Wohnungen für Azubis

Ende ist besiegelt: Wird das Fürther Kinderheim St. Michael abgerissen?

Alexandra Voigt
Alexandra Voigt

Redaktion Fürth

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8.10.2021, 06:00 Uhr
Ob das Gebäude des Kinderheims St. Michael an der Poppenreuther Straße abgerissen oder saniert wird, ist noch nicht endgültig entschieden.

Ob das Gebäude des Kinderheims St. Michael an der Poppenreuther Straße abgerissen oder saniert wird, ist noch nicht endgültig entschieden. © Tim Händel

Vor neun Jahren hatte die Rummelsberger Diakonie die Trägerschaft für das Kinderheim vom Lutherischen Verein in Fürth übernommen und es zu einer modernen Jugendhilfeeinrichtung mit Wohngruppen umstrukturiert. In ihnen leben Kinder und Jugendliche zusammen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht bei ihren Familien bleiben können. Dazu kommen heilpädagogische Tagesstätten-Gruppen (HPT), in denen Kinder untertags betreut werden, weil sie einen Förderbedarf haben oder es in ihrem Zuhause Probleme gibt. Nun erfüllt das alte Gebäude an der Poppenreuther Straße die Ansprüche an eine zeitgemäße Einrichtung nicht mehr, die Wohngruppen ziehen aus und werden dezentral im Stadtgebiet untergebracht. Nur für zwei Gruppen fehlt noch eine Lösung.

Wo sich das Kinderheim St. Michael befindet, plant die Wohnungsbaugenossenschaft Fürth in Kooperation mit der Kinderarche ein Ausbildungswohnheim mit 85 Einheiten. Gedacht ist das Projekt für Jugendliche und junge Erwachsene, die zum Beispiel nach Fürth ziehen, weil ihre Ausbildungsrichtung in ihrem Ort nicht angeboten wird. Hier können sie die ersten Schritte in die Selbständigkeit unternehmen. "Dabei sind sie nicht auf sich allein gestellt. Sie werden von Sozialpädagogen der Kinderarche betreut und begleitet", erzählt Arche-Geschäftsführer Andreas Müßig, der seit drei Jahren an der Ausarbeitung des Konzepts für das Wohnheim mitarbeitet.


Das passiert, wenn ein Kind in Obhut genommen wird


Es soll drei bis vier Geschosse haben, auf jeder Etage werden sich zwei Gemeinschaftsräume mit Küche, Ess- und Aufenthaltsbereich befinden, wo die Jugendlichen zusammenkommen können. Auf der Rückseite des Baus ist Platz für einen kleinen Garten als Treffpunkt. Laut Rolf Perlhofer, Geschäftsführer der WBG Fürth, ist es noch nicht entschieden, ob das alte Gebäude entkernt oder abgebrochen wird, um einem Neubau Platz zu machen. "Das hängt auch davon ab, inwieweit sich eine Sanierung wirtschaftlich darstellen lässt. Also ob man die gewünschte Zahl an Apartments im bestehenden Bau unterbringt und welcher energetische Standard sich erreichen lässt. Das Ausbildungswohnheim soll klimaneutral werden. Das ist mit einem Neubau meist leichter zu machen", sagt Perlhofer.

Wohnheim soll sich einfügen

Um all diese Fragen zu klären, steht man in Kontakt mit dem städtischen Baureferat. Bei dem Genehmigungsverfahren geht es auch um die künftige Höhe und wie das Gebäude an die bestehende Nachbarbauten sowie an die Straße anschließen soll. Das Gelände gehört dem Lutherischen Verein Fürth, WBG und Kinderarche würden es in Erbpacht übernehmen. "Wir warten auf den Startschuss", so Perlhofer. Wann dieser fällt, ist nicht nur vom Genehmigungsverfahren und der wirtschaftlichen Analyse abhängig. Es geht auch darum, wann sich für die beiden Heilpädagogischen Gruppen der Rummelsberger Diakonie eine Lösung abgezeichnet. Noch sind sie im Kinderheim untergebracht.

Eigentlich sollte dieses bis zum 31. Dezember leer sein. Aber das scheint zum momentanen Zeitpunkt nicht realistisch. Die Anforderungen an eine künftige Bleibe für die 16 Kinder samt Betreuungspersonal sind hoch. Laut Werner Pfingstgraef, Dienststellenleiter der Rummelsberger Dienste für junge Menschen (RDJ) in Fürth, wird eine Immobilie gesucht, die zahlreiche Räume auf rund 350 Quadratmeter und einen Garten bietet. Perlhofer rechnet deshalb damit, dass erst im Sommer mit einem Abriss oder dem Entkernen des Baus zu rechnen ist.

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