Ente gut, alles gut

27.9.2008, 00:00 Uhr

© Dollinger

Bandgründer und Frontsänger Raumschiff Engelmayr und seine zwei Mitstreiter, Bassist Derhunt und Schlagzeuger DDKern, kommen auf alle Fälle mit einer ordentlichen Portion Humor und Selbstironie in den kleinen Fürther kunstkeller o 27. Experimenteller Noise-Rock, so ist wohl noch der am ehesten Erfolg versprechende Versuch, Bulbul irgendwie stilistisch einzuordnen.

Wesentlich härter als auf seinem aktuellen Album «Bulbul 6» lässt das Trio mit einer kruden Mischung aus dynamischen Heavy Rock, verstörten Soundentgleisungen sowie wahnwitzigen Rhythmikwechseln - selbst altgediente Jazzmusiker würden sie damit ins Staunen bringen - die Kellergäste vor der Bühne versammeln. Gebannt konzentrieren sich 40 Augen- und Ohrenpaare im ehemaligen Luftschutzbunker auf das, was derzeit Austria’s Finest in Sachen abgedrehter Lärmkonstruktion zu bieten hat. Und das sind neben einer packenden energetischen Avantgarde-Rock-Darbietung jene Momente, in denen immer wieder der unvermutete Unterhaltungswert dieser liebenswerten Wiener Rabauken aufblitzt.

Beispielsweise halten die drei mitten in einer dieser Eruptionen urplötzlich die Bewegung an und halten diese Starre sekundenlang aufrecht - ein bandinterner Wettbewerb, bei dem es darum geht, wer als Erster zu lachen anfangen und somit diese Körperstellung abbrechen muss. Das ist von großer Komik, die sich auch in Titeln wie «Daddy Was A Girl I Liked» oder dem morbiden, düster-schleppenden «Loss Mei Hen In Ruah» widerspiegelt.

Mit einer überdrehten Performance und verrückten Vokalgeräuschen gelingt es Bulbul hervorragend, das Publikum für seine manchmal anstrengenden, aber dennoch hocherfrischenden Ausflüge in die Disharmonie zu begeistern. Den gleichen Ansatz wollte wohl auch die Vorgruppe DubCore verfolgen, doch das Zwei-Mann-Projekt mit Lord-Brain-Schlagzeuger Sascha Pieler verfehlte bei seinem Live-Debüt dieses Ziel um Längen.

Scheinbar ohne Konzept und mit viel Improvisation tobte man sich hemmungslos auf Gitarre und Schlagzeug aus, so dass bei diesem anarchischem Gepolter ein großes Maß an Geduld vonnöten war, um darin einen künstlerischen Ansatz zu erkennen. Aber, wie auf Bulbuls Web-Präsenz gesehen: Auch miese Kritiken können zuweilen gut fürs Image sein. ANDI DOLLINGER