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Ende einer Ära: Das Kinderheim St. Michael wird abgerissen

Alexandra Voigt
Alexandra Voigt

Redaktion Fürth

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27.8.2021, 13:20 Uhr
Das Gebäude des traditionsreichen Kinderheims St. Michael an der Poppenreuther Straße ist in die Jahre gekommen. Es soll einem Neubau weichen, in dem Wohnungen für Auszubildende entstehen werden.

Das Gebäude des traditionsreichen Kinderheims St. Michael an der Poppenreuther Straße ist in die Jahre gekommen. Es soll einem Neubau weichen, in dem Wohnungen für Auszubildende entstehen werden. © Foto: Tim Händel

2012 hatte die Rummelsberger Diakonie die Trägerschaft für das Kinderheim vom Lutherischen Verein in Fürth übernommen. Die Umgestaltung zu einer modernen Einrichtung der Jugendhilfe wurde zur zentralen Aufgabe. Es entstanden Wohngruppen, in denen Kinder und Jugendliche zusammenleben, die wegen unterschiedlicher Probleme nicht bei ihren Familien bleiben können.

Dazu kamen heilpädagogische Tagesstätten-Gruppen (HPT), in denen junge Menschen untertags betreut und unterstützt werden, weil sie einen Förderbedarf haben oder es in ihrem Zuhause Erziehungsprobleme gibt und die Familien entlastet werden sollen.

"Inzwischen erfüllt das alte Gebäude an der Poppenreuther Straße die Ansprüche an eine zeitgemäße Jugendhilfeeinrichtung aber nicht mehr", sagt Werner Pfingsgraef, der Dienstellenleiter der Rummelsberger Dienste für junge Menschen (RDJ) in Fürth. Der Diakon nennt das Gebäude – nicht ohne Respekt – manchmal auch "die alte Burg". Auf dem Gelände plant nun der Lutherische Verein, bis heute Eigentümer des Grundstücks, zusammen mit der WBG Appartements für Auszubildende. Im Frühjahr 2022 soll der Abriss über die Bühne gehen.

Kein Stigma mehr

Für die Kinder und Jugendlichen des Kinderheims St. Michael bedeutet das: Umziehen! Sie werden künftig nicht mehr in einer Kompletteinrichtung betreut, sondern dezentral in verschiedenen Unterkünften im Stadtgebiet Fürth. "Damit verschwindet das Stigma, aus "dem Heim" zu kommen. Sie werden künftig einfach junge Menschen aus dem Stadtteil sein", sagt Pfingsgraef.

Für vier stationäre Wohngruppen mit je acht Kindern und Jugendlichen gibt es bereits Lösungen: Zwei befinden sich in einem vor sechs Jahren entstandenen Neubau auf der Rückseite des Kinderheims, zwei an der Hardhöhe in einem Haus des Lutherischen Vereins. Zum Jahreswechsel werden zwei heilpädagogische Tagesstätten-Gruppen in neue Unterkünfte an der Jakob-Schönberg-Straße umsiedeln. Hier entwickelt das Evangelische Siedlungswerk ein Wohnquartier. Für den Kindergarten und die Krippe dort wird auch die Rummelsberger Diakonie die Trägerschaft übernehmen.

Für zwei heilpädagogische Tagesstätten-Gruppen mit Kindern im Grundschulalter aber wird es eng. Da die Planungen für den Neubau an der Poppenreuther Straße bereits unter Dach und Fach sind und die Bauherren natürlich bald mit ihrem Projekt beginnen wollen, sucht man "händeringend", wie Pfingsgraef sagt, eine neue Unterkunft für die Tagesbetreuung der noch verbliebenen Kinder.


Das passiert, wenn ein Kind in Obhut genommen wird


Die Herausforderung, geeignete Räume zu finden, ist groß. Denn die gesetzlichen Anforderungen an eine solche Immobilie sind sehr hoch. "Für die 16 Kinder und die Mitarbeitenden der beiden Gruppen brauchen wir eine Bleibe, die 350 Quadratmeter bietet", erläutert der Rummelsberger Dienststellenleiter.

Es werden vier Gruppenräume sowie eine ganze Reihe weitere Dienstzimmer benötigt, wie etwa Büros, Ruhe- und Sanitärräume sowie mindestens zwei Küchen. Wichtig ist auch ein Garten, wo man Schaukel und Sandkasten aufstellen kann. Die Jungs und Mädchen sollen an der frischen Luft spielen und sich austoben können.

Da die betroffenen Kinder alle aus Fürth kommen, sollten sie auch hier betreut werden. Angebote aus dem Landkreis scheiden damit leider aus. Wer einen Platz hat oder weiß, kann sich unter (09 11) 3 93 63 40 62 oder pfingstgraef.werner@rummelsberger.net melden.

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