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Endlich ein Frack, der Musiker nicht ins Schwitzen bringt

Das Startup Woolwind hat eine atmungsaktive Festtagsgarderobe entwickelt - 19.06.2020 21:00 Uhr

Selbst nach stundenlangen Konzerten sollen sich die Musiker im Frack wohlfühlen: Christine Barth-Darkow ist die treibende Kraft hinter „Woolwind“. © Foto: Thomas Scherer


"Von der Idee bis zur finalen Auslieferung an einen Musiker vergingen lediglich eineinhalb Jahre", sagt Christine Barth-Darkow, die 27 Jahre Erfahrung in leitender Funktion bei einem der weltgrößten Sportartikelhersteller gesammelt hat. In ihrer Zeit in Herzogenaurach hat die Zirndorferin zusammen mit Schwimmlegende Ian Thorpe den ersten "Ganzkörperschwimmanzug" zur Marktreife gebracht. "Warum sollten Konzertmusiker nicht auch von den Vorteilen der neuen Hightech-Fasern profitieren?", fragte sie sich.

Mit der Designerin Ina Franzmann und dem Marketingexperten Mark Heising fanden sich im Frühjahr 2018 geeignete Mitstreiter für das Startup, das fortan unter dem griffigen Namen "Woolwind" firmieren sollte.

Die Arbeitsbedingungen vieler Symphonieorchestermitglieder sind durchaus mit denen von Hochleistungssportlern vergleichbar, und doch hat sich an der "Arbeitskleidung" seit Ewigkeiten nichts geändert. Die verwendeten Stoffe sind meist alles andere als klimaregulierend und auch nicht sonderlich angenehm auf der Haut zu tragen. Die Schnitte lassen zudem häufig wenig Bewegungsfreiheit unter den Armen oder im Schulterbereich.

Diese Bedürfnisse kristallisierten sich für Barth-Darkow in der Zusammenarbeit mit den Bamberger Symphonikern heraus, zu denen sie Kontakte aus früheren Zeiten hatte. Im Traditionsunternehmen Greiff aus Bamberg fand sie den passenden Partner aus der Textilbranche, um die Wünsche und Ansprüche umzusetzen.

"Es war nicht einfach, alles in einem Kleidungsstück zu kombinieren", erzählt die Zirndorferin, die in ihrem früheren Job bereits in München und Paris tätig war. Es galt, Waschbarkeit, Eleganz, Tragekomfort und nicht zuletzt Bezahlbarkeit in dem Festgewand zu vereinen.

Das Hemd als Problem

So manche Nacht brannte das Licht im Atelier am Walter-Gropius-Weg 10 bis in den Morgen. Nach mehreren Testläufen bei großen Konzerten in der Meistersingerhalle in Nürnberg, beim Rundfunkorchester des Bayerischen Rundfunks sowie im Joseph-Keilberth-Saal der Konzerthalle Bamberg hatte Barth-Darkow die finale Stoff- und Schnittkombination gefunden.

"Wir merkten schnell, dass das Hemd ein Problem darstellt, daher sind wir auf eine Kurzarmvariante mit Manschettenattrappen umgestiegen. Für Letztere haben wir das weltweite Patent angemeldet", berichtet sie. Gefertigt wird aus Kostengründen im benachbarten Ausland unter strengsten Qualitätskriterien. Inzwischen tragen nicht nur die Musiker der Bamberger Symphoniker "Woolwind"-Fräcke, auch Kollegen aus anderen weltbekannten Ensembles seien begeistert vom "kühlen Klima" selbst nach stundenlangen Auftritten.

Ganz Europa im Blick

Allein in Deutschland sind mehr als 6000 Profis in 130 Orchestern vertreten. "Alles potenzielle Kunden", sagen die Macher bei "Woolwind" voller Hoffnung. Gleichzeitig schauen sie bereits jetzt weit über das Bundesgebiet hinaus. In ganz Europa machen sie ein Potenzial von weiteren 12.000 möglichen Abnehmern aus.

"Wir setzen vor allem auf Mund-zu-Mund-Propaganda, denn die Empfehlung eines Kollegen ist die beste Werbung", sagt Barth-Darkow, die mit ihren Partnern Ina Franzmann und Mark Heising noch weitere Produktideen, dann vor allem für Musikerinnen, in der Pipeline hat.

Thomas Scherer

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