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Erfolg mit Sonnenschein

Solar-Wechselrichter aus Fürth sind weltweit gefragt - 19.05.2010

Zuwachs im Blick: Der Chef der Fürther Wechselrichter–Produktion, Gerhard Schott, in einem mit Stromumwandlern vollgestopften Container für eine Zwei-Megawatt-Solaranlage. © Winckler


Das bislang größte Siemens-Projekt mit 48 MW entsteht derzeit in der Wüste bei Las Vegas. Zum Vergleich: der ebenfalls mit einem Siemens-Wechselrichter ausgestattete Solarberg Atzenhof bringt es nur auf ein MW. Die größte deutsche Anlage mit 54 MW wurde an Weihnachten im ostbayerischen Straßkirchen in Betrieb genommen. Übertroffen wird sie nur von einer 60 MW-Anlage im spanischen Olmedilla, aber Frankreich plant bereits einen Solarpark mit 143 MW bei Toul.

Die internationale Ausrichtung macht das Wechselrichter-Geschäft von Siemens unanfällig gegenüber den Schwankungen staatlicher Förderungen. Der Markt für regenerative Energien ist noch stark von Subventionen abhängig. Wenn jedoch die Module immer billiger werden, kann sich grüner Strom sogar ohne Einspeisevergütung rechnen. Auch darauf setzt Siemens.

Aus der Modulproduktion und dem damit verbundenen Preiskrieg hat sich die Firma längst verabschiedet. Man konzentriert sich auf das Knowhow, das in zwei Jahrzehnten mit der Wechselrichter-Entwicklung in Fürth erworben wurde. Dabei ist die Solarsparte nur ein kleiner Teil des seit 1954 bestehenden Fürther Siemens-Standorts mit derzeit 1817 Mitarbeitern. Trotz Wirtschaftskrise konnte die Mitarbeiterzahl kontinuierlich gesteigert werden. »Gut getan hat uns das im April beendete Jahr mit Kurzarbeit«, verrät Standortchef Christian Rüssel beim Besuch von Oberbürgermeister Thomas Jung.

Der OB freut sich indes, dass die Solarstadt Fürth mit der Wechselrichtersparte von Siemens, dem benachbarten Solarglashersteller Centrosolar und dem Anlagenbauer Sunline 500 »sonnige« Arbeitsplätze bietet. Während bei Centrosolar - wie berichtet - wegen der reduzierten Förderung bereits die Alarmglocken schrillten, geht Rüssel davon aus, dass das Geschäft mittelfristig »kräftigst« wächst.

Nach Weltmarktführer SMA aus Niestetal bei Kassel, behauptet sich Siemens mit seinen Fürther Wechselrichtern auf Platz zwei. Die Geräte sind für Anlagen von zehn bis 2000 Kilowatt ausgelegt und werden vor Inbetriebnahme am Produktionsort getestet. Für Großanlagen werden einfach mehrere Wechselrichter-Module zusammengeschlossen. Von handlichen Wandschränken bis zu zehn Meter langen Containern reicht die Palette der Wechselrichter.

Als großes Plus des Standorts Fürth stuft Rüssel das Potenzial qualifizierter Mitarbeiter aus der Region ein. Keine Abstriche mache das Unternehmen selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten deshalb an der eigenen Ausbildung. Von Vorteil ist das Unternehmen auch für den weiteren Aufschwung der Solarstadt. Zuletzt versorgte es die Solaranlage am Rand der B 8 ganz in der Nähe auf der Hardhöhe West mit einem Wechselrichter. OB Jung schwärmt von den kurzen Wegen und davon, dass die Solarbranche als Arbeitsplatzgarant mit Zukunftsperspektive in Fürth bereits die Automobilsparte in den Schatten stelle.

Während in der Wechselrichter-Produktion von Siemens eitel Sonnenschein herrscht, gibt es um die Ecke beim IT-Dienstleister SIS dicke Luft. Die geplante erneute Umstrukturierung des Unternehmensbereichs schürt bei den Beschäftigten Angst um den Arbeitsplatz und Abstriche am Einkommen. 

Volker Dittmar

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