Gendarmen um. Der Modellbau fesselt den Fürther Bruno Brütting seit seinem 8. Lebensjahr. Diese Begeisterung verbindet ihn mit Reinhard Thielsch, der neben seiner offiziellen Arbeitszeit viele Abende an der Werkbank verbrachte. „Die Geländer am Ludwigsbahnhof hat er in einem aufwendigen fototechnischen Verfahren hergestellt“, erzählt seine Witwe Heidemarie Thielsch. Auf 3D-Drucker konnte er noch nicht zurückgreifen. Museumschef Martin Schramm ist jedenfalls begeistert vom neuen Ausstellungsstück. Ein Exponat besonderer Qualität, dem Schramm auch pädagogischen Nutzen beimisst. Denn die jüngere Generation könne sich heute gar nicht mehr vorstellen, wie es auf der Steinwüste namens Freiheit früher einmal ausgesehen hat. Und mit neu entdeckten historischen Aufnahmen, könne auch das Innenleben des Ludwigsbahnhofs rekonstruiert werden.

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