Samstag, 20.04.2019

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Elf Lofts im alten Vacher Brauhaus

Vom behutsamen Umbau des Gebäudes schwärmen nicht nur Denkmalschützer - 02.02.2012 09:00 Uhr

Das umgebaute Gebäude der ehemaligen Vacher Dorn-Bräu. © Hans-Joachim Winckler


Karl Dorn steht vor der alten Brauerei, die längst nicht mehr sein Eigen ist. Das Sudhaus und das benachbarte Lagerhaus sind in ihrem Innern nicht mehr wiederzuerkennen — und trotzdem liegt tiefe Zufriedenheit auf Dorns Gesicht. „Ich bin überglücklich“, seufzt er. Überglücklich, weil das Gebäude, das sein Großvater 1926 hatte bauen lassen, nach über zehn Jahren Leerstand wieder eine Zukunft hat — und keine schlechte.

In einer Sanierungsphase von eineinhalb Jahren sind elf Lofts in der denkmalgeschützten Brauerei entstanden. Verantwortlich dafür zeichnet die Architektin Marita Walther, die bereits Erfahrungen mit Sanierungen gesammelt hat. Für ihr erstes Projekt, das Haus Nürnberger Straße 27, erhielt sie eine Denkmalprämierung. Es folgte das schiefergetäfelte Haus in der Gustavstraße, Ecke Kirchenplatz. Und nun die Brauerei.

In manchen Wohnungen finden sich Relikte alter Vacher Braukunst. Das Gebäude hat Architektin Marita Walther (rechts) umgebaut — sehr zur Freude von Karl Dorn (links). © Hans Winckler


Sie habe sich sofort in das Objekt verliebt, sagt die Architektin. Jetzt sind zehn Wohnungen bezogen, die elfte ist fix und fertig und Marita Walther tut sich schwer damit loszulassen. „Ich habe hier so viel Zeit verbracht, es ist ein bisschen wie mit einem Kind, das man großgezogen hat.“ Allerdings war die Erziehungszeit nicht immer einfach. Dass riesige Stahl- und Betonbehälter herausgerissen werden mussten, in denen die frühere Dorn-Bräu unter anderem ihr Brauwasser aufbewahrt hatte, ist nur eine Episode.

Im Treppenhaus erinnern großformatige Fotografien daran, wie es vor dem Umbau ausgesehen hat. Dass in diesen zweckmäßigen Lager- und Brauräumen einmal Menschen wohnen werden, war schwer vorstellbar. Es zählte zu Walthers schwierigeren Übungen, diese Vision zu vermitteln. Um in den Genuss steuerlicher Vorteile zu kommen, waren Interessenten gezwungen, die Wohnungen vor dem Umbau zu kaufen. „Die mussten mir alle vertrauen“, sagt Walther und klingt dabei, als hätte sie dieses Vertrauen auch gerechtfertigt.

Keines der elf Lofts, betont sie, gleicht dem anderen. Bei der Sanierung arbeitete sie eng mit dem Landesamt für Denkmalpflege zusammen. Stadtheimatpfleger Alexander Mayer bescheinigt Walther, sie sei „dem Denkmalschutz bis an die Schmerzgrenze“ entgegengekommen. Mayer spricht von einer „hervorragenden Leistung“ und ist damit ganz auf einer Linie mit Karl Dorn.

Der steht in der Erdgeschosswohnung von Tobias Wollny und erzählt dem Neu-Vacher, dass sich in seiner Küche und im Wohnzimmer früher mal die Sudpfanne und der Maischbottich befunden haben. Wollny lächelt. Alles sei sehr schön geworden.

In der Dachgeschosswohnung sind noch Relikte der Brauerei zu sehen. In einer Verbindung aus Tradition und Moderne hängen eine Stahlstrebe und ein Rad an den Balken. „Der Antrieb von der Gerstenputzerei“, sagt Karl Dorn. Und oben in der Ecke war der Taubenschlag des Bruders. „Brieftaubenzüchter“, fügt er hinzu.

Eine Bewohnerin hat einen ganz besonderen Blick: Vom kleinen Türmchen, in das eine Klappleiter führt, sieht sie direkt ins Storchennest auf dem Dach der Brauerei. Der Vacher Storchenvater Karl Sulzer hat sich bereits erbeten, in der Brutzeit mal vorbeikommen zu dürfen — der FN- Fotograf ebenfalls.

Karl Dorn jedenfalls, der in unmittelbarer Nachbarschaft lebt, könnte vor Glück die Welt umarmen. „Abends, wenn das Haus so schön beleuchtet ist“, sagt er, „dann hab’ ich manchmal Freudentränen in den Augen.“ 

Johannes Alles

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