Nachfrage ist eingebrochen

Entscheidung: Kommunale Schnelltestzentren bleiben länger

26.6.2021, 16:00 Uhr
Ein kompletter Abbau der Schnelltest-Stationen steht vorerst nicht zur Debatte, doch sind die Einrichtungen aktuell bei weitem nicht so gefragt wie schon einmal.

Ein kompletter Abbau der Schnelltest-Stationen steht vorerst nicht zur Debatte, doch sind die Einrichtungen aktuell bei weitem nicht so gefragt wie schon einmal. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Der Freistaat hat grünes Licht für ihren Weiterbetrieb vorerst bis Ende September gegeben. Die Verträge zwischen der Stadt und dem Landkreis Fürth einerseits und der gemeinnützigen Arbeitsgemeinschaft Notfallmedizin Fürth (AGNF) andererseits, die mit dem Bayerischen Roten Kreuz (BRK) sechs Zentren für Antigen-Schnelltests betreibt, wären am 30. Juni ausgelaufen. Nun sollen sie bis 30. September verlängert werden.

Sebastian Habicht von der AGNF freut sich über die Entscheidung im fast letzten Moment, schränkt aber auch mit Verweis auf rund 100 Beschäftigte ein: "Wir würden uns natürlich langfristigere Ausschreibungen oder Zusagen wünschen." Ob und, falls ja, wie es dann weitergeht, bleibt abzuwarten. "Ein völliger Abbau der Ressourcen wäre sicher nicht sinnvoll", meint dazu Habichts Kollege Klaus Meyer.

Neben dem PCR-Testzentrum im Golfpark Atzenhof, das im Herbst 2020 den Betrieb aufnahm und ohnehin bis Ende September geöffnet sein soll, sind unter der Regie der AGNF sechs Schnellteststationen entstanden. Die ersten starteten im März. In Fürth gibt es inzwischen Anlaufstellen von AGNF und BRK im Golfpark Atzenhof, am Rathaus und bei der SpVgg, im Landkreis in Roßtal, Zirndorf und Stein.

Unabhängig von diesen Institutionen unterhalten auch Apotheken und private Anbieter Teststellen. Letztere mussten sich anders als AGNF/BRK zwar nicht in einem Vergabeverfahren durchsetzen. Doch mussten auch sie sich beim Gesundheitsministerium registrieren und beim Gesundheitsamt Schulungsnachweise und Hygienekonzepte vorlegen, um offiziell beauftragt zu werden. Im Landratsamt wusste man Anfang Juni von 29 solcher privaten Anbieter in Fürth und dem Landkreis.

Noch vor Wochen, als die Inzidenzen allmählich sanken und man beim Betreten von Geschäften, Freibädern oder Gaststätten noch einen negativen Covid-19-Test vorlegen musste, war der Andrang groß. Inzwischen liegt die Inzidenz in Fürth bei 14,8 und im Landkreis bei 7,6, die Infektionsschutzregeln sind stark gelockert und die Nachfrage nach Tests ist regelrecht eingebrochen.

Beispielhaft verdeutlichen das folgende Zahlen: Wurden im Steiner Testzentrum am Sonntag, 6. Juni, noch 351 Personen Abstriche genommen und in Fürth-Atzenhof 419, so waren es zwei Wochen später, am Sonntag, 20. Juni, noch 139 und 164, also nicht einmal halb so viele.

Kontrollen zeigen Wirkung

Nach dem prinzipiellen Go für den Weiterbetrieb und die Finanzierung der kommunalen Testzentren, sagt Habicht: "Die Herausforderung wird es sein, die Kapazitäten zu verknappen, aber so, dass wir sie jederzeit wieder schnell hochfahren können." Klar ist bereits so viel: Der Standort im Fürther Rathausinnenhof wird geschlossen, bei Bedarf ist aber ein Bus flexibel einsetzbar, die Öffnungszeiten der anderen Stationen werden zum Teil eingeschränkt. Auch die Apotheken und privaten Anbieter reagieren auf die gesunkene Nachfrage, hören auf mit dem Testen oder reduzieren die Zeiten.

Unterdessen zeigen die Anfang Juni von Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek angeordneten intensiveren Kontrollen von Testzentren Wirkung. Wie Landratsamtssprecher Christian Ell auf Nachfrage sagte, hat das Gesundheitsamt sieben Einrichtungen vorübergehend und eine – in Fürth – dauerhaft geschlossen. In allen Fällen habe es sich um rein private Anbieter gehandelt, und zwar sowohl um lokale als auch um überregional tätige. Keine der betroffenen Stationen aber kooperiere mit einer Apotheke oder Arztpraxis.

Hauptgründe für die Schließungen waren laut Ell Hygienemängel. So kam es vor, dass Schutzkleidung nachlässig angelegt wurde, keine Hand- und Flächendesinfektionsmittel vorhanden waren, das Einlassmanagement zu wünschen übrig ließ und Test-Kits, die zwischen vier und 30 Grad Celsius aufbewahrt werden müssen, brütender Hitze ausgesetzt waren, weil kein Kühlschrank zur Verfügung stand. Bei der Teststation, die auf Dauer schließen musste, sagt Ell, "kam alles zusammen, und es kam die unsachgemäße Verwendung von Teststäbchen dazu".

Die Beschäftigten des Gesundheitsamts prüfen die Teststationen punktuell, und teils auch inkognito. Das heißt: Sie lassen sich auch selbst dort testen, um Abläufe genau anschauen zu können. Sie nehmen aber nur hygienische Aspekte unter die Lupe, keine finanziellen. Verdachtsfälle auf Abrechnungsbetrug hatten Empörung ausgelöst. Die Abrechnung erfolgt über die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB).