Durststrecke für Wirte und Gäste endet

Endlich: Biergarten-Betreiber im Landkreis Fürth atmen auf

19.5.2021, 10:01 Uhr
Im Biergarten des Café Maroni sind die Tische ausgedünnt, Koch Blagovest legt letzte Hand an, damit sich heute Gäste am Zirndorfer Marktplatz niederlassen können.

Im Biergarten des Café Maroni sind die Tische ausgedünnt, Koch Blagovest legt letzte Hand an, damit sich heute Gäste am Zirndorfer Marktplatz niederlassen können. © Hans-Joachim Winckler

"Halleluja", frohlockt Cetin Ünal, Pächter des Biergartens in der Zenn-Oase Langenzenns. "Uns fällt ein ganz großer Stein vom Herzen." Normalerweise hätte der Biergarten direkt am Flussufer bereits am 1. April geöffnet, doch seitdem gab es lediglich Fast Food to go.


Lockerungen: Das gilt ab 19. Mai im Landkreis Fürth


Ab sofort kann sich die Kundschaft täglich von 11 bis 22 Uhr wieder an Ort und Stelle niederlassen, "und die Leute wollen bleiben", hat Ünal in den vergangenen Wochen beobachtet. Von Vorteil dürfte an der Freizeitoase auch sein, dass Kontaktsport unter freiem Himmel mit negativem Corona-Test wieder erlaubt ist.

Im Biergarten gelten strikte Auflagen: Nötig ist vorab eine Reservierung und eine Dokumentationspflicht, um Kontakte nachverfolgen zu können, teilt das Landratsamt mit. Ünal setzt auf die Luca App, "aber wir halten auch die Zettel zum Ausfüllen noch vor". Verpflichtend ist, eine Maske zu tragen, am Tisch darf sie abgenommen werden.

"Doppelt bestraft"

Sitzen Personen aus mehreren Hausständen zusammen, ist ein negativer Coronatest erforderlich, der höchstens 24 Stunden alt sein darf. Weil der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden muss, ist in dem Oase-Biergarten ein Drittel der Tische weggeräumt, statt 300 Besucher können maximal 200 bewirtet werden. Allerdings rechnet Ünal nicht damit, dass ihn die Gäste überrennen: "Dazu ist das Einstiegswetter zu schlecht."

"Wir sind doppelt bestraft: Die Pandemie und jetzt noch das triste Wetter", sagt auch Murat Bülbül, Inhaber und Betreiber des Café Maroni in Zirndorf. Doch er gibt sich ebenfalls erleichtert: "Endlich darf ich meinen Beruf wieder ausüben." Und: "Selbstverständlich stehen wir ab heute bereit." Sollte es tatsächlich in Strömen regnen, will er Punkt 11 Uhr unterm Schirm an der Theke im Freien mit Gästen auf die Wiedereröffnung des Biergartens am Marktplatz anstoßen. "Und wenn keiner kommt, stoß’ ich mit meinem Team an."

Erfahrenes Personal ist dringend gesucht

Das gelte es schließlich auch zu motivieren. Die eingespielte Mannschaft aus fünf Festangestellten muss sich neu aufstellen, zwei Leute sind Bülbül während der Lockdowns abgesprungen, von einem weiß er, dass er zu einem Paketdienst wechselte. Aber so gehe es allen Kollegen, "wir sind jetzt alle auf der Suche nach erfahrenen Leuten".

Allerdings ist er sich auch sicher, "dass mich meine Stammgäste zum Einstieg nicht allein lassen werden, auch wenn sie ihr Bier in eine dicke Jacke gehüllt trinken". Alle sehnten sich danach, "dass wieder etwas Normalität einkehrt". Auch der zuletzt verwaiste Goldene Löwe oberhalb des Marktplatzrunds, ebenfalls im Besitz von Bülbül, soll nächsten Montag wiedereröffnen. Bülbüls Ehefrau Gül nimmt den Betrieb in die Hand.

"Keiner blickt mehr durch"

Mit den Auflagen hat sich der Unternehmer noch nicht arrangiert: "Ehrlich gesagt, es blickt doch keiner mehr durch, was gerade gilt." Er setzt darauf, vom Landratsamt noch Informationen zu erhalten. Das verweist auf das Online-Portal des bayerischen Gesundheitsministeriums (www.stmgp.bayern.de), das unter "Coronavirus: Rechtsgrundlagen" Handlungsempfehlungen veröffentlicht hat. Ein individuelles Hygienekonzept müssten die Gastwirte nicht bei den Behörden vorlegen.

Von der Verwirrung über die Auflagen im Kollegenkreis berichtete auch Paul Reubel, Vorsitzender des Fürther Hotel- und Gaststättenverbands und Inhaber eines Restaurants mit Hotel im Zirndorf. Er beobachtet eine durchwachsene Stimmung "von euphorisch bis deprimiert".


Wer gilt eigentlich als vollständig geimpft?


Reubel hat die Berufskollegen mit im Blick, denen es ähnlich geht wie ihm: Auf der Terrasse und im Garten hat er gerade 25 Plätze. "Auch wenn die Kundschaft brennt, endlich wieder Gesellschaft zu erleben", müsste er zwei Mitarbeiter einsetzen, "das rentiert sich nicht". Er setzt darauf, noch 14 Tage abzuwarten. "Dann haben wir Juni, dann ist vielleicht auch das Wetter besser; bei der Kälte" – gestern Mittag hatte es 13 Grad auf der Reubelschen Terrasse – "hockt sich doch keiner raus."